Allgemein, Promovierende im Interview
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Erzählstrukturen auf der Spur: Kathrin Heintz forscht zu Hans Henny Jahnn

Kathrin Heintz wagt sich für ihre Doktorarbeit an das anspruchsvolle Werk "Perrudja" von Hans Henny Jahnn. Kathrin Heintz wagt sich für ihre Doktorarbeit an das anspruchsvolle Werk "Perrudja" von Hans Henny Jahnn.

Seit dem zweiten Semester begeistert sich Doktorandin Kathrin Heintz vom Institut für Germanistik am Campus Landau für das Werk des Autors Hans Henny Jahnn. In ihrer Dissertation untersucht sie die komplexe Erzählweise seiner fingierten Autobiografie “Perrudja”. Warum das in Vergessenheit geratene Werk des deutschen Schriftstellers von so großer Bedeutung ist, verriet sie Uniblog.

Sie forschen, organisieren Tagungen oder schreiben Fachartikel: In unserer Serie „Promovierende im Interview“ berichten wir über Promovierende und ihre Forschung an unserer Universität. Und fragen: Was ist ihr Thema? Was sind ihre Leidenschaften? Wieso haben sie sich für eine Promotion entschieden? Wie organisieren sie ihr Arbeitspensum?

Bitte beschreiben Sie ihre Forschung in wenigen Sätzen.

Ich befasse mich mit der fingierten Biografie “Perrudja” des deutschen Autors Hans Henny Jahnn und untersuche im Speziellen die komplexe Erzählform im Roman. Der Autor ist im Laufe der Nachkriegszeit in Vergessenheit geraten, da man sein Werk früher auch mit dem Gedankengut der Nationalsozialisten in Verbindung brachte. Diese Argumente sind heute vom Tisch, allerdings gilt sein Werk als enorm komplex, so dass es auch deswegen weitgehend unbekannt geblieben ist. Das besondere an “Perrudja” ist zum einen, dass der Erzähler nicht, wie in einer Autobiografie üblich, als Ich-Erzähler berichtet, sondern meistens in der dritten Person spricht. Außerdem ist es ein insgesamt sehr schwer lesbares Werk, das ständig zwischen verschiedenen Themen und Stimmen changiert. In meiner Arbeit habe ich versucht, diese verschiedenen Erzählebenen zu entwirren und eine kohärente Lesart zu finden.

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Im zweiten Semester war der Roman Thema in einer Germanistikvorlesung, die ich besuchte. Die vortragende Professorin bezeichnete den Roman, von dem ich bis dato noch nie etwas gehört hatte, als einen der wichtigsten Schlüsselromane des 20. Jahrhunderts, neben Thomas Manns “Der Zauberberg” und Robert Musils “Der Mann ohne Eigenschaften”. Seitdem hat mich das Buch nicht mehr losgelassen, vor allem für die schwierige Erzählform wollte ich einen Schlüssel finden. Es ist ein so komplexer und schwieriger Roman, an dem ich immer etwas Neues entdecken konnte, und der mir für drei Jahre genug Stoff zur Analyse geboten hat. Außerdem ist es sicherlich ein sehr innovatives Thema, da das Werk in der Forschung kaum bearbeitet wurde.

Warum haben Sie sich für eine Promotion entschieden?

Das war bei mir ein langwieriger Prozess, obwohl ich schon lange mit dem Gedanken geliebäugelt habe. Im Laufe meiner Magisterarbeit habe ich allerdings festgestellt, dass mir dieser umfassende Forschungsprozess sehr liegt. Als ich nach meinem Abschluss für zwei Semester in den USA im Doktorandenstudium vertieft Literaturtheorie studiert habe, fiel dann der Groschen und ich habe mich für die Doktorarbeit entschieden.

Wie wird ihre Promotion finanziert?

Ich habe meine Doktorarbeit als Individualpromotion an der Universität Mannheim begonnen und lange Zeit nebenbei gearbeitet und mein Geld mit vielen Aushilfsjobs verdient, beispielsweise am Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen. Erst in der Abschlussphase hat sich die Finanzierungslage geändert, da ich eine Stelle an der Universität Koblenz-Landau bekommen habe.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits neben der Promotion?

Im vergangenen Sommersemester hat unser Institut gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg eine internationale Tagung im Bereich der Bilderbuchforschung mit dem Titel “Im Bildungsfokus: Bilderbuchrezeptionsforschung” durchgeführt. Neben der organisatorischen Vorbereitung habe ich hierfür gemeinsam mit Lothar Bluhm, Professor für Neuere deutsche Literatur und Kulturwissenschaft in Landau, einen Tagungsvortrag gehalten und wirke zurzeit bei der Erstellung des Tagungsbandes mit. Eine weitere Tagung dieser Art ist bereits in Planung. Außerdem stelle ich gerade meinen Beitrag für den Sammelband zur aktuellen Ringvorlesung fertig, bei der ich eine der Vorlesungen übernommen habe. Zudem war ich im Dezember in Wien bei einer Tagung zur Kinder- und Jugendliteratur und werde im Mai erneut eine Tagung in der Schweiz besuchen und dort einen Vortrag halten, der sich mit der Autorin Sibylle Berg befasst.

Was sind ihre beruflichen Pläne für die Zukunft?

Ich möchte gerne in der Wissenschaft Fuß fassen und strebe eine Habilitation an. Hierfür möchte ich mich einem nächsten großen Thema im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur zuwenden, das auch mein zweites Forschungsstandbein werden soll.

Was sollten Studierende mitbringen, die an eine Promotion denken?

Mit Sicherheit ist ganz viel Interesse und Begeisterung für das eigene Thema vonnöten, sonst geht einem unterwegs die Puste aus. Abgesehen davon sollte man aber auch durchaus jemand sein, der Spaß an intensiver Lektüre hat und sich gerne in die Welt der Bücher verkriecht.

Welche Aufgaben ergeben sich noch im Zuge ihrer Promotion?

Zu meinen Hauptaufgaben als Mitarbeiterin am Institut gehören natürlich die Vorbereitung und Durchführung von Lehrveranstaltungen, Prüfungsorganisation oder die Betreuung von Bachelor-Arbeiten. Allerdings fallen auch eine Reihe von Verwaltungsaufgaben an – das hat sich bei mir aber glücklicherweise immer im Rahmen gehalten, so dass ich genügend Freiraum hatte, mich intensiv der Promotion zuzuwenden.

Was unternehmen Sie, um sich zusätzlich zu qualifizieren?

Ich habe bereits zwei Semester in den USA im Doktorandenstudium verbracht und vor der Promotion Praktika im Bereich Kulturmanagement absolviert.

Wie organisieren sie ihr Arbeitspensum?

Am Anfang war das für mich gar nicht das Thema, da ich mich zunächst in die Literatur  einlesen und mir einen Überblick verschaffen musste. Das Lesen könnte man ja theoretisch ewig fortführen, aber man muss einen Schlusspunkt finden. In der Phase der Verschriftlichung habe ich versucht, meine Aufgaben strikt auf verschiedene Tage aufzuteilen. Meistens habe ich zwei Tage in der Woche für die Lehrveranstaltungen geblockt, so dass ich alle anderen anfallenden Aufgaben flexibel über die anderen Tage verteilen konnte.

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