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Virtual Reality: Zwischen Wirklichkeit und Simulation

Jan Hombeck entwickelt in seiner Abschlussarbeit ein Programm, dass angehenden Chirurgen dabei helfen soll, ihre Fingerfertigkeiten zu schulen. Foto: René Lang

Jan Hombeck entwickelt in seiner Abschlussarbeit ein Programm, dass angehenden Chirurgen dabei helfen soll, ihre Fingerfertigkeiten zu schulen. Foto: René Lang

Was ist real und was nicht? Virtual Reality bietet völlig neue Eindrücke in der Erfahrung von Wirklichkeit. Jan Hombeck entwickelt in seiner Abschlussarbeit ein Programm zur Simulation von chirurgischen Eingriffen mithilfe von VR-Brillen. 

Die Serie: Alle Scheine sind gemacht und das Studium geht in die heiße Phase, die Abschlussarbeit steht vor der Tür. Doch wie organisiert man diese letzte Phase des Studiums? Wie findet man einen Betreuer und das richtige Thema? Und wie schafft man es, in dieser Zeit nicht durchzudrehen?

Wer sind Sie und was studieren Sie?

Mein Name ist Jan Hombeck und ich studiere den Bachelor of Science Computervisualistik am Campus Koblenz.

Was ist das Thema Ihrer Abschlussarbeit?

Virtual Reality – oder kurz VR – ist noch nicht das, was sich viele darunter vorstellen: Eine perfekte Alternativwelt. Es gibt sie bereits seit einigen Jahrzehnten und die technischen Voraussetzungen entwickeln sich ständig weiter. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Rechner wird man dennoch eine schlechtere Qualität in Sachen Grafikverarbeitung, Bildauflösung und Ladegeschwindigkeit erfahren. Trotz dieser Defizite begeistert mich VR, denn sie bietet ein komplett neues Gefühl der Welterfahrung.

In meiner Arbeit setze ich mich mit dem Einsatz sogenannter Glyphen auseinander, mit deren Hilfe eine besseren Tiefenwahrnehmung im medizinischen Kontext und der Virtual Reality herbeigeführt werden soll. Im Grunde entwickele ich ein Programm, das die Durchführung einer virtuellen Operation an einem Lebergefäß simuliert. Mit aufgezogener VR-Brille soll man sich also im OP-Saal wiederfinden. Die Controller dienen als Skalpell. Um eine möglichst realitätsnahe Operation nachzustellen, arbeite ich vor allem an der Optimierung der Feinheiten. Mithilfe von Glyphen soll beispielsweise die Einschätzung von Distanz mit aufgesetzter VR-Brille leichter fallen. Als grafische Darstellungen beinhalten Glyphen Informationen, die grundlegend fast alles sein können: Farben, Pfeile, Striche oder Ähnliches. Hauptsache ist, dass die Glyphen als Signale dienen, die dem Anwender visuelles Feedback geben.

Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Während des Studiums habe ich ein großes Interesse an der medizinischen Visualisierung von Datensätzen entwickelt. Wie verarbeite ich Daten, die sich zum Beispiel infolge eines MRT-Scans ergeben? Und wie kann ich die ermittelten Informationen visuell anschaulich darstellen? Über meinen Betreuer Nils Lichtenberg kam ich darauf, die Möglichkeiten der Virtual Reality und der medizinischen Visualisierung zu verknüpfen.

Hombeck mit der Virtual Reality-Brille. Foto: Lang

Hombeck mit der Virtual Reality-Brille.

Welche Tipps geben Sie Studierenden, die auf der Suche nach einem passenden Thema sind?

Es ist wichtig, sich im Vorfeld ausreichend Gedanken zu machen, wo die eigenen Interessen liegen. Dazu zählt, sich für das eigene Thema begeistern zu können. Genauso hilfreich kann der direkte Kontakt mit den Dozenten sein. Man sollte keine falsche Scheu zeigen und aktiv um Informationen sowie Tipps bitten. Bei mir selbst tritt der schöne Nebeneffekt auf, dass ich mein eigener Proband sein kann. Alles, was ich entwickle, darf ich zunächst selbst austesten.

Nach welchen Kriterien haben Sie den Betreuer Ihrer Abschlussarbeit ausgesucht?

Das geschah bei mir themengebunden. Herr Lichtenberg stand meinen Vorschlägen offen gegenüber und hat mir bei der Themenfindung geholfen.

In der Bibliothek, im Café oder zu Hause – Wo schreiben Sie am liebsten?

Ganz klar: im Labor. Zuhause kann ich keine Motivation aufbringen. Sowohl der Fernseher als auch der Rechner würden mich zu sehr von der Arbeit abhalten. Abgesehen davon muss die VR-Brille möglichst am Campus bleiben, da ich nicht der Einzige bin, der mit ihr arbeitet. Nach der Programmierung werde ich den schriftlichen Teil der Arbeit in der Bibliothek verfassen. Erfahrungsgemäß kann ich mich da, wo alle anderen auch arbeiten, am besten konzentrieren.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf?

Vielleicht weniger als ich sollte. Insgesamt habe ich sechs Monate Zeit, bis ich meine Arbeit inklusive Programm abgeben muss. Auf einem Timetable habe ich eine grobe Aufstellung meiner Etappenziele aufgelistet, um immer einen Überblick zu behalten. Alle zwei Wochen treffe ich mich mit meinem Betreuer, um über Fortschritte und Probleme zu sprechen. Das hilft mir dabei, meine eigene Leistung zu erkennen.

Was unternehmen Sie zum Ausgleich zur wissenschaftlichen Arbeit?

Relativ viel Sport. Körperliche Betätigung ist mir wichtig, aber auch das Treffen mit Freunden zu DVD-Abenden oder einem Besuch im Kino. Die Hauptsache ist, die Uni-Arbeit für einen Moment liegen lassen zu können.

Schreibblockaden, Krisen, Selbstzweifel – kennen Sie das? Was machen Sie in solchen Momenten?

Diese Phänomene sind mir durchaus bekannt. Meine Lösung: Nach Hause gehen und Abstand gewinnen. Am nächsten Tag mit frischen Gedanken an die Sache heranzutreten, hilft meistens. Zumal mir Zuhause manchmal die besten Ideen kommen, um auftretende Probleme zu beheben.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach dem Abschluss? Wissen Sie schon, was Sie beruflich machen möchten?

Da bin ich mir noch nicht sicher. Meinen Master möchte ich definitiv machen, es sei denn, ich erhalte das Super-Jobangebot überhaupt. In der Computervisualistik kann das durchaus passieren. Ob ich also in der Forschung bleibe oder mich dem freien Markt zuwende, halte ich mir offen. Hier gewinnt das für mich interessanteste Angebot.

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