Promovierende im Interview
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Sarah Fornol erforscht bildungssprachliche Kompetenzen von Grundschülern

Sarah Fornol ist Doktorandin am Landauer Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter und erforscht bildungssprachliche Fähigkeiten zur Darstellung komplexer Gegenstände bei Grundschülern. Foto: Sarah Fornol Sarah Fornol ist Doktorandin am Landauer Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter und erforscht bildungssprachliche Fähigkeiten zur Darstellung komplexer Gegenstände bei Grundschülern. Foto: Sarah Fornol

Sie forschen, organisieren Tagungen oder schreiben Fachartikel: In unserer neuen Serie “Promovierende im Interview” berichten wir über Promovierende und ihre Forschung an unserer Universität. Und fragen: Was ist ihr Thema? Was sind ihre Leidenschaften? Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden? Wie organisieren Sie ihr Arbeitspensum? Sarah Fornol ist Doktorandin am Landauer Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter und erforscht bildungssprachliche Fähigkeiten von Grundschülern.

Bitte beschreiben Sie Ihre Forschung in drei Sätzen.

In meiner Dissertation befasse ich mich mit bildungssprachlichen Kompetenzen von Grundschülern, die als Garant für schulischen Erfolg gelten. Genauer gesagt beschäftige ich mich mit den sprachlichen Fähigkeiten, die Schüler zur Beschreibung von abstrakten Sachverhalten, beispielsweise der Darstellung des Verdauungsprozesses im menschlichen Körper, nutzen. Dafür analysiere ich Vorgangs- und Gegenstandsbeschreibungen von insgesamt 200 Grundschülern der dritten und vierten Jahrgangsstufe, die ich an drei Messzeitpunkten im Fach Sachunterricht angefertigt habe. Ziel meiner Arbeit ist es, bildungssprachliche Indikatoren aufzuzeigen und auf der Basis von qualitativen und quantitativen Analysen eine Ratingskala zu entwickeln, mit der bildungssprachliche Kompetenzen erfasst und dargestellt werden können.

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Während meiner Zeit als Grundschullehrerin habe ich bei vielen meiner Schüler festgestellt, dass sie sich zwar im Alltag gut artikulieren können, in Unterrichtsgesprächen allerdings oft an ihre Grenzen stoßen. Insbesondere im Fach Sachunterricht hatten die Schüler große Schwierigkeiten, ein Experiment oder einen Sachverhalt zu erklären oder zu beschreiben. Ich kann durch die differenzierte Darstellung der vorhandenen und noch ausbaufähigen sprachlichen Kompetenzen dazu beitragen,  Lehrkräfte auf die Sprache im Fach und die damit einhergehende Sprachbildung zu sensibilisieren und Schülern dadurch eine gezielte Unterstützung bei schulischen Anforderungen ermöglichen.

Wieso haben Sie sich für die Promotion entschieden?

Bereits im Studium hat mir das wissenschaftliche Arbeiten sehr viel Freude bereitet und ich mag es, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Dennoch habe ich nach meinem Masterabschluss zunächst das Referendariat absolviert und erst im Anschluss daran die Promotion begonnen. Die abgeschlossene Berufsausbildung zur Grundschullehrerin macht mich in meiner Berufswahl einerseits flexibler, andererseits hat dieser tiefgehende Blick in die Praxis meine Sichtweise auf den schulischen Alltag noch einmal vollkommen verändert. Die gewonnenen Erkenntnisse sind für mich im Hinblick auf meine Promotion von großem Nutzen.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits zusätzlich zu Ihrer Promotion?

