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Abschlussarbeiten: Sexting unter Jugendlichen

Psychologie-Studentin Annika Raff hatte Mut zu einem brisanten Thema und beschäftigte sich in ihrer Abschlussarbeit mit Sexting. Foto: Schreiner Psychologie-Studentin Annika Raff hatte Mut zu einem brisanten Thema und beschäftigte sich in ihrer Abschlussarbeit mit Sexting. Foto: Schreiner

Geflirtet wird heute nicht mehr nur im persönlichen Gespräch mit Worten und Blicken, sondern auch digital über Snapchat, E-Mail und WhatsApp. Die Psychologiestudentin Annika Raff hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema Sexting, dem digitalen versenden freizügiger Bilder, beschäftigt. Dazu hat sie fast 300 Jugendliche befragt.

Die Serie: Alle Scheine sind gemacht und das Studium geht in die heiße Phase, die Abschlussarbeit steht vor der Tür. Doch wie organisiert man diese letzte Phase des Studiums? Wie findet man einen Betreuer und das richtige Thema? Und wie schafft man es, in dieser Zeit nicht durchzudrehen? 

Wer sind Sie und was studieren Sie?

Mein Name ist Annika Raff und ich studiere Psychologie. Mittlerweile bin ich im letzten Semester des Masters Psychologie.

Was ist das Thema Ihrer Abschlussarbeit?

In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit Sexting unter Jugendlichen beschäftigt. Sexting war dabei definiert als das Verschicken freizügiger Fotos per Handy oder E-Mail an Freunde und Bekannte. Dazu gibt es bisher nicht viel Forschung, da es ein junges Phänomen ist. Mich hat auch interessiert, ob es dabei einen Zusammenhang mit Narzissmus gibt. Verschicken narzisstische Jugendliche mehr halbnackte Bilder von sich selbst? Außerdem habe ich mir auch angesehen, ob die Peer-Norm, also die Normen und Werte der Bezugsgruppe der Jugendlichen, einen Einfluss hat.

Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Ich habe online auf den Seiten der Lehrstühle und Arbeitsgruppen recherchiert. Der Lehrstuhl von Herrn Professor Appel am Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik hat viele Informationen zu den angebotenen Themen für Abschlussarbeiten auf der Webseite. Das Thema Sexting klang spannend und aktuell. Im Rahmen meiner Tätigkeit bei der Nummer gegen Kummer des Kinderschutzbundes bin ich bereits mit dem Thema Internetsicherheit in Kontakt gekommen. Daher konnte ich mir gut vorstellen, mich in meiner Bachelorarbeit mit einem ähnlichen Thema zu beschäftigen.

Was sind Ihre Ergebnisse?

Gut ein Drittel der Mädchen und Jungen gab an, schon einmal einen Sext – so nennt man die freizügigen Bilder – versendet zu haben. Das hat mich durchaus erstaunt, da in anderen Studien weit niedrigere Prozentzahlen angegeben werden, meist um die zehn Prozent. Einen direkten Zusammenhang zwischen Narzissmus und der Einstellung der Jugendlichen gegenüber Sexting habe ich aber nicht gefunden. Allerdings gab es einen indirekten Zusammenhang: Es zeigte sich, dass Narzissmus allgemein in Verbindung mit höherem Körpernarzissmus steht. Dies könnte sich wiederum positiv auf die Einstellung gegenüber Sexting auswirken. Zudem gab es in meiner Studie einen Einfluss Gleichaltriger aus dem engen Umfeld der Jugendlichen. Wenn die Studienteilnehmer dachten, dass ihre Freunde Sexting gut finden, fanden sie selbst es auch besser. An dieser Stelle könnten zukünftige Präventionsmaßnahmen ansetzen. Aufklärung über die Vor- und Nachteile von Sexting im Dialog mit Gleichaltrigen könnte helfen, Jugendlichen die Risiken, die mit Sexting einhergehen, näher zu bringen.

Welche Tipps geben Sie Studierenden, die auf der Suche nach einem passenden Thema sind?

Ich kann eine Online-Recherche auf den Webseiten der Lehrstühle und Arbeitseinheiten empfehlen. Dort findet man durchaus Anregungen. Außerdem kann es hilfreich sein, sich über die Forschungsinteressen von Dozenten, die einem sympathisch sind und die man sich gut als Betreuer vorstellen kann, zu informieren, und dann direkt auf einen bestimmten Dozenten zugehen. Gemeinsam kann man dann interessante Fragestellungen entwickeln.

Nach welchen Kriterien haben Sie den Betreuer Ihrer Abschlussarbeit ausgesucht?

Ich kannte meine Betreuer Professor Appel und Dr. Gimmler vorher gar nicht, fand aber das von ihnen ausgeschriebene Thema spannend. Besonders interessant war, dass Herr Dr. Gimmler aus der Medienpädagogik kommt und ich so auch diese Perspektive kennen lernen durfte. Bei einem persönlichen Treffen haben mir beide ihre Erwartungen transparent gemacht. Beide waren stets gut zu erreichen und die Zusammenarbeit war für mich wirklich spannend.

In der Bibliothek, im Café oder zu Hause – wo schreiben Sie am liebsten?

Ich habe tatsächlich abgewechselt und ein räumlicher Neuanfang half mir oft beim Schreiben. Je nach anstehender Aufgabe habe ich mich zum Beispiel für Recherchen auch gerne ins Café gesetzt. Dinge wie Datenauswertung und das tatsächliche Schreiben habe ich aber lieber in der Bibliothek oder an meinen Schreibtisch erledigt.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf?

Die Bachelorarbeit hat sich bei mir ein wenig gezogen und ich war am Ende auch doppelt eingeschrieben. Daher haben sich intensive und weniger intensivere Phasen abgewechselt. Generell kann man sagen, dass mein Zeitplan Raum für Flexibilität gelassen hat. Gerade zum Ende hin habe ich mir feste Arbeitszeiten eingeteilt. Dadurch fiel es mir leichter, am Abend auch meinen Feierabend zu geniessen.

Was unternehmen Sie zum Ausgleich zur wissenschaftlichen Arbeit?

Zum Schluss gab es nicht mehr viel Freizeit, weil ich es dann einfach durchziehen wollte. Ansonsten war ich regelmäßig im Uni-Sport, hab mich mit Freunden getroffen oder beim Serien-Gucken einfach mal das Hirn ausgeschaltet.

Schreibblockaden, Krisen, Selbstzweifel – kennen Sie das? Was machen Sie in solchen Momenten?

Wenn es mit dem Schreiben nicht voran ging, hat mir geholfen, es erst einmal irgendwie auf das Papier zu bringen und danach zu sortieren. Hauptsache, es steht schon mal etwas da. Bei einer Verwandten habe ich mal ihre Doktorarbeit im Regal stehen sehen. Das war ein richtig dickes Buch, dagegen ist meine Bachelorarbeit schon sehr dünn. Aber da dachte ich mir zum ersten Mal: Ich will auch mal so ein Buch, das ich selbst geschrieben habe, ins Regal stellen können. Diese Vorstellung hat mich motiviert. Mir war wichtig, dass ich selber stolz darauf und zufrieden damit bin.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach dem Abschluss? Wissen Sie schon, was Sie beruflich machen möchten?

Derzeit studiere ich im Master Psychologie mit dem Schwerpunkt klinische Psychologie hier am Campus Landau. Im Anschluss daran möchte ich gerne die Psychotherapeuten-Ausbildung machen. Am liebsten hier in der Nähe. Ich fühle mich wohl in Landau. Ich mag die Uni, ich kenne die Dozenten und finde Landau einfach sympathisch.

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