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Phänomen der unsichtbaren Hand

Psychologiestudent Max Hiddemann forscht im Rahmen seiner Bachelorarbeit zum spannenden Phänomen der Gummihandillusion. Foto: Jan Lücking Psychologiestudent Max Hiddemann forscht im Rahmen seiner Bachelorarbeit zum spannenden Phänomen der Gummihandillusion. Foto: Jan Lücking

In seiner Bachelorarbeit forscht Max Hiddemann zur Entstehung von Körperwahrnehmung. Mit einem Experiment zum Paradigma der Gummihandillusion geht der Psychologiestudent seinem Forschungsinteresse im Bereich der Neuropsychologie und Biopsychologie nach.

Die Serie: Alle Scheine sind gemacht und das Studium geht in die heiße Phase, die Abschlussarbeit steht vor der Tür. Doch wie organisiert man diese letzte Phase des Studiums? Wie findet man einen Betreuer und das richtige Thema? Und wie schafft man es, in dieser Zeit nicht durchzudrehen?

Wer sind Sie und was studieren Sie?

Mein Name ist Max Hiddemann und ich studiere Psychologie im Bachelor am Campus Landau.

Was ist das Thema Ihrer Abschlussarbeit?

In meiner Bachelorarbeit beschäftige ich mich mit der Entstehung von Körperwahrnehmung und untersuche, welche Prozesse und Mechaniken dahinter stecken. Hierzu erzeuge ich bei meinen Versuchspersonen eine sogenannte Gummihandillusion. Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das entsteht, wenn die Hand der Person durch einen Sichtschirm verdeckt wird und stattdessen eine Gummihand so vor die Person gelegt wird, dass sie zum Körper der Person gehören könnte. Dann werden sowohl die Gummihand als auch die echte Hand der Person stimuliert, meist indem beide Hände vom Versuchsleiter mit Pinseln gestreichelt werden. Unter bestimmten Bedingungen kann in der Versuchsperson der Eindruck entstehen, die Gummihand würde statt der echten, aber nicht sichtbaren Hand zum Körper gehören. Anhand dieses Phänomens möchte ich in meiner Bachelorarbeit die individuelle Fähigkeit zur Wahrnehmung des eigenen Körperinneren, der sogenannten Interozeption, untersuchen. Hierzu verwende ich drei verschiedene Materialien, die sich unterschiedlich angenehm anfühlen, um damit die Versuchspersonen zu streicheln und hoffentlich auch eine Gummihandillusion zu erzeugen.

Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Ich hatte zunächst keine klare Vorstellung, womit sich meine Bachelorarbeit überhaupt befassen soll. Ich wusste lediglich, dass ich gerne ein biopsychologisches Thema bearbeiten würde. Ich sprach mit meinem Betreuer und er legte mir nahe, einen experimentellen Ansatz zu wählen. Begleitend dazu absolvierte ich ein wissenschaftliches Praktikum bei ihm, um ein Gefühl für die Materie zu bekommen und Ideen zu sammeln. Eine der Hauptaufgaben während meiner Praktikumszeit war die Sichtung von Studien zum Thema Gummihandillusionen, um auf Basis der Daten eine Metaanalyse des Vorgehens aller relevanten Studien der letzten Jahre zu diesem Thema zu erstellen. Im Laufe der Arbeit fiel mir auf, dass sich die Studien ähnelten und es meist nur minimale Änderungen im Aufbau oder Ablauf gab. Ich begann, mich immer mehr damit zu beschäftigen, bis ich meine damals noch sehr unausgereifte Idee meinem Betreuer vortrug, der mir dann half, daraus eine spruchreife Hypothese zu entwickeln.

Was sind Ihre Ergebnisse?

Die Erhebung läuft im Moment noch und bis jetzt sind die Ergebnisse leider nicht eindeutig. In der Biopsychologie ist es häufig so, dass die Effekte, die angenommen werden, äußerst gering sind und deshalb eine ausreichend große Stichprobe benötigt wird, über die man allerdings nur selten verfügen kann. Ich rühre zwar weiter fleißig die Werbetrommel, aber wahrscheinlich werde ich keine ausreichend große Stichprobe erhalten. Vielleicht werde ich nachträglich erneut erheben müssen. Davor hat mich mein Betreuer gewarnt und ich habe mich darauf eingestellt.

Welche Tipps geben Sie Studierenden, die auf der Suche nach einem passenden Thema sind?

