Karriere
Schreibe einen Kommentar

Ein Büro im Wald: Praktikum in einem Planungsbüro

Die 19-jährige Annika Böhmer studiert BioGeowissenschaften. Für ein Praktikum war sie in Oldenburg und berichtet für Uniblog von ihren Erfahrungen. Foto: Greta Rettler Die 19-jährige Annika Böhmer studiert BioGeowissenschaften. Für ein Praktikum war sie in Oldenburg und berichtet für Uniblog von ihren Erfahrungen. Foto: Greta Rettler

Wo möchte ich nach dem Studium arbeiten? Ein guter Weg, eine Antwort auf diese Frage zu finden, sind Praktika. Sie geben nicht nur Einblick in mögliche Berufsfelder und zeigen, wo es nach dem Studium hingehen soll, sondern können auch als Sprungbrett dienen. Annika Böhmer durfte während eines sechswöchigen Praktikums in einem Planungsbüro für regionale Struktur- und Umweltforschung das machen, was sie am meisten interessiert: Tiere beobachten.

Ich war schon immer gerne in der Natur unterwegs, habe Pflanzen gesucht und Tiere beobachtet. Da lag es für mich nahe, BioGeowissenschaften zu studieren und diese Leidenschaft zu meinem späteren Beruf zu machen. Der Studiengang in Koblenz bietet eine gute Mischung aus Umweltwissenschaft, Natur- und Landschaftsschutz und ist sehr praktisch ausgerichtet. So ist auch ein Praktikum vorgesehen, das ich in den letzten Semesterferien absolviert habe. Sechs Wochen habe ich in Oldenburg bei der ARSU – Arbeitsgruppe für regionale Struktur- und Umweltforschung in die Arbeit eines Planungsbüros reingeschnuppert. Das Unternehmen hat 21 Mitarbeiter und ist auf Gutachten zur Umweltverträglichkeit von Bauprojekten spezialisiert. Außerdem bieten es ökologische Baubegleitung und Regionalmanagement für Kommunen und private Unternehmer an.

Klar hatte ich im Vorfeld einige Erwartungen und Vorstellungen, vor allem im Hinblick auf die Arbeit, die ich machen würde. Einen großen Teil der Zeit durfte ich genau das tun, was mich am meisten interessiert: Raumnutzungsanalysen. Klingt sehr trocken, ist tatsächlich aber sehr spannend. Wir haben bis zu acht Stunden die Vögel um uns herum beobachtet, geschaut, von wo nach wo sie fliegen und in welchem Baum sie nisten. Dann wurden die Nester gesucht und das alles auf einer Karte verzeichnet. Inzwischen bin ich Spezialistin im Erkennen von Eulen – nur an ihren Lauten mitten in der Nacht.

Wo hat der Storch sein Nest gebaut? Dieser Frage ging Anja Böhmer in ihrem Praktikum nach. Foto: Privat

Wo hat der Storch sein Nest gebaut? Dieser Frage ging Annika Böhmer in ihrem Praktikum nach. Foto: Privat

Gut zu wissen, was man nicht will

All das ist eigentlich Vorbereitung für das, was anschließend kommt: Gutachten schreiben. Da geht es primär um Baumaßnahmen wie zum Beispiel Windparks, Stromtrassen oder Bundesstrassen. In Deutschland kann man nicht einfach bauen, das ganze Vorhaben muss umweltverträglich sein und darf die Umgebung nicht zu sehr belasten. Die ARSU begleitet auch sogenannte Kompensationsflächen, die angelegt werden, wenn es bereits kritische Bauten gibt. Für solch ein Projekt habe ich überprüft, wie viele und welche Tiere und Pflanzen sich seit Projektbeginn angesiedelt haben.

Dank dieser Arbeit konnte ich mein Ziel verfolgen, aktiv etwas für die Umwelt zu tun. Ich muss allerdings auch sagen, dass es einen weiteren Bereich bei ARSU gab, der mal ganz anders war: Regionalmanagement. Durch eine Online-Markthalle soll die regionale Wirtschaft gestärkt und vernetzt werden. Da sitzt man natürlich sehr viel im Büro und arbeitet am Computer. Auch wenn das nicht meine favorisierte Tätigkeit ist, war es eine gute Erfahrung um den Umgang mit Daten, Umfragen und entsprechender Software zu lernen.

Eine Richtung für den späteren Beruf

Das Praktikum bei der ARSU war nicht mein erstes und man fragt sich im Rückblick immer: Was hat mir das gebracht? Die Arbeit war sehr spannend und auch effektiv. Ich habe festgestellt, dass ich draußen in der Natur sein und mich bewegen muss, und dass ich direkt mit Pflanzen und Tieren zu tun haben möchte. Deswegen werde ich mich wohl auch in meinem Studium auf den Bereich Forschung und Analyse spezialisieren.

Allgemein verschaffen Praktika eine gute Perspektive auf spätere Berufsfelder, weshalb ich jedem empfehlen kann, in Unternehmen reinzuschnuppern. Vor Ort sollte man auf jeden Fall die Initiative ergreifen und fragen, wo und was man helfen kann. Und wenn man ein Praktikum in einem Planungsbüro macht, darf man nicht pingelig sein, denn man steht auch mal bei Regen mit Gummistiefeln im Matsch. Für mich genau das Richtige.

Schreibe einen Kommentar