Start up: Gründergeschichten
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Über die eigene Wand hinaus

Klara Ventz wollte schon immer, dass ihre Bilder ausgestellt werden, ob öffentlich oder im Privaten: „Die Hauptsache ist, dass es meine Fotos über meine eigene Wand hinaus an andere Wände schaffen.“ Foto: Philipp Sittinger

Klara Ventz wollte schon immer, dass ihre Bilder ausgestellt werden, ob öffentlich oder im Privaten: „Die Hauptsache ist, dass es meine Fotos über meine eigene Wand hinaus an andere Wände schaffen.“ Foto: Philipp Sittinger

Klara Ventz sieht die Welt durch das Objektiv ihrer Kamera. Die 25-Jährige brennt für die Fotografie und das Reisen. Neben ihrem Studium für das Lehramt an Förderschulen wagt sie mit “Klara Ventz Fotografie” den Schritt in die Selbstständigkeit und macht ihr Hobby zum Beruf.

Mit “Klara Ventz Fotografie” haben Sie sich neben dem Studium selbstständig gemacht. Wie kam es dazu?

Ich bin der Überzeugung, dass jedes Bild eine Geschichte erzählt. Hinter jedem Porträt verbirgt sich mehr als die bloße Abbildung eines Menschen. Dieser Faszination gehe ich seit Langem in meiner Freizeit nach. Meine großen Leidenschaften sind das Reisen und die Fotografie, was von Vorteil ist, da sich beide Hobbys perfekt miteinander verknüpfen lassen. Erst im vergangenen Jahr verbrachte ich mehrere Wochen im Iran. Dort habe ich mich mit Menschen auf der Straße unterhalten und sie im Anschluss porträtiert. Die Reaktionen auf meine Fotografien waren stets positiv. Die Freude, die ich mit Bildern auslösen kann, hat mich dazu motiviert, meine Leidenschaft zu professionalisieren und als Fotografin selbstständig zu werden.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie?

Die Serie

Start-Up. Foto: Diego PH/UnsplashVom eigenen Konzept zum eigenen Unternehmen –
In unseren Gründergeschichten stellen wir Studierende und Absolventen vor, die den Schritt in die Selbständigkeit gewagt haben.

Ich musste mich anfangs in viele Dinge einarbeiten. Dabei ging es vor allem um organisatorische Angelegenheiten, wie die Gewerbeanmeldung oder die Steuererklärung. Ich habe viele Ideen, die ich noch nicht umsetzen konnte. Außerdem erhalte ich bereits zahlreiche Anfragen. Gerade in der Anfangsphase habe ich damit noch nicht gerechnet. Zuletzt habe ich Fotos für Wahlplakate zur Stadtratswahl angefertigt. Danach fotografierte ich Produkte und Models für ein Start-up, das Brillenketten entwirft. Diese Aufträge waren mit viel Arbeit verbunden, gaben mir aber zeitgleich die Chance, mich auszuprobieren.

Welche Ziele verfolgen Sie?

Wie die meisten, die künstlerisch oder kreativ tätig sind, möchte ich meine Freude an der Sache mit anderen Personen teilen. Das ist nicht immer einfach. Wenn ich etwa auf Hochzeiten arbeite, halte ich einzigartige Momente von Personen fest, die mir quasi fremd sind. Ich versuche ein Gefühl für die Location, den Zeitpunkt und meine Kunden zu entwickeln. Die Kunst liegt darin, im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. Außerdem wollte ich schon immer, dass meine Bilder ausgestellt werden, ob in der privaten Wohnung einer Freundin oder im öffentlichen Rahmen. Die Hauptsache ist, dass es meine Fotos über meine eigene Wand hinaus an andere Wände schaffen.

Welchen Aufgaben liegen noch vor Ihnen?

Momentan widme ich mich meinem Internetauftritt. Ich bin mit meinem Unternehmen auf Facebook und Instagram vertreten, wobei ich kontinuierlich neue Inhalte einpflege. Gleichzeitig erstelle ich meine eigene Website. Unabhängig davon besagt eine Faustregel für Gründende, dass man etwa zehn Prozent seines Einkommens in seine persönliche Weiterbildung investieren sollte. Daran versuche ich mich zu halten, um immer besser zu werden.

