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Richtig bewerben: Das Anschreiben

Im Anschreiben überzeugen ohne auszuufern - das will gelernt sein. Doch die Mühe lohnt sich, denn wer im Anschreiben enttäuscht, wird oft früh aussortiert. Foto: Christin Hume

Im Anschreiben überzeugen ohne auszuufern - das will gelernt sein. Doch die Mühe lohnt sich, denn wer im Anschreiben enttäuscht, wird oft früh aussortiert. Foto: Christin Hume

Spannend soll es sein, nicht zu lang, aber trotzdem absolut überzeugend: Ein individuelles und aussagekräftiges Anschreiben zu verfassen, ist die erste große Hürde im Bewerbungsprozess. Nicht selten entscheidet sich schon auf Basis dieses Dokuments, ob ein Bewerber Chancen hat, oder aussortiert wird. In Kooperation mit dem Women Career Center haben wir die wichtigsten Tipps zum perfekten Anschreiben zusammengefasst.

Form

Die Serie

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Da die große Mehrheit der Bewerbungen per E-Mail entgegengenommen wird, wird meist eine PDF-Datei verlangt. Auch hier macht das Anschreiben den Anfang. Es sollte maximal eine Seite lang sein. Personaler haben auch so schon genug zu lesen. Und einem Bewerber, der sich nicht kurzfassen kann, wird keine große Kompetenz im Bereich Kommunikation zugesprochen. Wichtig ist auch, eine seriöse Schriftart (etwa Arial oder Times New Roman) und -größe (11- 12 Pkt.) zu verwenden. Ob der Text als Flatter- oder Blocksatz verfasst wird, ist freigestellt. Beachtet werden sollte jedoch ein einzeiliger Abstand; bei wenig Text ist auch ein 1,5-zeiliger Abstand möglich. Beim Aufbau des Dokuments orientiert man sich am besten an der DIN-Norm 5008 zu Schreib- und Gestaltungsregeln für die Text- und Informationsverarbeitung. Letztere gibt unter anderem vor, wo Informationen auf dem Anschreiben positioniert werden. Zu den Grundbausteinen des Anschreibens gehören zum einen die vollständigen Absenderinformationen (Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse), zum anderen die personalisierten und richtig geschriebenen Empfängerdaten. Ort und Datum müssen rechtsbündig angeordnet sein. Die Betreffzeile sollte konkret sein: Es muss deutlich werden, um welche Stelle sich der Bewerber bemüht. Falls in der Stellenanzeige eine Kennziffer oder Referenznummer erwähnt wird, gehört diese ebenfalls in die Betreffzeile. Abgeschlossen wird der Text mit Grußformel und Unterschrift. Am einfachsten ist es, diese einmal einzuscannen und dann als Bild in das Textdokument einzufügen.

Einleitung

Wenn aus der Stellenanzeige ein Ansprechpartner hervorgeht, sollte sich die Anrede an diese Person richten. In der Einleitung muss ein eindeutiger Bezug zum Stellenangebot hergestellt werden. Dabei spielen die Kompetenzen des Bewerbers und sein persönliches Interesse an der Position eine zentrale Rolle. Mit dem Verweis auf beide Aspekte sollte glaubhaft dargestellt werden, weshalb er der richtige Kandidat für die Stelle ist. Ungut sind Formulierungen wie “Hiermit bewerbe ich mich auf…” – Dass es sich um eine Bewerbung handelt, ist ja offensichtlich. Statt den Leser mit Floskeln zu langweiligen, sollte man in der Einleitung Spannung erzeugen und so sein Interesse wecken.

