Kolumne
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Viele Berufe, eine Berufung

Heute schreibt Campus-Reporter Adrian Müller. Zeichnung: Carolin Höring. Heute schreibt Campus-Reporter Adrian Müller. Zeichnung: Carolin Höring.

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Den Auftakt macht Adrian Müller, Filmemacher und Lehramtsstudent. Er schreibt über die zwei Herzen, die in seiner Brust schlagen. 

Nach meiner erfolgreichen Filmpremiere des Rhein-Lahn-Krimis Bauernopfer, den ich vor einer Woche mit meiner grandiosen „Filmfamilie“ feiern durfte, war die Erleichterung erst einmal sehr groß. Freude über die durchweg positive Resonanz sowie ein leichtes Gespür von Traurigkeit: Darüber, dass das Projekt nun vorbei ist und dass aufgrund terminlicher Überschneidungen leider nicht alle Teammitglieder und Schauspieler an der Premiere teilnehmen konnten. Mit meinem Studium, dem Nebenjob und meinen Filmprojekten kenne ich das nur zu gut – dennoch gelingt es mir meistens, alle Termine gut zu organisieren. Wahrscheinlich, weil mir die Abwechslung in den Projekten und die unterschiedlichen Komponenten einfach Freude bereiten. Auch wenn man dafür sicher einige Kompromisse bei der Realisierung eingehen muss. Manchmal sage ich mir: „Was sind schon ein paar Nächte mit wenig Schlaf im Tausch für lebenslangen Stolz auf seine erreichten Ziele.“

Und hätten die vielen Mitwirkenden und Unterstützer des Rhein-Lahn-Krimis nicht auch so oder so ähnlich gedacht, dann wären wir wahrscheinlich nicht an die Qualität herangekommen, die den Film jetzt auszeichnet. So ein Projekt funktioniert nur, wenn jeder seine Fähigkeiten einbringt und auch einbringen darf, weil ein großes Vertrauen hinter dem Team und den einzelnen Personen steckt. Da ist es kein Wunder, dass aus diesem Film viele neue Freundschaften entstanden sind. Ich persönlich würde mich sehr freuen, mit denselben Menschen in Zukunft noch öfter zusammen zu arbeiten.

Es war ein großer Zufall und ein großes Glück für mich, dass die Drehzeit für diesen Film im letzten Jahr genau in meinen Semesterferien lag und ich meine Hausarbeiten fürs Studium schon vor Drehbeginn abgeben konnte, denn auch wenn es bei oberflächlicher Betrachtung vielleicht nicht so aussieht, hat das Studium doch Vorrang.

Verständnisschwierigkeiten auf beiden Seiten

Viele Kommilitonen und Freunde finden es sehr spannend, wenn ich von meinen Filmprojekten erzähle. Das freut mich natürlich, jedoch sehe ich es letztendlich als normalen Job, der wie jeder andere auch Höhen und Tiefen hat. Und wie bei jedem ausgeprägten Interesse entstehen auch manchmal Verständnisschwierigkeiten. So erntete ich, vor zwei bis drei Jahren noch häufiger als heute, ungläubige Blicke, wenn ich in einer Umgebung von Filmschaffenden von meinem Lehramtsstudium erzählte, oder umgekehrt in einem Kreis von Studierenden und Lehrern von meinen Ambitionen als Filmemacher. Bestimmt war ich damals noch etwas unsicher in der Erklärung und bin es womöglich auch heute noch, aber inzwischen lasse ich mich nicht mehr davon leiten. Gefüttert wird die Angst oder Unsicherheit meist von außen. Eltern hegen den nachvollziehbaren Wunsch, dass ihr Kind einen „vernünftigen“ Beruf erlernt – aber was heißt das heutzutage noch?

Entscheidung aus dem Bauch heraus

Als Kind einer Lehrerin habe ich mich diesem Klischee natürlich auch schon mindestens einmal gestellt, zum Beispiel als ich direkt im Anschluss an meinen Bachelor of Arts in Digitalem Film und Animation das Lehramtsstudium in Koblenz begonnen habe. Es mag sein, dass Kinder sich häufig für den Beruf der Eltern entscheiden, weil sie diesen im Laufe ihres Lebens selbstverständlich besser kennen lernen als andere Berufe. In meiner persönlichen Sozialisation erkenne ich ebenfalls viele Ansätze, die mir schon früh die Vor- und Nachteile des Lehrerberufs nahe gebracht haben, jedoch wird die persönliche Entscheidung bei der Beurteilung durch Außenstehende viel zu häufig vernachlässigt.

Rechne ich die Zeit vor und nach dem Abitur und vor beziehungsweise während der Bewerbung an der Universität Koblenz-Landau zusammen, wo ich mich regelmäßig mit meinen Zukunftsplänen auseinandergesetzt habe, so umfasst diese Zeitspanne sicherlich ungefähr zwei Jahre. Und das, obwohl ich meine Entscheidungen letztendlich oft aus dem berühmten Bauch heraus fälle. Wir Menschen sind nun mal alle ganz individuell und es ist unglaublich spannend, dies immer wieder auf unterschiedlichste Art und Weise bei sich und auch anderen herauszufinden.

Entsprechend gelassen kann ich inzwischen auf bestimmte Kommentare oder Nachfragen reagieren. “Lehrer werden hat heutzutage weniger mit Berufung zu tun, sondern viel mehr mit Bequemlichkeit“, meinte neulich jemand zu mir, als ich mein Studium und meine Nebentätigkeiten in einem Gespräch erwähnte. Daran sieht man wieder exemplarisch, wie jede Berufsgruppe mit Vorurteilen behaftet ist. So auch die des Lehrers, die von Zeit zu Zeit immer wieder in den diversen Medien anregend und aufgeregt diskutiert werden.

Diskussion auf unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen

Ich wage nicht, in dem Maße zu urteilen, wie es im Internet oftmals geschieht. Die jeweilige Situation und Wahrnehmung der Schreiber wird immer eine andere sein als meine. Bei meiner Beurteilung greife ich hauptsächlich auf meine eigenen Erfahrungen zurück, die ich in Schule, Studium, Praktika, Projekten und Arbeit machen durfte. Daraus setzt sich mein Idealbild von mir als Lehrerpersönlichkeit zusammen. Und wenn ich nur einen Bruchteil davon erreiche, bin ich schon zufrieden, weil ich weiß, dass ich die Schülerinnen und Schüler auf meine eigene Art und Weise in vielerlei Hinsicht anleiten, unterstützen, erziehen und fördern kann. Daher blicke ich voller Neugier und Zuversicht auf meine zukünftige Laufbahn als Lehrer und Filmemacher.

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