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Auf den Spuren von… Sarah Maria Kollenberg, Global Director Efficiency and Productivity bei Symrise

(Symbolbild) Sarah Maria Kollenberg hat Erziehungswissenschaft studiert und ist heute für die Optimierung von Prozessen innerhalb des Unternehmens Symrise zuständig. Foto: Rawpixel/Unsplash

(Symbolbild) Sarah Maria Kollenberg hat Erziehungswissenschaft studiert und ist heute für die Optimierung von Prozessen innerhalb des Unternehmens Symrise zuständig. Foto: Rawpixel/Unsplash

Mit alten Routinen brechen, um Platz für Verbesserungen zu schaffen. Alumna Sarah Maria Kollenberg weiß: Wer etwas verändern will, muss andere begeistern können. Als Global Director of Efficiency and Productivity arbeitet Sie mit Ihrem Team weltweit an innovativen Ideen, um die Arbeitsabläufe ihres Arbeitgebers zu optimieren.

Sie arbeiten bei der Symrise AG. Womit beschäftigt sich dieses Unternehmen?

Kurz gesagt: Die Symrise AG ist ein globaler Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen, kosmetischen Grund- und Wirkstoffen sowie funktionalen Inhaltsstoffen. Firmen, die beispielsweise Körperpflegeprodukte wie Shampoos, Duschgel oder Zahncreme, Haushaltsmittel wie Waschmittel und Putzmittel oder aber Nahrungsmittel wie süße oder salzige Snacks herstellen, kaufen diese, um sie in ihren Produkten zu verarbeiten.

Ihre Berufsbezeichnung klingt beeindruckend: Sie sind Global Director of Efficiency and Productivity der Division Scent and Care. Aber was bedeutet das?

Im Deutschen würde man darunter eine Abteilungsleitungs-Funktion verstehen. Da wir ein internationales Unternehmen sind und sich mein Team auf fast alle Kontinente verteilt, kommt der globale Aspekt noch hinzu. Der Zusatz der Effizienz und Produktivität weist auf meinen Verantwortungsbereich hin: Die Optimierung von Prozessen innerhalb des Unternehmens. Meine Aufgaben erstrecken sich in zwei Richtungen. Auf der einen Seiten bin ich beratend tätig. Ich stelle Programme auf, die zur Verbesserung der Unternehmensabläufe führen sollen und präsentiere diese dem Management. Die Umsetzung dieser Programme gelingt aber auf der anderen Seite nur, wenn die Mitarbeiter im Unternehmen einbezogen werden. Dabei ist Kommunikation und Koordination gefragt. Ob per E-Mail, Telefon oder Videokonferenz, in Einzel- oder Gruppengesprächen. Oftmals sehe ich mir das Betriebsgeschehen auch vor Ort an, um Situationen besser verstehen zu können. Die nächste größere Reise führt mich beispielsweise nach São Paulo in Brasilien. Um einen globalen Standard zu erreichen, sind gemeinsame Ziele, Visionen und Methoden unausweichlich.

Wie sind Sie an den Job gekommen?

Nach meinem Abschluss in Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt der Betriebspädagogik war mir bewusst, dass ich in die freie Wirtschaft wollte. Während des Studiums habe ich mich immer wieder mit kollektiven Lernsituationen beschäftigt. Wie lernen wir in sozialen Gruppen? Welche Dynamiken entwickeln sich dabei? Was geschieht, wenn bewährte Routinen plötzlich infrage gestellt werden? Gerade bei Veränderungen reagieren Menschen oft skeptisch. Damit wollte ich mich in meiner Diplomarbeit beschäftigen. Also habe ich mich kurzerhand auf eine freie Stelle bei Porsche Consulting beworben, um dieser Thematik im betrieblichen Kontext nachgehen zu können. Und ich wurde tatsächlich angenommen. Was in dieser Branche leider nicht selbstverständlich ist. Schließlich war ich jung, weiblich und kam nicht aus einem typischen Fachbereich, wie etwa Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen. Mir wurde schnell bewusst, dass ich gerne an diesem Thema weiterarbeiten wollte. Es machte mir kaum Mühe, mich in Prozessmanagement einzuarbeiten und den Zusammenhang zur Unternehmenskultur nachzuvollziehen. Als ich meine Diplomarbeit fertig hatte, war ich für drei Jahre in der Prozessverbesserung der Deutschen Bahn tätig, bevor ich einen Anruf von Porsche Consulting bekam, mit dem Vorschlag wieder in die Beratung zurückzukehren. Dort war ich fast sechs Jahre beschäftigt und kam mit zahlreichen Unternehmen in Kontakt. Einer dieser Kunden war die Symrise AG, zu der ich im Januar 2017 gewechselt bin.

