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Mentoring mit mena: Chance für Frauen in der Wissenschaft

Rebecca Krämer nahm am Mentoring-Programm "mena" teil und konnte vom reichen Erfahrungsschatz ihrer Mentorin profitieren. Foto: Adrian Müller Rebecca Krämer nahm am Mentoring-Programm "mena" teil und konnte vom reichen Erfahrungsschatz ihrer Mentorin profitieren. Foto: Adrian Müller

Was bringt mir eine Promotion? Wann ist der passende Zeitpunkt? Wie funktioniert eine wissenschaftliche Karriere? Diese Fragen treiben viele Frauen um, die in der Wissenschaft Karriere machen wollen. Auch Rebecca Krämer, wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Kunstgeschichte und Kunstvermittlung am Campus Koblenz, setzte sich mit ihnen auseinander. Jetzt ist die 36-Jährige die Karriereleiter einen Schritt nach oben geklettert.

Neben ihrer Tätigkeit an der Uni absolviert Rebecca Krämer seit vergangenem Jahr eine wissenschaftliche Volontariatsstelle am Landesmuseum Wiesbaden. Eine Promotion oder eine Uni-Karriere in höherer Führungsebene hat die Mutter von fünf Kindern aber vorher nicht als realistisches Ziel in Betracht gezogen. Während der Teilnahme am Mentoring-Programm “mena“, einem Förderprojekt für Nachwuchswissenschaftlerinnen, hat sich ihre Perspektive geändert. “Durch den lebendigen Austausch mit meiner Mentorin sehe ich für meine berufliche Zukunft ganz andere Möglichkeiten.” In diesem Herbst beginnt sie ihr Promotionsprojekt am Institut für Kunstgeschichte und Kunstvermittlung. Mit UniBlog sprach Krämer über das Mentoring-Programm und die Chancen, die es bietet.

Warum haben Sie sich als Mentee beworben?

Ich wollte zunächst für mich herausfinden, ob und inwiefern eine Promotion sinnvoll ist und zu welchem Zeitpunkt man diese am besten in Angriff nehmen sollte. Außerdem hat mich interessiert zu erfahren, über welche Wege man eine Karriere an der Universität einschlagen kann und ob sich diese eventuell mit der Arbeit im Museum verbinden lässt.

Wie verlief Ihr Mentoring-Jahr?

Das Mentoring-Jahr war eine tolle und lohnende Sache für mich. Mit meiner Mentorin, Prof. Claudia Quaiser-Pohl, Leiterin der Abteilung für Entwicklungspsychologie und Psychologische Diagnostik in Koblenz, habe ich mich unheimlich gut verstanden. Unser Kontakt war unproblematisch und locker. Wir haben uns häufig via Mail oder WhatsApp zu meinen aktuellen Fragestellungen ausgetauscht oder uns auch außerhalb der Uni im Biergarten der Rheinanlagen in Andernach getroffen, um meine Themen in entspannter Atmosphäre zu bearbeiten. Ich konnte bei ihr sämtliche Anliegen ansprechen und Frau Quaiser-Pohl konnte aus ihrem großen Erfahrungsschatz mit vielen Vergleichsbeispielen aufwarten. Im Laufe der Zeit haben sich meine Fragen und Einstellungen dann auch langsam aber sicher verändert. Habe ich am Anfang noch zögerlich hinterfragt, ob ich überhaupt promovieren will, so hat mich meine Mentorin mit der Zeit immer mehr darin bestärkt, etwas forscher zu sein und mein Potenzial besser zu bewerten.

Was ist im Mentoring-Jahr alles passiert?

Das mena-Jahr ist ziemlich genau mit meinem Studienabschluss ausgelaufen. Währenddessen ergab sich auch die Perspektive, das Volontariat am Landesmuseum in Wiesbaden zu machen. Dort habe ich zuvor schon ein Praktikum im kuratorischen Bereich absolviert und war ab 2012 Projektmitarbeiterin. Außerdem stand fest, dass ich als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Kunstgeschichte und Kunstvermittlung weiter zur Verfügung stehe. Und natürlich habe ich mich dank des Mentorings wackeren Herzens für die Promotion entschieden, die ab Herbst von Prof. Ludwig Tavernier an unserem Institut betreut wird.

Wie hat Sie das Programm von mena unterstützt?

Es gab viele hilfreiche Workshops zur Persönlichkeitsbildung, Seminare zum Zeitmanagement oder zum Erkennen von Potenzialen. Auch ein Vortrag zum Thema “Traumjob Professor” hat für mich viele motivatorische Impulse gesetzt und mir Perspektiven aufgezeigt, die ich vorher nie im Blick hatte. Eine Uni-Karriere konnte ich mir beispielsweise nie als reales, mögliches Karriereziel vorstellen. Durch mena habe ich einen lebendigen Einblick in den Wissenschaftsalltag bekommen und weiß nun, über welche Wege eine Karriere im Wissenschaftsbereich zu erreichen ist. Auch viele Tipps wie zu Stipendienmöglichkeiten hat das Programm vermitteln können. Insgesamt habe ich den Mut entwickelt, mich nicht mit den erstbesten Möglichkeiten und Antworten zufrieden zu geben, sondern auch große Fragestellungen zu formulieren.

Was ist Ihr berufliches Ziel?

Nach dem erfolgreichem Abschluss meines Volontariates und meiner Promotion werde ich mich nach einer Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Universität oder am Museum umsehen.

Wie schätzen Sie die Position von Frauen in der Wissenschaft ein?

Gerade im Kunst- und Museumsbereich bleiben Frauen oft und lange auf Assistentinnen-Positionen hängen, es gibt nur wenige Museumsdirektorinnen auf Führungsebene. Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland aus meiner Sicht damit im Hintertreffen. Ich glaube, dass sich hier leider stärker als anderswo ein traditionelles Bild verfestigt hat, das stetig weitergegeben wird. Frauen, die Karriere machen wollen, sollten sich getrost mehr zutrauen und ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Im Sommer werde ich meinen ersten Lehrauftrag am Institut für Kunstgeschichte und Kunstvermittlung am Campus Koblenz beginnen und im Herbst mit der Promotion starten – hier bin ich mir allerdings in der Themenwahl noch nicht sicher und wäge zwischen drei Möglichkeiten ab. Außerdem bringe ich im Herbst meinen ersten Ausstellungskatalog über einen japanischem Bildhauer heraus, dessen Werke wir im Landesmuseum in Wiesbaden zeigen werden.

Interview: Sandra Erber

In der Serie Mentoring ist bisher folgender Teil erschienen:
Mentoring: Wege für Frauen in die Wissenschaft

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