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Unsere Profs: Werner Sesselmeier

Bereits in der Schule wusste Prof. Dr. Werner Sesselmeier was ihn am meisten interessiert: die Wirtschaftswissenschaften. Foto: Lisa Leyerer Bereits in der Schule wusste Prof. Dr. Werner Sesselmeier was ihn am meisten interessiert: die Wirtschaftswissenschaften. Foto: Lisa Leyerer

Prof. Dr. Werner Sesselmeier ist vor allem eins: engagiert. Neben seiner Professorenstelle setzt er sich als Prodekan für seinen Fachbereich ein und ist Herausgeber der Zeitschrift Sozialer Fortschritt. Im Interview erzählt der gebürtige Niederbayer, weshalb er sich in Landau pudelwohl fühlt und warum er als Wissenschaftler nicht in einem Elfenbeinturm sitzen möchte.

Die Serie: Sie prägen unsere Erinnerungen an das Studium, inspirieren uns für das Berufsleben und sorgen für so manche Anekdote unter Studierenden: unsere Profs. Im Uniblog stellen sich die Professoren der Universität Koblenz-Landau den Fragen der Campus-Reporter, geben Einblick in ihren Forschungs- und Lehralltag und verraten, wie sie selbst als Student waren.

Der Professorenberuf ist mit einigen Klischees behaftet: Lange über Büchern brüten, Zerstreutheit, Einsiedlertum, chaotische Tafelbilder… Trifft davon etwas auf Sie zu?

Meine Frau würde Ihnen bestätigen, dass meine Zerstreutheit tatsächlich mit den Jahren zugenommen hat. Lange über Büchern zu brüten gehört natürlich zu meinem Job. Ich möchte mein Wissen den Studierenden und der Öffentlichkeit weitergeben. Lesen gehört deswegen zu meinem Berufsalltag, wobei es sich dabei nicht um brüten, sondern eher um zielorientiertes Lesen handelt.

Wie waren Sie als Student?

Definitiv jünger, aber eigentlich nicht viel anders als heute. In der Mittelstufe bin ich das erste Mal mit Wirtschaftswissenschaften in Berührung gekommen und wusste, dass ich VWL studieren möchte. Das Interesse an meinem Studium und an Ökonomie war immer da, gepaart mit Politik- und Sozialwissenschaften.

Was meinen Sie: Hat sich das heutige Studentenleben im Vergleich zu Ihrer Studienzeit verändert?

Im Bezug auf das Studium selbst war alles offener und flexibler. Man hatte viel mehr Möglichkeiten und Entscheidungsfreiräume. Ich hatte damals beispielsweise doppelt so viele Scheine wie nötig, weil mich mein Studium sehr interessiert hat. Der zeitliche Druck ist heute definitiv größer, aber die inhaltliche Belastung ist dieselbe wie zu meiner Zeit. Die individuelle Belastung kann ich nicht beurteilen, aber auch ich musste mir mein Studium durch Nebenjobs verdienen. Daran hat sich nichts geändert. Der große Unterschied zu meiner Studienzeit ist, dass früher das Wissen an sich im Mittelpunkt stand. Heute wird das Wissen immer in Bezug zu späteren Berufsfeldern gesehen. Um es ökonomisch auszudrücken, geht es heute – leider – zu oft um die marktliche Verwertbarkeit von Wissen.

Wann haben Sie gemerkt, dass der Weg in die Wissenschaften das Richtige für Sie ist? Gab es Alternativen zur Professorenlaufbahn für Sie?

Ich bin kein Stratege und gehe immer davon aus, dass man ohnehin nicht weiß, wo man später einmal landet. Ich habe nach meinem Studium promoviert und im Gebiet der Arbeitsmarktforschung gearbeitet. Währenddessen kam die Frage nach einer Habilitation auf. Dies entsprach meinen Präferenzen und so bin ich diesen Weg gegangen, ohne einen Gedanken an eine Alternative zu hegen.

Was begeistert Sie an Ihrem Fachgebiet?

Was viele nicht sehen: Die Ökonomie beschäftigt sich mit Wahlhandlungen, das heißt, den Kriterien für eine Entscheidung. Wir können untersuchen, welche Auswirkungen eine Entscheidung auf individuellen Erfolg und auf die Gesamtwirtschaft hat. Ohne die Vorstellung über menschliches Verhalten kann keine Beurteilung über die Auswirkungen politischer Entscheidungen getroffen werden. Hierbei werden typische und grundlegende Fragestellungen untersucht, die unsere gesamte Gesellschaft betreffen. Die Verhaltensökonomie öffnet nicht nur den Blick auf das Verhalten von Menschen, sondern stellt auch eine Brücke zu anderen Disziplinen her. Aus diesem Grund ist es mir wichtig, mit meiner Forschung zur Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik neben der Lehre auch in die Sozialwissenschaften hineinwirken zu können.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit an der Universität?

