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Selbstständig mit dem “Teehikel”

Philipp Hählke hat sich mit seinem rollenden Teehaus einen Traum erfüllt und verkauft in der Koblenzer Innenstadt nachhaltige Teesorten. Fotos: Marius Adam Philipp Hählke hat sich mit seinem rollenden Teehaus einen Traum erfüllt und verkauft in der Koblenzer Innenstadt nachhaltige Teesorten. Fotos: Marius Adam

Wenn das Thermometer unter null Grad rutscht, ist ein heißer Tee genau das Richtige, um sich wieder aufzuwärmen. Das gilt nicht nur für zu Hause, sondern auch für unterwegs, dachte sich Philipp Hählke. In einem Artikel hatte der Student von einem “Coffeebike” gelesen: ein Fahrrad, das als Verkaufsstand für Kaffee dient. Als leidenschaftlicher Teetrinker setzt er die Idee vom mobilen Heißgetränk nun auch für Tee um.

Philipp Hählke ärgerte sich regelmäßig über die teuren Beuteltees, die er in Cafés serviert bekam. Echter Tee schmeckt anders. Besser. Seit fünf Jahren ist Tee das Hobby des Englisch- und Sportwissenschaftsstudenten. Er kennt sich aus mit den vielen verschiedenen Sorten, die es auf dem Markt gibt. Vor allem japanischer Tee hat es ihm angetan. Ob schwarz, weiß oder grün, würzig oder mild – die Vielfalt macht das Heißgetränk so reizvoll. Die Idee, ein mobiles Teehaus zu bauen und sich damit selbstständig zu machen, ließ den 25-Jährigen nicht mehr los und er begann zu recherchieren.

Die Verbindung aus Tee und Vehikel ist der Namensgeber für das "Teehikel".

Die Verbindung aus Tee und Vehikel ist der Namensgeber für das “Teehikel”.

Ein selbstgebautes “Teehikel” nach ökologischen Maßstäben

Ein Lastenfahrrad aus Holland mit E-Antrieb dient dem jungen Unternehmer als Grundgerüst für das rollende Gewerbe. Ein Waschbecken aus dem Campingbereich, Strom- und Wasserversorgung, verschiedene Tees und Becher sind die restlichen Zutaten, die Hählke für das Tee-Vehikel, dem “Teehikel”, braucht. Bei der Auswahl seiner Produkte setzt er auf Nachhaltigkeit: “Mir liegt es am Herzen, dass alle Produkte aus biologischer Landwirtschaft kommen und die Becher und Deckel biologisch abbaubar sind”, erklärt er. Auch bei der Wahl des Holzes und des Dachmaterials achtete Hählke auf eine möglichst geringe Umweltbelastung. In einem Werkstattraum, den das ISSOlab des Institute for Social and Sustainable Oikonomics zur Verfügung stellt, verwandelte sich das Lastenfahrrad innerhalb von drei Monaten zum fertigen Teehikel.

Das Teehikel hat Hählke gemeinsam mit Freunden selbst gebaut.

Das Teehikel hat Hählke gemeinsam mit Freunden selbst gebaut.

Kein leichter Weg in die Selbsständigkeit

Um mit der Erfindung in die Stadt ziehen zu können, musste der Student ein Gewerbe anmelden. Hählke schrieb einen Businessplan und kontaktierte zur Unterstützung das Gründungsbüro an der Universität Koblenz-Landau. Das Gewerbeamt verlangte zudem ein polizeiliches Führungszeugnis. Hinzu kamen die Kosten für ein mobiles Geschäft, die mit 250 Euro deutlich mehr zu Buche schlagen als ein fester Standort, den es bereits für zehn Euro gibt. Doch das war noch nicht alles: Die Mitgliedschaft in der Industrie- und Handelskammer ist in diesem Gewerbe Voraussetzung, das Finanzamt verlangt eine steuerliche Erfassung und auch in die Berufsgenossenschaft musste Hählke eintreten. Zuletzt erfolgte noch eine Abnahme seiner Produkte durch das Lebensmittelamt. Eine Menge Dokumente musste der Jungunternehmer also ausfüllen, bevor er losradeln konnte. “Das war schon eine Herausforderung, denn ich hatte keinerlei Erfahrung in dem Bereich”, erzählt der Student. Nach etwa einem Monat voller Behördenbesuche war es soweit: Das Teehikel durfte offiziell die Vielfalt des Tees in die Innenstadt von Koblenz bringen.

Bei der Auswahl des Tees auf die Bedingungen im Herstellungsland achten

Zwölf Sorten Tee gibt es im Angebot, von grünem über schwarzen bis zum Kräutertee, und auch Chai Latte und Kakao sind dabei. 2,50 Euro kostet ein frisch aufgekochter Tee in einem 0,3 Liter Becher – mit kostenlosem Zweitaufguss. Der Preis rechtfertigt sich durch Hählkes sorgfältige Herstellerauswahl. Er bezieht den Tee aus dem Teahouse in München, einem großen Fachgeschäft, dessen Mitarbeiter auf Tee-Reisen in Asien eine angemessene Bezahlung und gute Arbeitsverhältnisse der Teebauern sicherstellen. Für den studentischen Unternehmer ist es ein wichtiger Aspekt seiner Idee, dass er weiß, woher sein Tee kommt. Als Beipsiel nennt er den Ort Dongzhai in China: “Dort gibt es ein Projekt, mit dem die Landflucht von jungen Leuten verhindert werden soll, indem sie den Teeanbau erlernen und sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen.”

Die vielen leckeren Sorten hat Hählke sorgfältig ausgewählt.

Die vielen leckeren Sorten hat Hählke sorgfältig ausgewählt.

Positive Resonanz und Träumereien

Die Reaktionen der Kunden auf dem Ehrenbreitsteiner Wochenmarkt sind durchweg positiv und ermutigen den 25-Jährigen, auf weiteren Plätzen in Koblenz seinen Tee auszuschenken. 2016 möchte er auf verschiedenen Märkten und regelmäßigen Events stehen. Der vegane Weihnachtsmarkt im Dezember war ein voller Erfolg, solche Gelegenheiten sucht Hählke jetzt häufiger. Und auch für den Sommer hat er sich schon etwas einfallen lassen: “Dann werde ich den Tee als eiskaltes Erfrischungsgetränk anbieten.”

Mit der Anmeldung des Teehikels zum Gewerbe und dem ersten öffentlichen Teeausschank fällt eine große Last von Hählkes Schultern. “Solch ein Vorhaben und all die Dinge, die beachtet werden müssen, machen Druck”, erzählt er. Glücklicherweise kann sich der Student über viel Unterstützung freuen. Seine Familie trug zum Startkapital bei und steht voll hinter ihm, seine Freunde halfen beim Logo-Design und dem Bau des Teehikels. Nur seine WG muss seit der Gründung seines eigenen kleinen Unternehmens einiges aushalten: Hier stapeln sich die Kartons im Flur und der Tee in der Küche. Der ultimative Traum vom eigenen Café mit Tee und veganen Snacks bleibt für Hählke vorerst Träumerei – jetzt ist die Zeit für das Teehikel.

Autorin: Clara Jung

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