Karriere
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Keine Angst vor der Promotion

Dr. Kathrin Ruhl ist Geschäftsführerin des IPZ und des KSB der Universität Koblenz-Landau und unterstützt Nachwuchswissenschaftler. Fotos: Esther Guretzke Dr. Kathrin Ruhl ist Geschäftsführerin des IPZ und des KSB der Universität Koblenz-Landau und unterstützt Nachwuchswissenschaftler. Fotos: Esther Guretzke

Studium, Beruf, Rente: Nicht immer ist das der einzige Weg, sein berufliches Glück zu finden. Wer sich für eine Karriere in der Wissenschaft interessiert, kann an der Universität Koblenz-Landau viele Angebote wahrnehmen und sich beraten lassen, wie der individuelle Weg in die Wissenschaft gestaltet werden kann.

Job oder Doktorarbeit? Für Kristina Wagner keine leichte Entscheidung, als ihr direkt nach dem Studium eine Promotionsstelle angeboten wurde. Da war sie 26 Jahre alt und hatte gerade ihr Lehramtsstudium mit den Fächern Mathematik und Englisch an der Universität Koblenz-Landau beendet. „Ich war mir nicht darüber im Klaren, was es eigentlich bedeutet, an einer Universität zu arbeiten“, erinnert sich Wagner. Als sie schließlich eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Elternzeitvertretung angeboten bekam, warf sie die Bedenken über Bord und trat an.

Die Karriereleiter im universitären Bereich zu erklimmen, kann ein langer und steiniger Weg sein. Insbesondere Frauen in der Wissenschaft sind stark unterrepräsentiert, sagt Dr. Kathrin Ruhl. Sie ist Geschäftsführerin des Interdisziplinären Promotionszentrums (IPZ) und des Kompetenzzentrums Studium und Beruf (KSB), wo sie den Bereich Beruf und wissenschaftlicher Nachwuchs verantwortet, und weiß, wovon sie spricht. „Auf der Mitarbeiterebene ist der Frauenanteil noch sehr gut. Aber umso höher es geht, desto geringer ist der Anteil an Frauen.“ Die studierte Politikwissenschaftlerin befasste sich schon in ihrer Doktorarbeit mit dem Thema Gender: „Mir ist es ein Anliegen, Frauen zu fördern. Für viele scheint die Promotion wie ein unüberwindbares Hindernis.“

Neues Mentoring-Programm

Um Frauen Mut zu machen, die Wissenschaft für sich als Arbeitsfeld zu entdecken, bieten sowohl das IPZ als auch das KSB eine Fülle von Angeboten: „Wir haben verschiedene Programme, die sich bewährt haben. Derzeit bauen wir ein neues Mentoring-Programm auf: Ment² richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen. Es wird vorausgesetzt, dass jeder weiß, wie man nach oben kommt. Dabei gibt es viele ungeschriebene Regeln, die man erstmal kennen muss. So ein Programm gibt jungen Frauen das Vertrauen, ihre Karriere wie eine Gipfelstürmerin anzugehen”, erklärt Ruhl.

Die Frage der Promotion steht nach wie vor auf Kristina Wagners Karriere-Agenda, die in der Arbeitsgruppe Didaktik im Fachbereich 3 am Campus Koblenz tätig ist und dort unter anderem den Mathezirkel leitet. „Ich konnte bis jetzt viele Einblicke gewinnen, was Lehre, Wissenschaft und Forschung an der Universität bedeutet. Ich merke aber, dass mir die Praxis fehlt. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, erst das Referendariat zu machen, Erfahrungen in der Schule zu sammeln und danach zurück in die Forschung zu kehren“, überlegt Wagner. Um sich über die Promotionsmöglichkeiten zu informieren, besuchte sie eine Informationsveranstaltung ihres Fachbereichs und Workshops des IPZ. „Das ist wirklich hilfreich”, findet sie.

Kristina Wagner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich 3 und möchte promovieren. Sie ist dankbar für die Unterstützung, die ihr den Weg in die Wissenschaft erleichtert.

Kristina Wagner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich 3 und möchte promovieren. Sie ist dankbar für die Unterstützung, die ihr den Weg in die Wissenschaft erleichtert.

Das IPZ bietet nicht nur für Promotionsinteressierte Workshops an, sondern auch für angehende Doktoranden sowie für Post-Doktoranden.Viele dieser Programme sind speziell auf Frauen ausgerichtet. In jedem Semester gibt es Programme zur Rederhetorik, zum Projektmarketing, zur Promotionsbetreuung und zum Publizieren. Außerdem bietet das IPZ Schreibwerkstätten für Promovierende an, in denen Schreibstrategien und kreative Herangehensweisen vermittelt werden.

Die “Gläserne Decke” überwinden

Kathrin Ruhl hat ihr Referendariat nie angetreten, da sie ihren Weg in die Forschung über das Feld der Politikwissenschaft fand. Sie kennt die Schwierigkeiten für Nachwuchswissenschaftlerinnen: „Es gibt die sogenannte gläserne Decke, die sich Frauen oft nicht zu durchstoßen trauen, da sie sich eher zurücknehmen und nicht aufdringlich sein möchten. Auf der anderen Seite werden Frauen von Männern häufig nicht durch die gläserne Decke gelassen”, fasst Ruhl zusammen. Die Herausforderung nimmt sie sportlich: „Man durchlebt im Laufe einer wissenschaftlichen Karriere einen unglaublichen Reifungsprozess. Die Universität bietet so viele Möglichkeiten, sich intellektuell zu entfalten, an seinen sozialen Kompetenzen und an seiner Persönlichkeit zu arbeiten”, ist Ruhl überzeugt.

Die Arbeit von Ruhl und ihren Mitstreiterinnen, wie beispielswiese der Gleichstellungsbeauftragen Frau apl. Prof. Dr. Helga Arend, trägt Früchte. Auch an der Universität haben sich in den vergangenen Jahre viele Dinge auf dem Gebiet der Frauenförderung in der Wissenschaft getan. Neue Berufsfelder tun sich auf, es entstehen Angebote und auch der Frauenanteil in der Professorenschaft ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Eine gute Entwicklung: „Frauen, habt Mut zum Risiko. Selbst wenn der eine Weg nicht klappt, eine andere Tür wird sich öffnen und neue Optionen bereithalten, die man vorher so vielleicht nicht gesehen hat“, ist sich Ruhl sicher. Und auch Wagner glaubt an ihren Weg: „Es ist eine spannende Zeit, die vor mir liegt.“

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