Es ist toll, die Möglichkeit zu haben, Forschungsthemen selbstständig auszusuchen und mit Kollegen aus verschiedenen Disziplinen gemeinsam zu erforschen. Das Schöne hier in Landau ist die vorhandene ‘Kleinteiligkeit’. Man kommt schnell mit Kollegen anderer Fachbereiche in Kontakt und steht in gegenseitigem Austausch. Die Möglichkeit, Wissen an Studierende weitergeben zu können, rundet das Ganze ab.

Aus Ihren Lehrveranstaltungen weiß man: Sie hegen gerne einen freundschaftlichen Kontakt zu Ihren Studierenden. Warum ist das für Sie wichtig?

Ich bin ein Freund der langen Leine. Bei den Grundsätzen Fördern und Fordern steht für mich das Fördern an erster Stelle. Mir ist die intrinsische Motivation bei den Studierenden sehr wichtig. Ich habe auch kein Problem damit, mich selbst auf die Schippe zu nehmen. Wir sitzen alle freiwillig im Seminar und als Dozent sollte man so sein, wie man ist. Nicht jeder ist ‘rund’, aber gemeinsam kann man etwas schaffen.

Sie sind Prodekan, Mitglied in zahlreichen Vereinen und Ausschüssen und zudem Herausgeber von einer Fachzeitschrift – wie bekommen Sie alles unter einen Hut?

Ganz klar, durch eine gute Zeiteinteilung. Wir sind hier an der Universität eine kleine Einheit und man hat zwei Möglichkeiten: Entweder man macht etwas oder nicht. Für mich gehört es dazu, das man sich engagiert. In meinem Amt als Prodekan arbeite ich in der Selbstverwaltung und möchte den Fachbereich gut aufstellen und weiterbringen. Zudem bin ich Studiengangsleiter für den Zwei-Fach Bachelor. Durch meine Mitarbeit kann ich meiner Universität und den Kollegen extrem viel zurückgeben. In meinen Publikationen ist es mir möglich, mein Wissen für die Öffentlichkeit zu öffnen und einen Beitrag zur Wissenschaft zu leisten. Es ist schön, in einer Position zu sein, in der ich mein Engagement ausleben kann und die nötige Unterstützung von Kollegen und Mitarbeitern bekomme.

Welches Buch oder Paper liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Insgesamt sind es viel zu viele (lacht). Schon als Student muss man viel lesen und das hört mit der Zeit nicht auf. Ganz oben liegt momentan das Buch Phishing for Phools von Akerlof und Schiller aus dem Bereich der Verhaltensökonomie, und die Biographie von Adam Smith.

Gab es ein Ereignis oder eine Person, das oder die Ihren akademischen Werdegang geprägt hat?

Wie bei den meisten hat mich mein Doktorvater in meinem Werdegang sehr geprägt. Er hat einmal gesagt: “Wir sind nicht nur für den Elfenbeinturm da, sondern auch für die Öffentlichkeit.” Das war für mich ein sehr prägendes Moment und hat mir gezeigt, dass wir Professoren eine Brückenbaufunktion haben und Wissen teilen müssen.

Welche Dinge mögen Sie fernab des wissenschaftlichen Alltags? Was unternehmen Sie als Ausgleich zur Denkarbeit an der Uni?

Ohne Musik geht für mich gar nichts – am liebsten Jazz oder Rock. Wer in meiner Sprechstunde war, weiß, dass im Hintergrund oftmals Musik dudelt. Da ich hier in einer der schönsten Weinregionen wohne, setze ich mich auch gerne mit dem Thema Wein auseinander, was gerade auch zu einem Drittmittelprojekt geführt hat. Und eins hilft beim Abschalten: gute Krimis.

Prof. Dr. Werner Sesselmeier studierte von 1982 bis 1988 Volkswirtschaftslehre an der Universität in Regensburg. Nach einer außerplanmäßigen Professur an der TU Darmstadt und einer Vertretungsprofessur an der Universität Koblenz-Landau ist er seit 2006 Universitätsprofessor in der Abteilung Wirtschaftswissenschaften. Außerdem agiert er als Prodekan  für Forschung und Internationalisierung sowie als Studiengangsleiter für den Zwei-Fach Bachelor. Neben seinem Engagement an der Universität, ist er Vorsitzender der Gesellschaft für Sozialen Fortschritt e.V. und Mitglied im Wirtschaftspolitischen Ausschuss im Verein für Socialpolitik.

Interview: Lisa Leyerer

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