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Aus dem Reich der Mitte nach Koblenz

Austsauschstudentin Min Ke hat den weiten Weg von China nach Koblenz gewagt. Die weg Design-Studentin kommt aus einer Millionenstadt am ostchinesischen Meer und mag das kleine Koblenz sehr - vor allem zur fünften Jahreszeit. Foto: Felix Bartsch Austsauschstudentin Min Ke hat den weiten Weg von China nach Koblenz gewagt. Die weg Design-Studentin kommt aus einer Millionenstadt am ostchinesischen Meer und mag das kleine Koblenz sehr - vor allem zur fünften Jahreszeit. Foto: Felix Bartsch

Von der Millionenstadt Fuzhou am ostchinesischen Meer in das beschauliche Koblenz: Min Ke ist als Austauschstudentin für den Master in Web Science an der Universität Koblenz-Landau. Sie ist eine der ersten, die von der Fuzhou Universität nach Koblenz gekommen ist, und absolviert zeitgleich einen chinesischen und einen deutschen Master. Die Stadt hat sie schnell ins Herz geschlossen, gerade die heimische Esskultur vermisst sie jedoch.

Min Kes Augen glänzen, als sie vom Meer und den tropischen Temperaturen in ihrer Heimat erzählt. Eineinhalb Jahre ist es nun her, dass sie Fuzhou verlassen hat, um am Koblenzer Campus Web Science zu studieren. Eine große Umstellung war das Klima: In ihrem Heimatort im Osten Chinas herrschen gute drei Monate Sommer mit durchgehenden Temperaturen über 30 Grad. „Wir tragen dort immer Schirme, weil wir nicht braun werden wollen“, erzählt Ke. In der chinesischen Kultur gilt eine bleiche Haut als Schönheitsideal – ganz anders, als bei ihren Freunden in Deutschland. „Hier wollen alle im Sommer immer zum StattStrand, um sich zu bräunen“, sagt sie und grinst.

Es sind diese Unterschiede, die die 25-Jährige zum Lächeln bringen. Auch das Koblenzer Stadtbild ist ganz anders als in ihrer Heimat. Fuzhou hat als Hauptstadt der Provinz Fujian sieben Millionen Einwohner, wogegen Koblenz sehr klein erscheint. Dennoch ist Ke begeistert von ihrem derzeitigen Wohnort: „Ich finde, es ist eine sehr schöne Stadt. Gerade auch, um während des Studiums hier zu leben“, erklärt die Studentin. Besonders in den kurzen Wegen sieht die junge Chinesin Vorteile: Brauchte sie am großen Campus in Fuzhou von einem Vorlesungssaal zum nächsten bis zu zehn Minuten mit dem Fahrrad, lässt sich hier das gesamte Gelände gemütlich zu Fuß ablaufen.

Karaoke und chinesisches Essen im internationalen Vergleich

Wie viele ihrer Landsleute liebt Ke Karaoke. Das gemeinsame Singen ist in China eine sehr beliebte Abendbeschäftigung. Um dem Hobby auch in Koblenz frönen zu können, geht Ke gern in den Irish Pub, hier gibt es regelmäßig Karaoke-Abende. Nicht alle ihre Freunde trauen sich dann auf die Bühne: „In meinem deutschen Bekanntenkreis trifft man sich lieber zum Reden und trinkt dabei etwas“, erzählt sie. So richtig blüht die junge Frau jedoch erst auf, als es um das Thema Essen geht: „In China sitzt man oft zusammen in Restaurants und isst gemeinsam.“ Diese Abende mit der authentischen, chinesischen Küche bescheren ihr Heimweh. Die deutschen Interpretationen ihrer Heimatküche sind in ihren Augen alles andere als authentisch: „Warum ist das alles so ölig in asiatischen Restaurants hier? Wir frittieren nicht ständig.“

Weil die lokalen asiatischen Restaurants für sie nicht viel hergeben, kocht sie am liebsten selbst, um ein Stück Heimat auf dem Teller zu genießen. Wenn sie ihre Freunde zum gemeinsamen Essen einlädt, stoßen die manchmal an ihre Grenzen, denn Anblick und Geschmack sind für uns Europäer unter Umständen gewöhnungsbedürftig: In China werden viele Gerichte samt Knochen gekocht, um einen besonders kräftigen Geschmack zu entfalten – und landen dann genau so auf dem Teller. Die unterschiedlichen Esswerkzeuge – Ke isst der chinesischen Tradition gemäß mit Stäbchen – tun dann ihr übriges, um die Esskulturen zu spalten. Die deutsche Küche hat die Chinesin dennoch schnell ins Herz geschlossen: „Ich habe hier gefüllten Kohl mit Fleisch gegessen, Kohlrouladen, das fand ich sehr lecker.“

Von Traditionen und Zukunftsplänen

Auch der zurückliegende Karneval mit bunten Kostümen und Umzügen hat Ke begeistert und sie bedauert, dass es in ihrer Heimatstadt keinerlei Paraden gibt. Der einzige große Feiertag ist der chinesische Neujahrstag zwischen Ende Januar und Anfang Februar, der mit großem Feuerwerk und festlichem Essen begangen wird. An diesem Tag geben die Älteren oft Geschenke und Geld an die Jüngeren, ein Pendant zur Bescherung an Weihnachten, was in China aus religiösen Gründen nicht gefeiert wird.

Ihr chinesisches Studium muss sie dieses Jahr noch abschließen, ihren Master in Deutschland wird sie bis zum Wintersemester 2018 beenden. Danach möchte sie erst einmal in Deutschland bleiben. „Ich finde es wichtig, nicht bloß im Ausland zu studieren, sondern auch erste Arbeitserfahrungen dort zu sammeln“, erklärt Ke. Wie lange sie hier bleibt und wie es weiter geht, das weiß die 25-Jährige noch nicht. Irgendwann wird sie zurückgehen, als Einzelkind möchte sie für ihre Eltern da sein, wenn diese alt und pflegebedürftig werden. Für die nächste Zeit hat sie aber ein klares Ziel: „Ich möchte einfach weiter spannende Erfahrungen sammeln.“ Und den Sommer an Rhein und Mosel genießen.

von Felix Bartsch

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