Wie grenzen Sie sich von der Konkurrenz ab?

Ich möchte mit meiner Arbeit die Gesellschaft in ihrer Vielfalt abbilden. In den sozialen Medien entsteht oft der Eindruck, dass es nur perfekte Menschen gibt. Das suggeriert ein Bild, dem kaum jemand entspricht. Ich möchte den realen Alltag und dessen Vielfalt darstellen. Woher kommen wir? Wen lieben wir? An was glauben wir? Ein echtes Lachen einzufangen, ist mir viel lieber, als ein gestelltes Bild.

Arbeiten Sie in einem Studio oder sind Sie mobil?

Ich besitze kein eigenes Studio, verfüge aber über das nötige Equipment. Da ich am liebsten draußen fotografiere, hat es sich angeboten, mobil zu bleiben. Auf diese Weise kann ich auch flexibel arbeiten, ohne an einen Ort gebunden zu sein. Auf meinen Reisen benötige ich meine Ausrüstung ebenso. Bisher hatte ich mit dem Transport noch keine Probleme. Anfragen erreichen mich per Mail oder über die sozialen Medien.

Welche Rolle spielte Ihr Studium für Ihren Schritt in die Selbstständigkeit?

Ich würde behaupten, bei mir ist es genau umgekehrt: Meine Selbstständigkeit spielte eine Rolle für mein Studium. Viele Inhalte meines Studiums konnte ich mit der Fotografie kombinieren. Bei einer Fachtagung habe ich beispielsweise gelernt, dass man mithilfe von Fotos verhaltensauffällige Kinder dabei unterstützen kann, Gesichtsausdrücke richtig zu interpretieren. Generell kann die Fotografie ein spannendes Feld sein, um mit Kindern interaktiv zu arbeiten.

Wussten Sie schon zu Studienbeginn, dass Sie selbstständig werden möchten?

Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal selbstständig werde. Ich kann nicht einmal sagen, wann ich meine Meinung geändert habe. Das kann durchaus über meine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft im Gründungsbüro Koblenz-Landau passiert sein. Hier unterstütze ich seit Jahren andere Gründer. Ich möchte auch nicht hauptberuflich als Fotografin arbeiten. Wenn ich meinen Master abgeschlossen habe, werde ich nach einer entsprechenden Stelle in einer Förderschule suchen. Für andere Gründende ist es wichtig, der eigene Chef zu sein und viel zu verdienen. Ich möchte einfach das machen, was mir Spaß macht, auch wenn es nur nebenher läuft.

Wann haben Sie Ihre Begeisterung für die Fotografie entdeckt?

Ich würde sagen: Bei meiner ersten großen Reise nach Indien. Ich besuchte meine Schwester, die dort für ein Jahr zur Schule ging. Hier habe ich erstmals mit einer hervorragenden Kamera analoge Fotos gemacht. Dabei lernte ich zwangsläufig, auch auf den Moment und das Motiv zu achten, bevor ich abdrücke. Wenn ich ein digitales Foto aufnehme, kann ich danach überprüfen, ob das Bild gelungen ist, und sogar hunderte Bilder vom selben Motiv machen. In der analogen Fotografie besteht diese Möglichkeit nicht. Ich konnte meine Bilder erst nach deren Entwicklung im Fotolabor durchsehen. Das hat mich besonders daran gereizt.

Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Den besten Tipp bekam ich von einer befreundeten Fotografin. Ich arbeitete schon mit ihr zusammen, bevor ich selbstständig wurde. Wir waren auf einer Hochzeit gebucht, als sie mir sagte, dass es keinen idealen Moment gibt, um zu gründen. “Einfach loslegen” war ihr Ratschlag. In der Fotografie kommt es nicht nur auf Fachwissen an, sondern vielmehr auf Übung. Diesen Rat würde ich auch allen anderen geben, die überlegen, in der Fotografie selbstständig zu werden. Abgesehen vom Equipment entsteht kein finanzielles Risiko. Die Erfahrungen, die man dabei sammeln kann, sind einfach bereichernd.

Das Interview führte René Lang

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