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“Mein Traum? Einen Oscar gewinnen”

Seinen Traum vor Augen: Campus-Reporter Adrian Müller fühlt sich pudelwohl hinter der Kamera. Foto: Privat Seinen Traum vor Augen: Campus-Reporter Adrian Müller fühlt sich pudelwohl hinter der Kamera. Foto: Privat

Er ist Student, Uni-Blogger und Regisseur: Besonders die letztgenannte Tätigkeit erwähnt Adrian Johannes Müller gern en passant. Sein jüngstes Werk ist der Rhein-Lahn-Krimi “Bauernopfer”, der bald in den regionalen Kinos zu sehen sein wird. Für uns ein Grund, bei unserem talentierten Redaktionsmitglied, das am Campus Koblenz Englisch und Deutsch auf Gymnasiallehramt studiert, einmal nachzufragen.

Filmen und Regie führen – wie kommt man zu so einem spannenden Hobby?

Angefangen hat alles, als ich 16 war. Damals hab ich mir zu Weihnachten eine Kamera von meinen Eltern gewünscht. Als ich sie dann bekam, drehte ich lustige Videos mit Freunden, beim Skaten oder im Winter beim Schlittenfahren. Irgendwann habe ich damit begonnen, auf den Familienfeiern, Geburtstagen und Hochzeiten zu filmen. Nach dem Abitur wollte ich mich in dem Bereich weiterentwickeln.

Wie ging es dann weiter?

Nach dem Abi bin ich nach Köln gegangen und habe dort „Digitaler Film und Animation“ studiert. Dort lernt man alles über den Filmherstellungsprozess, vom Drehbuch schreiben über Licht- und Kameraeinstellung bis hin zum Regieführen. Ein sehr praktischer Studiengang, der mir Spaß gemacht hat und den ich dann nach zweieinhalb Jahren mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen habe.

Erst Hollywood, dann Lehramt? Wie kommt’s?

Während dem Studium in Köln absolvierte ich ein halbes Jahr lang ein Praktikum in der Film- und Fernsehproduktion in Koblenz. Danach habe ich dort auch gearbeitet und mir ein bisschen Geld verdient. Doch ich merkte schnell, dass ich lieber etwas Eigenes machen möchte und vor allem filmen, worauf ich Lust habe. Das Fernsehprogramm hat mir nicht so zugesagt. Bei der Firma waren natürlich auch noch andere Praktikanten. Ich hatte sehr viel Freude dabei, denen etwas beizubringen. Das war für mich der Punkt, warum ich mich in Koblenz für das Lehramt-Studium beworben habe.

Die Leidenschaft für den Film ist aber geblieben… 

Oh ja. Das ist eigentlich meine hauptsächliche Freizeitaktivität. Zum Ausgleich versuche ich, ab und zu ins Fitnessstudio zu gehen.

Was haben Sie schon alles gedreht? Brandaktuell ist der Rhein-Lahn-Krimi mit dem schönen Titel “Bauernofper”, bei dem Sie auch Regie geführt haben.

Ja, am Freitag war die Premiere. Das war auch das erste Mal, dass ich bei einem Langspielfilm Regie geführt habe. Angefangen habe ich 2011 mit C.S.I. Kowelenz, auf den ich durch einen Bekannten aufmerksam gemacht wurde. Ich habe damals den Schnitt gemacht und an freien Wochenenden bei den Dreharbeiten geholfen. Ein paar Musikvideos waren auch dabei, von regionalen Bands. Und dann war da noch der Dokumentarfilm Latscho über die TUS Koblenz aus dem Jahr 2012. Auch da habe ich das Videomaterial zu einem rund dreistündigen Film geschnitten.

Und die liefen auch im Kino?

Ja, in den regionalen Kinos in Koblenz. Allerdings musste der TUS Koblenz-Film auf zwei Stunden gekürzt werden.

Der Rhein-Lahn-Krimi „Bauernopfer“ läuft bald an. Wie war es, das erste Mal Regie zu führen?

