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Forschen in Ruandas Regenwäldern

Ronny Richter auf einer Exkursion in Island. Foto: Prof. Dr. Eberhard Fischer Ronny Richter auf einer Exkursion in Island. Foto: Prof. Dr. Eberhard Fischer

Ronny Richter untersucht für seine Doktorarbeit die Artenvielfalt in den Regenwäldern Ruandas und welchen Einfluss dabei die Größe der Fläche und der Eingriff des Menschen in die Natur spielt. Auf der Suche nach Forschungsgeldern hat er sich bei einer Crowdfunding-Plattform angemeldet.

Schon während seines Studiums der Geobotanik in Erlangen konnte Ronny Richter sein Interesse für Naturschutz ausleben. Nun steigt der zurzeit in Potsdam Lebende mit seiner Doktorarbeit in die botanische Grundlagenforschung ein, um den langfristigen Schutz der Regenwälder Ruandas zu sichern. Betreut wird er dabei von Botaniker und Biodiversitätsforscher Prof. Fischer an der Universität Koblenz-Landau. Die räumliche Entfernung von Wohn- und Promotionsort spielt dank E-Mail und Telefon keine Rolle. Außerdem wird Richter in den nächsten Jahren einen Großteil seiner Zeit in den Regenwäldern des über 6000 Kilometern Luftlinie entfernten Ruandas verbringen. So lautet der Plan. Um den allerdings in die Tat umzusetzen, bedarf es finanzieller Unterstützung. Bei seiner Suche nach Sponsoren versuchte Richter es auch mit der Crowdfunding-Plattform Sciencestarter. Denn: Richters Stelle ist nicht finanziert. Bislang bestreitet er die Kosten seiner Forschung aus seinem Privatvermögen.

Da die Reisekosten nach Ruanda teuer sind, ist der Promovend stets auf der Suche nach möglichen Unterstützern. Neben dem Anschreiben diverser Förderwerke und Stiftungen versuchte Richter es auch im Internet. Auf der Crowdfunding-Plattform Sciencestarter präsentierte er sein Projekt in Text und Bild. Das Prinzip lautet Alles-oder-Nichts: 30 Tage hatte Richter Zeit, die Nutzer, in der Regel Privatpersonen, für sein Thema zu begeistern und das benötigte Fördergeld einzusammeln. Gereicht hat es für den Promovenden nicht. Entmutigen lässt er sich von dem Rückschlag aber nicht und sucht weiter auf anderen Wegen nach finanziellen Ressourcen. “Wer an eine Promotion denkt, der braucht neben der richtigen Motivation und einer genauen Vorstellung über den damit verbundenen Arbeitsaufwand eben auch Durchhaltevermögen und ein dickes Fell“, weiß Ronny Richter.

Uwinka Kamiranzovu könnte bald schon eine von vielen Stationen auf Ronny Richters Forschungsreisen sein. Foto: Prof. Dr. Fischer

Uwinka Kamiranzovu könnte bald schon eine von vielen Stationen auf Ronny Richters Forschungsreisen sein. Foto: Prof. Dr. Eberhard Fischer

Wenn er dann seine Reise im Januar antritt, erwartet ihn viel Neues. Ruanda ist ein sehr dicht bevölkerter Binnenstaat in Ostafrika. Geprägt durch seine Hügel und Höhe herrscht hier ein eher mild-feuchtes Klima. Neben diesen topografischen, bodenbedingten und klimatischen Einflüssen auf die Artenvielfalt der Flora und Fauna, führt auch menschliches Handeln immer wieder zu Veränderung in der Natur. Noch vor der Ankunft der ersten Europäer waren bereits große Areale des Regenwaldes gerodet. Mit der Zeit schreitet auch die Abholzung weiter voran. Aus den riesengroßen Regenwaldflächen sind in den vergangenen Jahrzehnten durch Krieg, Bevölkerungswachstum und Ausweitung der Landwirtschaft viele kleinere Regenwald-Inseln entstanden. Hier setzt Richters Forschung an, die Zusammenhänge dahinter zu ergründen und letztendlich folgende Frage zu beantworten: Wie viel Raum bleibt dem Regenwald und seinen pflanzlichen und tierischen Bewohnern? „Meine Motivation ist, neben dem Naturschutz, die schöne Möglichkeit, den Menschen zu helfen, die Natur besser zu verstehen“, sagt Richter.

Der Alltag eines Geobotanikers sieht je nach Forschungsphase unterschiedlich aus. Nachdem geklärt ist, welche Phänomene man an welchem Standort untersuchen möchte, schließt sich eine Phase der Feldforschung an. Diese Aufenthalte im Gelände können sich von einigen Stunden bis über mehrere Wochen erstrecken, je nach Notwendigkeit auch mit Zelt und Campingkocher. Sind alle Fotos gemacht und alle Proben sorgfältig eingesammelt, folgt die Nachbearbeitung und statistische Auswertung. Oft dauert diese Phase in Labor und Büro deutlich länger als der Geländeaufenthalt. Dennoch birgt auch dieser Zeitraum große Spannung, vor allem, je näher die Fertigstellung der Ergebnisse rückt. Richter:  “Man bleibt auch bei schlechtem Wetter trocken und stellt fest, dass es noch einige Flecken auf unserer Erde gibt, aus deren Untersuchung sich neue Erkenntnisse erschließen lassen.”

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