Ich besuche beispielsweise eine Vielzahl an Tagungen. So habe ich beispielsweise in diesem Jahr das Symposion der Deutschdidaktik (SDD) in Basel besucht und dort auch gemeinsam mit einer Kollegin einen Vortrag gehalten. Auch auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE) in Leipzig war ich mit einem Vortrag vertreten. Darüber hinaus schreibe ich gerade gemeinsam mit meiner Erstbetreuerin Prof. Dr. Anja Wildemann, Leiterin des Arbeitsbereiches Grundschulpädagogik am Campus Landau, ein Buch zum sprachsensiblen Unterricht in der Grundschule und publiziere natürlich auch erste Aufsätze mit diesem thematischen Schwerpunkt.

Was sind Ihre beruflichen Pläne für die Zukunft?

An erster Stelle steht zunächst der erfolgreiche Abschluss der Promotion in etwa anderthalb bis zwei Jahren. Ich kann mir auch gut vorstellen, danach weiter an einer Universität zu arbeiten und mich in diesem Kontext weiterzubilden. Sollte sich dies aber nicht ergeben, würde ich auch gerne wieder den Lehrberuf an einer Grundschule aufnehmen. Interessieren würde mich außerdem die Arbeit an einem Studienseminar.

Was sollten Studierende mitbringen, die an eine Promotion denken?

Meiner Ansicht nach sind bei der Promotion Organisationstalent und Selbstdisziplin von besonderer Bedeutung. Zudem sollte man über ein großes Durchhaltevermögen verfügen, da sich die Promotion in der Regel über mehrere Jahre erstreckt. Oft hat man das Gefühl, vor einem riesigen, unüberwindbaren Berg zu stehen, den es abzuarbeiten gilt. Lange Arbeitszeiten, auch am Wochenende, sind daher keine Seltenheit. Um den langen Atem beibehalten zu können, ist die Freude und Identifikation mit dem wissenschaftlichen Arbeiten unabdingbar. Darüberhinaus ist eine gewisse räumliche Flexibilität vonnöten, da die Arbeit an der Universität oft auch Ortswechsel mit sich bringt.

Welche Aufgaben ergeben sich noch im Zuge Ihrer Promotion?

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter gebe ich derzeit drei Lehrveranstaltungen im Master, betreue Masterarbeiten als Erst- und Zweitprüferin und nehme mündliche Prüfungen ab.  Zudem gebe ich Workshops für Lehrkräfte, wie beim Grundschultag in Landau in diesem Jahr, oder leite ganztägige Lehrerfortbildungen, wie derzeit in einer Reihe zum sprachsensiblen Grundschulunterricht beim Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz. Darüber hinaus bin ich stellvertretendes Mitglied für den Fachbereich 5 im Beirat des Interdisziplinären Promotionszentrums (IPZ) und habe den Arbeitsbereich Grundschulpädagogik in Landau gemeinsam mit weiteren Kollegen im Rahmen der Reakkreditierung vertreten.

Was unternehmen Sie, um sich zusätzlich zu qualifizieren?

Neben der fortlaufenden autodidaktischen Fortbildung im Rahmen der Promotion nehme ich einerseits an den Veranstaltungen des IPZ oder Methodenzentrums teil. Andererseits besuche ich Summer Schools oder Methodenworkshops, die beispielsweise im Rahmen einer Tagung angeboten werden und sich oft gezielt an Nachwuchswissenschaftler richten.

Wie organisieren Sie Ihr Arbeitspensum?

Das tue ich jeden Tag auf’s Neue. Ich bin ein sehr organisiert und strukturiert arbeitender Mensch, sodass ich mir jede Woche im Vorfeld überlege, was ich wann erledige. Oftmals kommen aber in einer Woche noch viele zusätzliche Aufgaben auf mich zu, die ich nicht eingeplant habe. Das ist einerseits eine Herausforderung, aber auch die tolle Abwechslung bei der Promotion. Trotzdem vereinbare ich natürlich immer wieder feste Besprechungstermine mit meiner Erstbetreuerin und verfolge einen langfristigen Zeitplan. Es wird sich zeigen, wie gut ich diesen letztendlich einhalten kann.

Sandra Erber

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