Sarah Maria Kollenberg. Foto: Privat

Sarah Maria Kollenberg. Foto: Privat

Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

So etwas wie einen normalen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Es steht immer etwas anderes an. Wenn ich zum Beispiel einen Workshop leite, plane ich diesen im Vorfeld sorgfältig durch. Vor Ort fungiere ich als Moderatorin, um der Gruppe eine Struktur zu geben und sie auf ein Arbeitsergebnis zusteuern zu lassen. Befinde ich mich an einem Tag im Büro, informiere ich mich über laufende Entwicklungen in den Regionen. Ich stehe in ständigem Kontakt mit meinen Mitarbeitern und schaue, wo Fachwissen, Austausch oder Unterstützung gefragt ist. Ansonsten fällt auch mal reguläre Büroarbeit an: E-Mails checken, an Besprechungen teilnehmen, Austausch mit den Führungskräften. Manchmal startet der Arbeitstag auch im Flieger. Gerade bei Langstreckenflügen reise ich schon am Wochenende an, damit ich zu Dienstbeginn fit bin. Allein in diesem Jahr war ich in Paris, Singapur, Shanghai, Chennai, Mexiko City und New York.

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Die größte Herausforderung sehe ich darin, dass die Optimierung von Arbeitsprozessen innerhalb der Duft-, Pflege-, und Geschmacksbranche ein neueres Thema ist. Große Automobilfirmen beispielsweise beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit inneren Prozessen, das gehört dort zur Tagesordnung. Bei uns ist das anders. Ich vergleich meine jetzige Branche gerne mit einem Verlag, der Journalisten und Fotografen beschäftigt. Die Menschen, mit denen ich arbeite, sind kreativ engagiert. Auf das Wort Standard reagieren die meisten abweisend. Es ist also stets herausfordernd, unsere Mitarbeiter für Veränderungen zu begeistern.

Wussten Sie schon zu Studienbeginn, was Sie später machen wollen? Was war Ihr Traumjob?

Ursprünglich wollte ich Psychologie studieren. Trotz gutem Abiturschnitt wurde das aber nichts. Die Studienberatung empfahl mir daraufhin die Medizin oder Erziehungswissenschaft. Mein Einstieg ins Studium war also alles andere als enthusiastisch. Trotz abgelaufener Bewerbungsfrist wurde ich in Koblenz angenommen und habe innerhalb weniger Semester meine Leistungsnachweise erbracht. Nach meinem Vordiplom wechselte ich an den Landauer Campus, um mich auf den Schwerpunkt der Betriebspädagogik zu konzentrieren.

Warum haben Sie sich für ein Studium an der Universität Koblenz-Landau entschieden?

Zunächst, weil es, wie bereits erwähnt, keine Alternative gab. Der Wechsel nach Landau nach dem Vordiplom geschah, da es für mich am meisten Sinn machte. Ich wollte Betriebspädagogik studieren und kannte die Universität bereits aus Koblenz.

Welche Rolle spielt Ihr Studium für Ihre Tätigkeit als Global Director Efficiency & Productivity?

Viele Menschen reagieren überrascht, wenn Sie hören, dass ich als Erziehungswissenschaftlerin in der Prozessverbesserung tätig bin. Das scheint nicht direkt zusammenzupassen. Dabei wird oft übersehen, dass es auch immer um Menschen, ihre Routinen und  um Machtstrukturen im Unternehmen geht. Meine Arbeit ist also am Menschen orientiert. Sie funktioniert nicht, wenn ich es mit meinem Team nicht schaffe, die Mitarbeiter und Führungskräfte im Unternehmen von Neuerungen zu überzeugen. Daher spielt mein Studium eine große Rolle für meinen Beruf.

