Kolumne
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Wundertüten-Momente

Heute schreibt Campus-Reporterin Nina Seel. Heute schreibt Campus-Reporterin Nina Seel.

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute sinniert Nina Seel über falsche Vorsätze, komplizierte Lebensweisheiten und ein neues Jahr 2017 voller Bausteine und Ungewissheiten.

Silvester. Anstoßen auf ein neues, frisches Jahr, frei von Altlasten. Bereit die Welt zu erobern. Dieses Jahr ganz bestimmt! Ich könnte jetzt etwas über gute Neujahrsvorsätze schreiben, über Vorhaben, die man immer wieder hat und die im Laufe eines Jahres doch wieder vergessen gehen. Pläne, die nicht gelingen wollen und uns letztlich enttäuscht zurücklassen, können wir viele schmieden. Zu den Klassikern gehören sicherlich Gewicht verlieren, sich gesünder ernähren, mehr Sport machen, mehr Zeit für die Familie haben, gelassener werden, öfter mal Nein sagen. Diese Liste an Ideen, die das Leben im Ratgeber-Jargon besser machen, könnte man endlos fortführen. Ich für meinen Teil habe derzeit noch keine konkreten Vorstellungen vom kommenden Jahr. Meine Jahresplanung gestaltet sich weniger in guten Vorsätzen, denn in definitiv zu erledigenden Aufgaben. Bislang kenne ich lediglich die Bausteine, die mich erwarten und die noch mit Inhalt gefüllt werden wollen. Der gute Vorsatz besteht darin, ein letztes Praktikum zu machen und die Masterarbeit zu schreiben. Und das mit möglichst viel Engagement und Freude dabei. Und dann?

Angst vor Planlosigkeit

“Dir steht die Welt offen”, hört man. “Du hast alle Möglichkeiten”, heißt es. Aber wohin mit mir? Was will ich? Wer braucht mich? Wo ist mein Platz? Das ist das kennzeichnende Merkmal unserer Generation: Wir haben die Qual der Wahl. Manche behaupten, das sei die größte Freiheit, die man haben könne. Ich empfinde das gleichzeitig als Einschränkung, weil ich vor lauter Auswahl kaum selektieren kann, was ich eigentlich wirklich möchte. Ich verlasse nach und nach das sichere Terrain des Studiums, das mich Semester für Semester in Watte gepackt hat, weil es Halbjahr für Halbjahr einfach seinen Lauf nahm. Nach mehr als fünf Jahren in der Uni-Mühle erwartet mich ein wenig Ungewissheit, ich muss weitergehen und Entscheidungen treffen. Diese Unsicherheit kann auch Angst schüren. Ich möchte alles richtig machen und die für mich beste Wahl treffen. Ein weiteres Charaktermerkmal meiner Peergroup: Die Idee, es könnte immer noch etwas besseres kommen.

Carpe Diem in allen Lebenslagen

Wie oft habe ich das schon gelesen oder gehört, man solle jeden Tag zum Schönsten des Lebens machen oder jeden Tag so leben, als sei es der letzte. Das klingt anstrengend, weil jeder Tag irgendwie besonders werden muss. Damit kann man sich aber auch ganz schön unter Druck setzen. Es gibt Tage, an denen passiert einfach nichts. Man lümmelt faul auf dem Sofa herum und gibt sich stundenlang Netflix hin. Hat man den Tag dann im Sinne eines produktiven Voranschreitens und intensiven Lebens genutzt? Wohl kaum. Aber auch das ist gut. Auf der ewigen Suche nach dem, was uns glücklich und unser kommendes Jahr noch besser, erfolgreicher und voller macht, könnten wir auch einfach einmal alles auf uns zukommen lassen. Stück für Stück, eins nach dem anderen, nicht alles auf einmal. Und dabei nicht so viel grübeln, sondern einfach mal hinnehmen, was kommt, und all das vielleicht etwas bewusster wahrnehmen. Für mich wird dieses Jahr eine riesige Wundertüte. Und ich hoffe, sie hält neben schrägen Clowns, die aus ihr herausspringen, auch so manches Konfetti und die ein oder andere Luftschlange für mich bereit. Manchmal kann man nicht alles planen und muss sich einfach überraschen lassen, wohin das Leben geht, in welche Wege es einbiegt, welche Haken es schlägt. Aber jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. So auch dem Anfang von 2017. Im Sinne dieser letzten Lebensweisheit ein glückliches, gesundes neues Jahr voller Wundertüten-Momente.

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