Hauptteil

Hier stellt der Bewerber die Kompetenzen und Erfahrungen vor, die ihn für die ausgeschriebene Position qualifizieren. Das Eingehen auf Jobs, Praktika und freiwillige Leistungen sollte als Reaktion auf die Anzeige erkennbar sein. Dabei kann es helfen, die Anzeige auszudrucken und die geforderten Aspekte zu unterstreichen. Diese sind in ihrer Wichtigkeit oft gestaffelt und sollten auch entsprechend im Anschreiben reflektiert werden. Es empfiehlt sich, Erfolge nicht einfach nur zu nennen, sondern anschaulich zu schildern, durch welche Leistungen man Kompetenzen erworben hat. So wirkt die Selbstdarstellung überzeugender. Zur Vorbereitung kann es helfen, alle Erfahrungen und die dabei gewonnenen oder vertieften Kenntnisse separat aufzuschreiben. So ergeben sich vielleicht Zusammenhänge, die auf den ersten Blick nicht deutlich waren. Wer etwa im Verkauf gearbeitet hat, hat sich in Punkto Repräsentation und Verantwortung unter Beweis gestellt. Auch die derzeitige Position sollte hier Erwähnung finden, ebenso wie weitere Ziele. Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Chef ist kein nennbarer Grund für eine Umorientierung. Vielmehr sollte es darum gehen, Talente und Kompetenzen einzubringen und Kenntnisse zu erwerben oder weiterzuentwickeln. Der Bewerber stellt heraus, warum gerade das angeschriebene Unternehmen der richtige Arbeitgeber ist und weshalb er dieses unterstützen möchte. Und wenn man nicht allen Anforderungen aus der Stellenanzeige gerecht wird? Mitunter ist eine Bewerbung trotzdem sinnvoll. Fehlende Qualifikationen werden im Anschreiben allerdings nicht thematisiert.

 

Schluss

Ein kurzer Schlussabschnitt widmet sich dem Organisatorischen. Wurde im Anschreiben eine Gehaltsvorstellung gefordert, muss diese im Anschreiben auftauchen. Es ist ratsam, sich über die für eine derartige Position üblichen Gehälter zu informieren. Genannt wird üblicherweise das Bruttojahresgehalt, alternativ ist auch eine Gehaltsspanne denkbar. Auch ein mögliches Eintrittsdatum sollte hier genannt werden, wenn in der Anzeige danach gefragt wird. Abschließend darf hier mit einer Standardformulierung auf das Interesse an einem Vorstellungsgespräch verwiesen werden – allerdings nicht im Konjunktiv. Stattdessen schreibt man heute zum Beispiel ganz einfach: “Ich freue mich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.”

Dieses Anschreiben enthält gute Formulierungen (grün markiert), aber auch einige Fehler (rot markiert).

Dieses Anschreiben enthält gute Formulierungen (grün markiert), aber auch einige Fehler (rot markiert).

Sprachliche Tipps

Rechtschreib- und Grammatikfehler entstellen ein ansonsten gelungenes Anschreiben. Sich bei der Kommasetzung auf das Sprachgefühl zu verlassen, ist keine gute Idee. Stilistisch ist es ratsam, in einem Bewerbungsanschreiben auf Passiv (“ich wurde geschult”) und Konjunktiv (“könnte ich”) zu verzichten. Formulierungen im Aktiv und Indikativ betonen Selbstständigkeit und Eigeninitiative. Das sollte sich auch im sonstigen Umgang mit Sprache widerspiegeln: Komplizierte Schachtelsätze und abgegriffene Formulierungen bringen Personaler zum Gähnen; ein sachlicher, aber kreativ geschriebener Text kann helfen, sich positiv abzuheben. Idealerweise wirkt der Bewerber im Anschreiben selbstsicher, aber nicht überheblich. Ganz wichtig: Das Anschreiben muss jedes Mal neu auf die jeweilige Stellenanzeige zugeschnitten werden. Es fällt auf, wenn nur der Adressat und einzelne Begriffe ausgetauscht werden. Ein Arbeitgeber sollte nicht vor Augen geführt bekommen, dass er nur eine von vielen Anlaufstellen ist. Die Mühe lohnt sich: Ein gelungenes Anschreiben bietet gerade Berufseinsteigern die Chance, positiv hervorzustechen.

Dieser Artikel entstand in freundlicher Kooperation mit dem Women Career Center.

Noch Fragen zum Thema Bewerbung? Das Women Career Center bietet Studentinnen individuelle Beratung zu Bewerbung und Berufseinstieg. So hilft der Profilcheck, Kompetenzen zu erkennen, und beim Bewerbungsmappencheck können die eigenen Unterlagen überprüft werden.
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