Sie haben am Campus Koblenz Ihr Vordiplom gemacht und darauf in Landau Ihr Diplom erlangt. Was unterscheidet die beiden Standorte voneinander?

Beide Standorte haben definitiv ihre Vorteile. In Landau hatte ich immer das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Das Stadtzentrum war für mich fußläufig erreichbar. Aber mit Koblenz verbinde ich deutlich mehr studentische Aktivität. Es gab zahlreiche Uni-Partys, Kneipenabende und studentische Veranstaltungen, die ich besucht habe. Landau war insgesamt eher gemütlicher.

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Ihre Alma Mater und an Ihre Studienstädte zurückdenken?

Meine Zeit am Campus Koblenz habe ich genutzt, um mich in alle Richtungen hin zu orientieren. Nach einigen Praktika wurde ich mir über meine Stärken und beruflichen Ziele bewusst. In Landau habe ich fokussiert daran gearbeitet. Ich habe zielgerichtet meine Seminare ausgewählt, um meine Einstiegschancen in der Wirtschaft zu erhöhen. Nach Landau kehre ich immer gerne zurück, ich erinnere mich an eine sehr produktive und gewinnbringende Zeit.

Wie halten Sie noch Kontakt zur Uni?

In meinem Fall hält die Universität eher Kontakt zu mir. Das geschieht über die engagierte Arbeit von Heidemarie Komor. Durch Sie war ich mehrfach in einem Mentoring-Programm als Mentorin tätig und bin Teil der Ausstellung Darauf sind wir stolz!

Der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Während meines Studiums in Koblenz habe ich eine Veranstaltung von Professorin Dr. Nicole Hoffmann besucht. Ich kann mich nicht mehr an den Titel erinnern, aber es ging um Berufsfelder für Diplompädagogen. Innerhalb des Seminars klärte uns Hoffmann in deutlichen Worten über unsere Berufschancen auf: “Wenn ihr fertig seid, wartet niemand auf euch. Ihr braucht unbedingt Profil.” Diese Worte haben mich lange geprägt und angespornt. Neben dem Studium habe ich möglichst viele Praktika absolviert, um mich für künftige Arbeitgeber interessant zu machen und mein Profil auszubilden. In der Rückschau hat das gut funktioniert.

Ihr schönstes Erlebnis an der Universität Koblenz-Landau?

Ich denke, das war der Tag der Diplomübergabe. Ich durfte sogar die abschließende Rede der Studierendenschaft halten. Es ist ein besonderer Moment, eine so wichtige Phase wie das Studium abzuschließen und den nächsten Schritt ins Berufsleben zu machen, worauf man so lange hingearbeitet hat. Die Diplom-Übergabe markiert diesen Meilenstein.

Generalist oder Spezialist – auf was sollten Studierende Ihres Faches bei der Wahl der Schwerpunkte achten?

Die Wahl des Schwerpunktes muss auf das Fach fallen, das dem Studierenden am meisten liegt. Abgesehen davon muss jedem klar sein, dass es nicht reicht, nur zu studieren. Man braucht ein Alleinstellungsmerkmal. Etwas, um sich von den übrigen Bewerbern abzuheben. Ein persönliches Profil braucht Substanz. Die erlangt man beispielsweise durch Projekte, Nebenjobs oder Praktika. Die Erfahrung, die man im und neben dem Studium sammelt, nimmt man auch in den Arbeitsmarkt mit.

Was raten Sie unseren Studierenden, die sich für Ihre Berufsbranche interessieren?

Wenn sich Studierende für die Prozessoptimierung im Betrieb interessieren, sollte klar sein, dass es sich dabei niemals um eindimensionale Vorgänge handelt. Man betrachtet Situationen aus verschiedenen Fachrichtungen, da eine rein betriebswirtschaftliche Sicht auf die Dinge zum Beispiel nicht ausreichen würde. Interdisziplinarität ist gefragt, denn wer mit anderen Menschen arbeitet, sollte diesen Aspekt nicht aus den Augen verlieren. Es menschelt immer sehr in den Prozessen.

Dieses Interview ist in freundlicher Kooperation mit dem Alumni-Referat der Universität Koblenz-Landau entstanden.

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