Alumni-Porträts
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Auf den Spuren von… Bestatterin Linda Matuschek

Alumna Linda Matuschek hat Kulturwissenschaften studiert und übt ihren Beruf als Bestatterin mit viel Einfühlungsvermögen und Humor aus. Foto: Natalie Henzgen Alumna Linda Matuschek hat Kulturwissenschaften studiert und übt ihren Beruf als Bestatterin mit viel Einfühlungsvermögen und Humor aus. Foto: Natalie Henzgen

Der Beruf des Bestatters steht bei jungen Leuten auf der Berufs-Wunschliste nicht gerade ganz oben. Auch das öffentliche Sprechen über den Tod ist ein schwieriges Unterfangen. Alumna Linda Matuschek ist Bestatterin und der Tod ihr Geschäft.  

Viel Einfühlungsvermögen muss ein Bestatter für seinen Beruf mitbringen, aber auch einen leichten Hang zum Morbiden, viel Humor und einen Hauch Selbstironie. Mit ihrem Interesse für das Morbide hat Linda Matuschek früher gehadert – so etwas sei nicht normal, dachte sie damals. Sie war schon immer neugierig und hatte Mut zur Veränderung: Nach dem Abitur am Bischöflichen Cusanus-Gymnasium Koblenz, einer Ausbildung zur Reiseverkehrs- und Tourismuskauffrau und einem langen Aufenthalt in Japan begann sie ihr Studium der Kulturwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau. Das Fach, das sich mit der Analyse kultureller Prozesse und Phänomene aus den verschiedensten Blickwinkeln beschäftigt, bestärkte sie darin, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und Vielfalt zu genießen. Während eines Praktikums im Bestattungsinstitut Jung in Braubach wurde ihr schnell klar: Im Reisebüro würde sie wohl nach dem Studium nicht anzutreffen sein.

Traumjob Bestatterin

Ihre Familie musste sich an den Gedanken, dass Matuschek Bestatterin werden möchte, erst noch gewöhnen. “Den Tod zum Beruf haben, das ist nicht gerade der gewöhnlichste Wunsch, den eine Kulturwissenschaftsabsolventin nach dem Studium hegt. Am besten ist es, sich selbst vor Ort ein Bild von dem Beruf zu machen und auch mal nach rechts und nach links zu schauen, was einen interessieren könnte“, erklärt sie. Das Interesse an anderen Kulturen und die damit verbundene Offenheit hat Matuschek von der Universität ins Berufsleben mitgenommen. Ihr Studium, sagt sie, helfe ihr, auf die Wünsche der Angehörigen einzugehen, auch wenn diese unserem Kulturkreis nicht immer geläufig sind, wie im Fall einer buddhistischen Beisetzung oder der Beerdigung einer Muslima. Oder auch, wenn statt Blumen und Erde mal Konfetti und Kamelle ins Grab geworfen werden sollen. Wer im Leben seinem Karnevalsverein die Treue gehalten hat, der soll das auch im Tod noch tun dürfen. „Wenn bei einer Beerdigung neben der Trauer auch gelächelt und genickt wird, weil Freunde und Familie wissen, dass der Verstorbene sich über diesen Abschied gefreut hätte – dann habe ich alles richtig gemacht.“

Vermutlich gibt es doch mehr Anknüpfungspunkte zwischen Matuschek, der Reiseverkehrskauffrau, und dem was sie heute ist, als man auf den ersten Blick denkt. “Was ist eine Bestatterin schließlich anderes als eine Organisatorin der letzten Reise, zumindest auf den uns bekannten Wegen?” So sieht sie sich auch selbst als eine „Vermittlerin zwischen den Welten“. Und zu vermitteln und organisieren gibt es in diesem Beruf viel: Von der Überführung der Toten in das Bestattungsinstitut, über das Waschen und Anziehen der Verstorbenen, die Beantragung von Genehmigungen, das Organisieren eines Trauerredners bis hin zum Dekorieren des Grabes.

„Man darf das Menschsein nicht verlieren“

Bei diesen Tätigkeiten hat Matuschek ihre ganz eigenen Rituale entwickelt: „Ich rede mit dem Verstorbenen, als könnte er mich hören. Wenn ich die Kühlräume betrete, sage ich ‚Guten Tag’ und wenn ich einen Toten während dem Waschen umdrehen muss, heißt es: ‚So, Herr Schmidt, dann bitte einmal nach rechts’. Ich habe einfach das Gefühl, als wäre da noch etwas anwesend von der Person. Es ist nicht nur eine leere Hülle, sondern immer noch ein Mensch.“

Mensch bleiben. Das gilt nicht nur für die Verstorbenen, sondern auch für die Lebenden. Gerade bei dem Beruf des Bestatters, wo Professionalität und Trauer so nah beieinander liegen: „Ich bin auch nur ein Mensch. Wenn ein Säugling beerdigt wird – natürlich darf ich da auch weinen, natürlich darf ich da auch traurig sein. Professionalität bedeutet nicht, zum Eisblock zu werden“, verdeutlicht Matuschek. Neben aller Abgeklärtheit ist das Wichtigste für diesen Beruf auch Empathie. Und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel. Wo andere Trauer sehen, sieht Matuschek den Trost, den sie spenden kann. Sie möchte den letzten Weg vor allem für die Angehörigen des Verstorbenen so angenehm und einfach wie möglich machen. In dieser Weise für andere Menschen da zu sein, gibt ihrer Arbeit einen tieferen Sinn.

Die Mär von Würmern im Boden

Als Bestatterin möchte Matuschek auch Ängste nehmen. Sie ist aufgrund ihrer Berufswahl häufig unfreiwilliger Mittelpunkt von Partygesprächen und klärt Interessierte gerne auf. Die Hauptangst, auf die sie stößt: Dass man nach der Beerdigung als Futter für die Würmer endet. Dabei zersetzt ein Mensch sich beim Prozess der Autolyse selbst, durch die eigenen Körpersäfte und die darin enthaltenen Enzyme, erklärt sie. Da scheinen wir den Würmern doch noch ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Und wer auf Nummer sicher gehen will, der entscheidet sich für eine Feuerbestattung. „Ich habe schon die passende Urne in Petto“, sagt Matuschek lachend. In der Auswahl hat sie auch eine mit Swarovski-Kristallen versehene Urne. Stil endet eben nicht mit dem Tod.

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