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Sorgentelefon: Studierende helfen bei der Nummer gegen Kummer

Das Leben ist nicht immer einfach: Kinder und Jugendliche wählen bei Problemen die Nummer gegen Kummer. Am anderen Ende sitzen oft auch Psychologie-Studenten der Uni Koblenz-Landau. Foto: Fotolia/ Beeboys Das Leben ist nicht immer einfach: Kinder und Jugendliche wählen bei Problemen die Nummer gegen Kummer. Am anderen Ende sitzen oft auch Psychologie-Studenten der Uni Koblenz-Landau. Foto: Fotolia/ Beeboys

Auch in Zeiten des Internets ist die „Nummer gegen Kummer“ gefragter denn je. Mehr als 13.000 Anrufe von Kindern und Jugendlichen gingen im vergangenen Jahr in der Beratungsstelle ein. Am anderen Ende der Leitung sitzen oft auch Psychologie-Studenten, die auf ehrenamtlicher Basis am Telefon zuhören und Tipps geben. UniBlog sprach mit der der 32-jährigen Diplom-Psychologin Vanessa Lang, Psychologin an der Uni Koblenz-Landau und Koordinatorin des Projekts beim Deutschen Kinderschutzbund Landau SÜW e.V. 

Kinder- und Jugendtelefon hört sich altbacken an. Suchen die jungen Leute tatsächlich noch Rat über ein klassisches Kommunikationsmittel?

Wir hatten im letzten Jahr 13.115 Anrufe von Kindern und Jugendlichen am Standort Landau, die sich beraten lassen wollten. Offensichtlich macht es also immer noch Sinn. Natürlich verweisen wir auch mal während des Gesprächs auf Internetseiten, beispielsweise wenn nach Sex-Stellungen gefragt wird.

Was ist das Attraktive an der „Nummer gegen Kummer“?

Es ist auf jeden Fall kostenlos und anonym. Das senkt die Hemmschwelle, bei uns anzurufen. Manche Kinder und Jugendliche haben einfach niemanden, dem sie vertrauen können oder mit dem sie über ihr Problem sprechen können.

Foto: Symbolbild NummergegenKummer e.V./ Claus Langer

Auch in Zeiten des Internets gefragt: Die Nummer gegen Kummer. Foto: NummergegenKummer e.V./ Claus Langer

Was sind die klassischen Themen, bei denen sich die Anrufer Rat einholen?

Natürlich sind Liebe und Sexualität große Themen, bei denen die Jugendlichen oft nachfragen. Das „Erste Mal“ wird mit unseren Beratern oft besprochen. Oder auch, dass sich der Freund oder die Freundin getrennt hat. Auch bei Problemen in der Familie, mit den Freunden oder in der Schule wollen sich die Jugendlichen Rat einholen.

Viele Studierende der Uni Koblenz-Landau arbeiten auf ehrenamtlicher Basis mit. Was sind deren Motive?

Es sind tatsächlich viele Studierende, die am Campus Landau Psychologie studieren. Für die ist es einfach spannend, sich in der Beratungsarbeit auszuprobieren. Die meisten wollen einfach Menschen helfen. Aber auch die Theorie, die sie an der Universität vermittelt bekommen, in der Praxis anwenden. Unter gewissen Bedingungen kann man sich diese Zeit als Berater auch für das Studium anrechnen lassen.

Was für Eigenschaften sollte man mitbringen, wenn man bei der “Nummer gegen Kummer” mitarbeiten möchte?

Die Berater haben ganz unterschiedliche Charaktere. Jeder ist auf seine Art und Weise wichtig. Grundlegend sind aber Einfühlungsvermögen, eine gewisse Belastbarkeit und die Bereitschaft zur Selbstreflexion.

Der Beraterjob kann aber auch belastend sein…

Ja, natürlich. Sehr belastend ist es zum Beispiel, wenn man von sexuellen Missbrauch und Gewalt in der Familie erfährt. Das sind bei uns in Landau im letzten Jahr 9,4 Prozent der Beratungsgespräche gewesen. Man kann das Kind am Telefon ja nicht einfach an die Hand oder in den Arm nehmen. Auch ist es schwer, wenn man Kinder am Telefon hat, die gerade die eigenen Eltern verloren hat. Aber auf solche Situationen wird man in der Ausbildung vorbereitet.

Benedikt Schülter

Wer Interesse hat, sich zum ehrenamtlichen Telefonberater ausbilden zu lassen, kann sich per E-Mail an kjt@blauer-elefant-landau.de oder unter der Telefonnummer 06341 – 14 14 14 (Mo., Di., Do. 9-12 Uhr) melden. Die Nummer gegen Kummer lautet: 0800 – 1110 333.

 

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