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Mentoring auf dem Weg in die Wissenschaft

Jewgenia Weißhaar ermutigt Frauen, einen Schritt weiter auf dem wissenschaftlichen Karriereweg zu gehen. Foto: Jan Reutelsterz Jewgenia Weißhaar ermutigt Frauen, einen Schritt weiter auf dem wissenschaftlichen Karriereweg zu gehen. Foto: Jan Reutelsterz

Der Anteil von Frauen, die Karriere in der Wissenschaft machen, ist in Deutschland noch immer niedrig. “Studentinnen gibt es sehr viele, doch den Schritt in die Promotion wagen weniger“, weiß Jewgenia Weißhaar. Sie koordiniert das Mentoring-Programm ment², das am Interdisziplinären Promotionszentrum (IPZ) angesiedelt ist. Es unterstützt Master-Studentinnen, Doktorandinnen und Postdoktorandinnen auf ihren akademischen Karrierewegen.

Die Unterrepräsentanz von weiblichem Nachwuchs in höheren Qualifikationsstufen lässt sich mit der Metapher der leaky pipeline beschreiben: “Wie bei einer undichten Verbindung zwischen den verschiedenen Stücken eines Rohrs, gehen Frauen an den Übergängen zwischen verschiedenen Qualifikationsstufen nach dem Studienabschluss verloren”, erklärt Jewgenia Weißhaar. Ab der Promotion aufwärts besetzen weniger Wissenschaftlerinnen die höheren Positionen. Um die aktuelle Situation zu ändern, haben Bund und Länder das Professorinnen-Programm aufgelegt. Dieses fördert Professuren für Wissenschaftlerinnen und als Begleitmaßnahme einer solchen Professur gibt es das Mentoring ment².

Mentoring, Training und Networking

“Masterstudentinnen denken in anderen Zeitkontingenten als Doktorandinnen oder Postdoktorandinnen, deshalb gibt es je nach Zielgruppe eine andere Struktur des Programms. Die Basis sind jedoch immer die drei Säulen Mentoring, Training und Networking”, berichtet Weißhaar, die Kulturwissenschaft am Campus Koblenz studiert hat. Den Rahmen für diese drei Säulen bilden verschiedene Veranstaltungen, bei denen es um die Begleitung des Mentoring-Prozesses geht. Bei der Einführungsveranstaltung ordnen sich die Mentees zunächst selbst ein und legen Ziele und Meilensteine fest. Es folgen weitere Coachings. Die Mentees besuchen während des Programms eine verpflichtende Anzahl von Veranstaltungen, worduch eine Verbindlichkeit geschaffen wird.

Den Mentees wird ein Mentor oder eine Mentorin an die Seite gestellt, der oder die die gleiche Phase bereits durchlebt hat. Die Mentoren sind eine Stufe höher in der Qualifikation und können einschätzen, was den Mentees in der jeweiligen Situation wichtig ist. “Es gibt unheimlich viele Themen, die bei den Treffen mit dem Mentor oder der Mentorin beleuchtet werden können”, erklärt Weißhaar.

In den Trainings werden Kompetenzen weiterentwickelt, zum Beispiel zu den Themen Verschiedene Rollen als Doktorandin oder Vernetzung auf Tagungen – eben alles, was man an Hard und Soft Skills in der Wissenschaft brauche, verdeutlicht die Koordinatorin. “Das Networking ist ein Schwerpunkt, den wir weiter ausbauen wollen. Denn in der Wissenschaft läuft viel über Vernetzung.” Die Mentees sollen nicht nur untereinander vernetzt werden, sondern auch mit anderen Wissenschaftlern. “Die Mentees erlernen, wie das funktioniert, damit sie zum Beispiel gut vorbereitet auf eine Tagung gehen.”

Netzwerken ist auch ein Stichwort für das Mentoring-Programm selbst: ment² ist in Rheinland-Pfalz und bundesweit mit anderen Programmen vernetzt. “Der Input von außen ist wichtig – schließlich verändern sich die wissenschaftliche Karrierewelt und die Zielgruppen. Durch den Austausch in den Netzwerken gelingt die Anpassung daran”, weiß Weißhaar.

Den Karriereweg meistern

Das Mentoring-Programm ment² gibt es seit dem Sommersemester 2017 an beiden Standorten der Universität und befindet sich nun im zweiten Durchgang. Eine Teilnehmerin gab Weißhaar das Feedback, dass es ihr ohne das Programm nicht möglich gewesen wäre, den wissenschaftlichen Karriereweg einzuschlagen. “Durch die Unterstützung der Mentorin und das Programm wurde sie darin bestärkt, sich für eine Stelle zu bewerben, die sie dann auch erhalten hat. Es ist wichtig, dass man eine erfahrene Person an die Seite gestellt bekommt, die ermutigt und Tipps gibt.” Und auch die Mentoren haben etwas von dem Programm: Sie können ihr Wissen weitergeben und erhalten einen anderen Blick auf den wissenschaftlichen Nachwuchs und die Situation der nächsten Generation. “Beide Gruppen können voneinander lernen.” Viele Masterstudentinnen haben sich im Laufe des Programms einen Schritt weiter gewagt und eine Promotion begonnen. “Diese unmittelbaren Erfolge begleite ich sehr gerne als Koordinatorin”, freut sich Weißhaar.

Die nächste Bewerberrunde startet zum 31. August.

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