Promovierende im Interview
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Carolin Jansen erforscht politisches Agenda-Setting in TV-Debatten

Die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Carolin Jansen forscht zumThema politisches Agenda-Setting. Foto: Angela Gräsel Die Diplom-Sozialwissenschaftlerin Carolin Jansen forscht zumThema politisches Agenda-Setting. Foto: Angela Gräsel

Carolin Jansen promoviert am Landauer Institut für Sozialwissenschaften in der Abteilung Politikwissenschaft. Die Doktorandin erforscht, welche politischen Inhalte in TV-Debatten vermittelt und wie sie angeeignet werden.

Sie forschen, organisieren Tagungen oder schreiben Fachartikel: In unserer Serie “Promovierende im Interview” berichten wir über Promovierende und ihre Forschung an unserer Universität. Und fragen: Was ist ihr Thema? Was sind ihre Leidenschaften? Wieso haben sie sich für eine Promotion entschieden? Wie organisieren sie ihr Arbeitspensum?

Bitte beschreiben Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen.

Meine Forschung ist geleitet von zwei Fragen: Sind TV-Debatten nur reine Show-Veranstaltungen oder auch funktional für die Wähler? Und: Sprechen die Kandidaten und Moderatoren eigentlich über das, was für den Wähler und die Wahlentscheidung relevant ist, oder inszenieren sie sich nur? Hintergrund ist, dass es viel Forschung zu der Wirkung von TV-Debatten gibt, die sich aber zum Beispiel eher mit optischen Aspekten und der Wirkungsweise befasst und weniger mit den Inhalten. Ich habe bei meiner Forschung eher den Wähler im Blick und schaue, ob TV-Debatten dem entsprechen, was der Zuschauer inhaltlich erwartet und was er für seine Wahlentscheidung benötigt.

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Es ist einfach etwas neues, die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen und ich frage mich: Warum schauen die Leute sich TV-Debatten an? Weil es sie inhaltlich interessiert oder weil sie die Politiker als Person sehen möchten? Es gibt Anzeichen dafür, dass Moderatoren wie Kandidaten eigene Konzepte verfolgen, die Debatten unterschiedlich werten und verschiedene Ziele verfolgen. Das ist sehr spannend.

Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden? 

Ich hatte das ursprünglich gar nicht groß geplant, ich wollte eigentlich in den journalistischen Bereich. Aber dann bekam ich während meiner Abschlussarbeit von Prof. Dr. Jürgen Maier das Angebot zur Promotion. Ich habe sehr pragmatisch entschieden, da ich sowieso auf der Suche nach einem Job war. Mittlerweile wurde meine Anstellung schon ein erstes Mal verlängert und ich bin sehr froh, mich für die Promotion entschieden zu haben.

Wie wird Ihre Promotion finanziert?

In erster Linie arbeite ich auf einer halben Stelle in einem Forschungsprojekt, das die Effekte von TV-Duellen auf politisches Vertrauen analysiert und Teil des interdisziplinären Forschungsschwerpunkts KoMePol ist. Darüber hinaus unterstütze ich die Abteilung Politikwissenschaft häufig durch Lehraufträge oder vertrete Kollegen, wenn diese Forschungsaufenthalte außerhalb von Landau wahrnehmen. In diesen Fällen wird die halbe Stelle finanziell entsprechend aufgestockt.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits neben der Promotion?

Ich bin schon auf einigen Konferenzen gewesen und werde als nächstes zur Jahrestagung des ECPR (European Consortium for Political Research) nach Montreal reisen, wo ich über einen Teilbereich meiner Dissertation referieren werde. Außerdem bin ich Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Interdisziplinären Promotionszentrums (IPZ) für den Fachbereich 6 unserer Universität. Darüber hinaus betreue ich Abschlussarbeiten und halte Seminare an unserer Uni, da ich neben der Promotion immer wieder auch für die Lehre angestellt bin.

Was sind Ihre beruflichen Pläne für die Zukunft?

Ich bin gebunden an die befristeten Verträge der Universität, sollte es keine Anschlussfinanzierung geben, werde ich erst einmal meine Dissertation fertig schreiben. Anschließend wäre es natürlich schön, wenn ich von den Erkenntnissen der Arbeit zehren könnte und z.B. im Bereich der medialen Beratung oder der Politikberatung Arbeit finden würde. Politische Stiftungen wären ebenfalls interessante Arbeitgeber für mich.

Was sollten Studierende mitbringen, die an eine Promotion denken?

Durchhaltevermögen und die Courage, sich Zeit zum Schreiben und für die Arbeit zu nehmen. Außerdem sollte man eine klare Forschungsfrage formulieren können und eine Affinität für wissenschaftliches Arbeiten haben.

Welche Aufgaben ergeben sich noch im Zuge Ihrer Promotion?

Ich habe noch einige Lehrveranstaltungen gehalten, die meist wenig mit dem Thema der Dissertation zu tun haben. Die Seminare waren bisher auf die Lehrerausbildung, Empirische Politikforschung sowie Parteienforschung und entwicklung ausgerichtet.

Was unternehmen Sie, um sich zusätzlich zu qualifizieren?

Es gibt immer wieder gute Angebote vom Methodenzentrum und Workshops zu methodischer Forschung, Softwarekompetenzen oder anderen praktischen Themen. Ansonsten tausche ich mich mit Kollegen und Experten anderer Universitäten aus und bekomme viel Feedback von meinem Betreuer.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf?

Um ganz ehrlich zu sein, arbeite ich am effektivsten, wenn ich feste Termine habe. Also melde ich mich zum Beispiel zu Vorträgen an, weil ich dann bis zu diesem Zeitpunkt weitere Ergebnisse erbracht haben muss. Letztes Semester hatte ich neben der Promotion eine volle Stelle im Institut, weshalb ich in dieser Zeit gar nicht zum schreiben gekommen bin. Ich möchte aber spätestens Ende 2016 fertig werden.

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