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Welcome Dinner: Ein Abendessen mit Geflüchteten

Die Welcome Dinner-Runde (von links nach rechts): Linda Koch, Jana Adams, Khaled Kalshika und Amir Yahia Aldabbas. Foto: Anna Maria Junghänel Die Welcome Dinner-Runde (von links nach rechts): Linda Koch, Jana Adams, Khaled Kalshika und Amir Yahia Aldabbas. Foto: Anna Maria Junghänel

Gemütlich zusammen essen, sich unterhalten und dabei kennenlernen – das ist das Ziel des Koblenzer Projekts Welcome Dinner, bei dem Geflüchtete zusammen mit Einheimischen an einem Tisch sitzen. Die Studentinnen Linda Koch und Jana Adams, Studierende der Kulturwissenschaft am Campus Koblenz, gehören zum Team und möchten Geflüchtete und Interessierte zusammenführen und ihnen die Möglichkeit geben, sich bei einem gemeinsamen Essen auszutauschen.

Die zwei jungen Frauen stehen in der kleinen WG-Küche von Jana Adams, vor ihnen stehen zwei Pfannen und ein Topf auf der Herdplatte. Sie rühren und schneiden nebenbei den Salat im Spülbecken. Heute stehen Spätzle –mit und ohne Käse-, Linsengemüse und frischer Salat auf der Speisekarte. Linda Koch lächelt: „Ich komme aus dem Schwabenland und wollte den Gästen ein typisch schwäbisches Gericht zeigen, von dem wir auch vermuten, dass sie es noch nicht kennen, zumindest keine selbstgemachten Spätzle.“

Es klingelt. Adams und Koch waschen sich die Hände, dann öffnen sie die Tür. Ein gedeckter Tisch, dampfendes Essen und zwei fröhliche Gastgeberinnen, die in der Tür stehen und ihre Gäste herzlich begrüßen. Zwei junge Männer betreten die Wohnung, in den Händen halten sie einen Blumenstrauß und selbstgemachtem Nachtisch. Auf den ersten Blick: Ein ganz normales Abendessen mit Freunden. Auf den zweiten Blick: Ein Welcome Dinner mit Geflüchteten.

Das Welcome Dinner ist ein lokales Projekt, das 2015 in Koblenz von einer Gruppe Studierender der Universität Koblenz-Landau ins Leben gerufen wurde. Seit Ende 2016 sind die KuWi-Studierenden Koch und Adams Teil des Teams und übernehmen gemeinsam mit einem Kommilitonen, Maik Exner, verstärkt die Leitung, da die ursprünglichen Gründer sich aus zeitlichen Gründen zurück ziehen. Bei einem Welcome Dinner laden Interessierte einen oder auch mehrere Geflüchtete oder Zuwanderer ein, man isst gemeinsam und kommt ins Gespräch. Ursprünglich kommt das Welcome Dinner aus Stockholm, hier hatte 2014 Ebba Åkerman die Idee, Neuankömmlinge mit einem gemeinsamen Abendessen willkommen zu heißen und gründete das Invitationsdepartmentet. Seitdem sind drei Jahre vergangen und über 10.000 Menschen wurden allein in Schweden zusammengeführt. Die Idee verbreitete sich schnell über die ganze Welt.

Essen verbindet

„Ein Abendessen im eigenen Zuhause ist etwas Persönliches und eine Geste der Freundschaft“, erklärt Koch. „Oft scheitert das direkte Kennenlernen zwischen Bürgern und Neuankömmlingen an einem Mangel von Zeit oder Orten der direkten Begegnung. Das möchten wir ändern.“ Und nun sitzen sie mit ihren Gästen Khaled Kalsika und Amir Yahia Aldabbas bei Spätzle und Röstzwiebeln an einem Tisch. „Im Grunde ist es egal, was es zu essen gibt, das Ziel ist ein gelungener Abend”, findet Adams.

Nach einiger Zeit bricht das Eis und das Gespräch kommt in einem Mix aus Deutsch und Englisch in Gang. Die Gäste berichten über ihren Weg nach Deutschland und ihre Familien, die sie zum Teil zurücklassen mussten. Aber auch kulturelle Unterschiede sind Thema. Am Ende sagt Kalsika: „Es war ein schöner Abend.” Er lächelt. Schon bald werden die beiden Gastgeberinnen an seinem Tisch sitzen und von ihm gekochtes Essen genießen.

Wer ein Welcome Dinner bei sich zu Hause veranstalten oder als Gast teilnehmen möchte, der kann sich auf der Homepage oder der Facebookseite informieren, eintragen und wird dann zeitnah vom Welcome Dinner Team kontaktiert.

Anna Maria Junghänel

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