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Auf den Spuren von… Bastian Zimmermann, Abteilungsleiter für Industrielle Bildverarbeitung bei PSI Technics

Alumni-Porträts: Bastian Zimmermann studierte Informatik an der Uni Koblenz-Landau. Jetzt leitet er die Abteilung, in der er als Werksstudent begann. Foto: Privat

Alumni-Porträts: Bastian Zimmermann studierte Informatik an der Uni Koblenz-Landau. Jetzt leitet er die Abteilung, in der er als Werksstudent begann. Foto: Privat

Hoch hinaus wollte er schon immer: Bastian Zimmermann absolvierte vor seinem Studium an der Universität Koblenz-Landau eine Lehre als Dachdecker. Seinen zukünftigen Arbeitgeber fand der 39-jährige Diplom-Informatiker bereits während seiner Studienzeit. Als Werksstudent hat er dort angefangen, heute ist er Leiter seiner eigenen Abteilung.

Sie arbeiten bei PSI Technics. Worum handelt es sich denn bei diesem Unternehmen?

Das Kerngeschäft unseres Unternehmens liegt in der Automatisierungstechnik. Wir analysieren und optimieren die Effizienz automatischer Lager- und Produktionsprozesse. Zusätzlich beschäftigen wir uns seit einigen Jahren mit der industriellen Bildverarbeitung. In unserer Abteilung überprüfen wir, ob die Qualität von Waren den Anforderungen der Kunden gerecht wird. Unser bisher größtes Projekt läuft in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn. Wir überprüfen den Zustand der Dachaufbauten von einfahrenden Zügen auf mögliche Schäden, die über Kameras in einer Wartungshalle identifiziert werden können.

Sie selbst sind Abteilungsleiter der industriellen Bildverarbeitung: Wie sind Sie an den Job gekommen?

Ich habe bereits während meines Studiums der Informatik bei PSI Technics gearbeitet. Das Unternehmen war damals noch im Gebäude des Technologie Zentrums Koblenz untergebracht. Es war also gut zu Fuß erreichbar. Ich arbeitete dort als Programmierer, bis das Unternehmen 2011 nach Urmitz umzog. Im gleichen Jahr erhielt ich mein Diplom und wurde als Software-Entwickler bei PSI Technics übernommen. Wir gründeten die Abteilung für industrielle Bildverarbeitung vor etwa zwei Jahren, wobei ich maßgeblich an deren Aufbau beteiligt war. Mittlerweile besteht mein Team aus acht Mitarbeitern, die jeweils in der Programmierung, Analyse und Kundenbetreuung tätig sind.

Was sind ihre Aufgaben?

Als Abteilungsleiter fallen einige organisatorische Aufgaben an, die ich bewältigen muss. Ich teile meinem Team neue Projekte zu, bin an deren Planung und Umsetzung beteiligt und stehe in ständigem Austausch mit Kunden. Intern setzen wir uns im Team häufig zusammen und tauschen uns über laufende Projekte aus. Es ist mir wichtig, Transparenz zu schaffen und meine Abteilung zusammenzuhalten. Ab und zu treffen wir uns auch außerhalb der Arbeitszeit, um etwas zu unternehmen.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Nachdem ich meine Kinder in der Schule und im Kindergarten abgesetzt habe, startet mein Arbeitstag gegen acht Uhr. Da wir weltweit Projekte rund um die Uhr betreuen, überprüfe ich zunächst, ob in der Nacht irgendwo Fragen aufgetaucht sind, um darauf reagieren zu können. Den Morgen verbringe ich meistens mit organisatorischen Aufgaben, zum Beispiel dem Abarbeiten von Mails, Kundengesprächen und sonstigen Absprachen. Am Nachmittag setze ich mich mit meinem Team zusammen oder führe Einzelgespräche mit meinen Mitarbeitern. Gegen Abend kümmere ich mich um die strategische Planung. Ich versuche etwa, neue Kunden zu identifizieren oder innovative Ideen zu entwickeln.

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Ich habe täglich mit unterschiedlichen Menschen zu tun, die jeweils verschiedene Ansprüche an mich stellen. Diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist eine andauernde Herausforderung in meinem Job. Ich jongliere zwischen Geschäftsleitung, Alt- und Neukunden, Mitarbeitern und Lieferanten. Hier gilt es, den Überblick zu behalten und sich seine Zeit gut einzuteilen. Gleichzeitig macht es aber auch Spaß, verschiedene Menschen kennen zu lernen.

Wussten Sie schon zu Studienbeginn, was Sie später machen wollen? Was war Ihr Traumjob?

Das wusste ich wirklich nicht. Vor meinem Studium habe ich zunächst eine Lehre als Dachdecker abgeschlossen. Währenddessen habe ich am Koblenz Kolleg mein Abitur nachgeholt, damit ich Bauingenieur werden konnte. Am Kolleg begann ich, mich in der Mathematik und Informatik wohl zu fühlen. Das war der Grund für mein Studium der Informatik an der Universität Koblenz-Landau. Zu Beginn des Studiums wollte ich unbedingt als Programmierer in der Softwareentwicklung eines Unternehmens beschäftigt sein. Heute programmiere ich zwar kaum noch, bin aber sehr glücklich mit meinen Aufgaben.