Anders, aber interessant. Ich bin letztes Jahr im März zum Projekt hinzugestoßen, da war das Drehbuch kurz vor der Vollendung. Ich habe noch mitgeholfen, meine Ideen eingebracht, und dann war es fertig. Als Regisseur hatte ich mehrere Aufgaben, zum Beispiel die Kostümvorschläge für die Schauspieler oder Rollengespräche, meist am Telefon, mit ihnen führen. Und am Drehbuch habe ich während der Dreharbeiten und im Schnitt (in Zusammenarbeit mit meinem Cutter) das ein oder andere geändert, besonders als wir gemerkt habe, dass die Story anders spannender und interessanter werden könnte.

Was liegt Ihnen mehr: Schnitt oder Regie?

Das ist eine schwere Frage. Am Schnitt mag ich, dass ich sofort die Resultate sehe. Als Regisseur hat man zwar eine Vision im Kopf, wie der Film mal aussehen soll, doch in der Realität ist er ganz anders als in der Vorstellung. Aber als Regisseur hat man eben die Möglichkeit, noch etwas zu ändern, man hat die Story in der Hand.

Lehramt und Filme machen. Beruf oder Hobby?

Am liebsten hätte ich gerne eine Kombination aus beidem in meinem Beruf. Ich sehe mich in zehn Jahren als Lehrer, in elf Jahren könnte ich aber auch Regisseur sein. Meine Fächer lassen diese Kombination zu. Bereiche der Medienbildung sind Teil des Studiums, lesen, selbst schreiben und produzieren sind Dinge, die mich interessieren. Mein Idealbild als Lehrer ist es, meine eigenen Berufserfahrungen in möglichst vielen Bereichen an die Schüler weiterzugeben und sie beraten zu können. Und irgendwie bietet es sich auch an, in den Ferien Filme zu drehen und in der Schule vielleicht auch mit den Schülern zusammen zu drehen. Ja, das wär doch ganz gut.

Klingt, als hätten Sie schon Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt?

Ja, in den Osterferien habe ich in der KUFA Koblenz zwei Filmworkshops angeboten. In vier Tagen haben wir ein Drehbuch geschrieben und anschließend den Film dazu produziert. Das hatsowohl meine Freude an diesem Hobby als auch am Studiengang bestätigt.

Träume?

Ein Dozent hat mal gesagt: „Man muss große Träume haben“. Er wollte zum Beispiel einen Oskar gewinnen. Den Traum habe ich einfach übernommen.

Ihr Lieblingsfilm?

Oh. Das darf man mich nicht fragen. Kommt ganz auf die Stimmung an. Ich zähle meine Favoriten einfach chronologisch auf: Als Kind waren es, wie bei wahrscheinlich jedem, Disney-Filme wie „König der Löwen“, als Teenie in der Rebellionsphase war „Fight Club“ der Renner, oder auch „Star Wars“. Heute bin ich offen für alles und genieße die Vielfalt, die die Filmindustrie bietet.

Sprechen wir über Berufskrankheiten: Schauen Sie bei Filmen überhaupt noch auf die Story oder nur noch auf die Umsetzung?

Normalerweise achte ich bei Filmen erstmal auf die Story, die Wirkung, die Emotionen und die Schauspieler. Wenn mir der Film gefällt, schaue ich ihn ein zweites Mal, dann kann ich auch mehr auf die Technik achten.

Haben Sie Vorbilder in der Regie?

Christopher Nolan und Stanley Kubrick finde ich super. Es sind beides Perfektionisten.

Wie Sie?

Übertriebener Perfektionismus ist nicht gut, weil das bedeutet, niemals richtig glücklich zu sein. Ich möchte nicht nur auf Fehler schauen, “schlechte Filme” nicht bereuen, da ich mir sicher bin, dass ich meine Arbeiten immer so gut mache, wie ich eben kann.

Wie geht es jetzt weiter? Gibt es etwas, dass Sie unbedingt einmal filmen möchten?

Ja, da gibt es in der Tat eine Herzensangelegenheit. Ich würde unglaublich gern einen Film mit meinem Bruder machen. Er hat das Down-Syndrom und arbeitet mit anderen Menschen mit Down-Syndrom in einer Werkstatt. Es wäre mit Sicherheit interessant, einen Dokumentarfilm in der Sonderpädagogik zu machen. Allerdings braucht das noch etwas Zeit.

Clara Jung

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