Warum haben Sie sich für ein Studium an der Universität Koblenz-Landau entschieden?

Durch einen Informatik-Kurs während meines Abiturs habe ich einen Tag lang die Vorlesungen an der Universität begleiten dürfen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich im Audimax zwischen Hunderten von Studierenden saß und nichts von dem verstand, was der Professor uns zu erklären versuchte. Ich glaube, in diesem Moment habe ich mich bewusst dazu entschieden, in Koblenz zu studieren. Die Atmosphäre vor Ort hat mich überzeugt. Unabhängig davon war ich auch glücklich, in der Region studieren zu können, aus der ich auch gebürtig stamme.

Welche Rolle spielt ihr Studium für Ihre Tätigkeit als Abteilungsleiter?

Wenn es darum geht, schnelle Entscheidungen treffen zu müssen, ist ein gewisses Maß an theoretischem Hintergrund unverzichtbar. Ich greife noch oft auf Wissen zurück, dass ich mir während des Studiums angeeignet habe. Außerdem macht die Mathematik bis heute noch einen großen Teil meiner Arbeit aus.

Inwieweit hat das Studium Ihre Berufswahl beeinflusst? Gab es einen Schlüsselmoment?

Ich wurde mir bereits als Studierender über die Vorzüge der Arbeit in der Industrie bewusst. Anders als in der Grundlagenforschung der Wissenschaft arbeitet man in einem Unternehmen an einem Ziel unter klar definierten Vorgaben. Dieses Ziel orientiert sich an der Zufriedenheit unserer Kunden. Trotzdem bin ich noch immer in der Forschung tätig, beispielsweise, wenn es um die Entwicklung neuer Anwendungen geht.

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Ihre Alma Mater und an Ihre Studienstadt Koblenz zurückdenken?

Koblenz ist quasi mein Lebensmittelpunkt, da ich mit meiner Familie hier lebe. Das hat sich seit meinem Studium nicht verändert. Wenn ich an meine Zeit am Campus Koblenz zurückdenke, erinnere ich mich direkt an die Erstsemester-Woche. Es war, als ob ich ein neues Leben beginnen würde, verbunden mit dem Stolz, endlich zu studieren. Ich lernte zahlreiche Leute kennen und schloss neue Freundschaften, wovon ich einige bis heute pflege. Das war für mich eine unvergesslich schöne Zeit.

Wie halten Sie noch Kontakt zur Uni?

Die industrielle Bildverarbeitung ist ein Themenschwerpunkt des Studiums der Computervisualistik. Daher sind viele Werksstudenten und Absolventen der Universität Koblenz-Landau in meiner Abteilung tätig. Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr mit Professor Dr. Stefan Müller eine Exkursion mit Studierenden, die sich unser Unternehmen näher ansehen wollen, organisiert. Beim jährlichen Tag der Computervisualistik sind wir ebenso mit einem Stand und einem Vortrag dabei. Der Kontakt zur Uni ist also ziemlich rege.

Was haben Sie im Studium gelernt, was nicht in den Lehrbüchern zu finden ist?

Ich habe gelernt, dass es wichtig ist gegenüber allen Themen offen zu sein. Das Leben läuft meistens anders als geplant. Wer sich vor dem Unbekannten verschließt, kann niemals etwas Neues lernen. Alles, was man lernt, macht irgendwann auch einen Sinn. Ich bin immer wieder überrascht, wie viel Wissen ich aus meinem Studium mitgenommen habe und heute noch anwenden kann.

Was ist der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Ich lebe nach dem Prinzip Wer rastet, der rostet. Man darf nie denken, man wäre fertig. Diese Einstellung habe ich schon in meiner Lehre vertreten. Ich möchte mich immer weiterbilden und entwickeln. Wenn ich etwas abgeschlossen habe, plane ich direkt die nächsten Schritte.

Ihr schönstes Erlebnis an der Universität Koblenz-Landau?

Das war definitiv der Moment, als ich meine letzte mündliche Prüfung erfolgreich absolviert hatte. Nach wochenlanger Vorbereitung sprudelte innerhalb einer Viertelstunde alles aus mir hervor, was ich gelernt hatte. Die Zeit davor war aufreibender als die Prüfung selbst. Es fiel mir sogar leichter, meine Diplomarbeit zu schreiben, als mich auf die Prüfung vorzubereiten.

Generalist oder Spezialist ‑ auf was sollten Studierende ihres Faches bei der Wahl der Schwerpunkte achten?

Ich denke, dass beides notwendig ist. In meiner momentanen Funktion als Abteilungsleiter würde ich mich eher als Generalisten beschreiben. Ich muss von allem etwas wissen, wir benötigen aber genauso Spezialisten, die tiefer in die Materie eintauchen. Die Anforderungen wechseln je nach Tätigkeit.

Was raten Sie unseren Studierenden, die sich für Ihre Berufsbranche interessieren?

Wenn die Möglichkeit besteht, empfehle ich jedem Studierenden, neben dem Studium zu arbeiten. Am besten in dem Feld, in dem man zukünftig tätig sein möchte. So gewinnt man erste Eindrücke, sammelt Erfahrungen und hat bereits einen Fuß in der Tür.

Dieses Interview ist in freundlicher Kooperation mit dem Alumni-Referat der Universität Koblenz-Landau entstanden.

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