Mir hat das Praktikum im biopsychologischen Fachbereich sehr geholfen, einen Überblick zu bekommen, was alles möglich ist und ob ich in diesem Bereich meine Abschlussarbeit schreiben möchte. Viele Betreuer haben selbst Themenvorschläge und es ist nie verkehrt, sich davon inspirieren zu lassen. Man sollte sich aber auch nicht davor scheuen, vielleicht einer ungewöhnlichen Ideen nachzugehen, solange sie sich in vernünftigem Maße realisieren lässt. Die Rücksprache mit meinem Betreuer fand ich immer hilfreich. Er konnte mich oft auf den Boden der Tatsachen zurückholen, wenn meine Ideen zu waghalsig wurden. Allgemein würde ich sagen, dass man die Augen offen halten und nicht sofort alles verwerfen sollte, weil es auf den ersten Blick nicht attraktiv erscheint. Oft eröffnet sich ein Thema erst nach einiger Zeit. Außerdem kann der Austausch mit Kommilitonen sehr hilfreich sein.

Nach welchen Kriterien haben Sie den Betreuer Ihrer Abschlussarbeit ausgesucht?

Ich habe mich über ihn und seinen Fachbereich informiert und dann einen Termin für ein Gespräch mit ausgemacht, um meine Ideen vorzutragen und ihn kennen zu lernen. Mein Betreuer hat selbst schon viel in dem Gebiet geforscht und zahlreiche Artikel veröffentlicht. Er ist ein sehr freundlicher Mensch und die Kommunikation mit ihm lief locker und ungezwungen ab, was vor allem in der Findungsphase äußerst hilfreich war.

In der Bibliothek, im Café oder Zuhause: Wo schreiben Sie am liebsten?

Ich schreibe nur Zuhause, in dieser Beziehung bin ich ein Einsiedler. Wenn Menschen um mich herum sind, selbst in der Bibliothek, kann ich mich schlechter konzentrieren. Vor allem muss man in der Bibliothek aufpassen, die anderen nicht zu stören, und wenn ich mir frustriert die Haare raufe, möchte ich nicht, dass andere mich dabei sehen. Außerdem kann ich Zuhause flexibler arbeiten, ich habe keine Öffnungszeiten, auf die ich achtgeben muss und kann auch mal eine Nacht durcharbeiten, ohne rausgeworfen zu werden. Da ich neben dem Studium arbeite, kommt es häufig vor, dass ich bis spät abends schreibe. Das geht in der eigenen Wohnung am einfachsten. Außerdem muss ich dann nicht meinen sperrigen alten Laptop mitschleppen.

Wie organisieren Sie ihren Arbeitsablauf?

Am Anfang habe ich ein grobes Skript angelegt, das eine ungefähre Reihenfolge enthielt, was wann erledigt werden muss, was für meine Bachelorarbeit notwendig ist, welche Schwerpunkte ich setze, was recherchiert werden muss und so weiter. Mein Betreuer riet mir, einen Zeitplan zu erstellen und alle wesentlichen Elemente zu strukturieren, um den Überblick zu behalten. Anschließend habe ich angefangen, einzelne Arbeitspakete zu erstellen und abzuarbeiten. Ein ziemlich großer Block war zum Beispiel „Recherche“, den ich zunächst in Unterkategorien unterteilt habe. Mit Hilfe dieser Kategorien habe ich meine Suche nach Quellen organisiert und meine Notizen geordnet. Meine Notizen zu den einzelnen Quellen habe ich in Form von Halbsätzen verfasst, die ich ohne aufwendige Änderungen in meine Arbeit übernehmen konnte. Das Skript habe ich nebenbei immer wieder aktualisiert, sodass es stets den Stand meiner Arbeit wiedergab. Für meine Quellen habe ich hauptsächlich Zotero verwendet und für die Kommunikation mit meinem Betreuer Basecamp, da diese Seite extra für des Erstellen von Arbeiten und der Koordination von Aufgaben konzipiert wurde.

Was unternehmen Sie zum Ausgleich zur wissenschaftlichen Arbeit?

Ich denke, es ist wichtig, sich nicht in seiner Arbeit zu verlieren und nur noch an die Aufgaben zu denken, die noch vor einem liegen. Es kann schnell passieren, dass man jeden wachen Moment über ein Problem, eine Formulierung oder ein Detail, was noch überprüft werden muss, nachgrübelt. Auf lange Sicht schadet man sich damit nur selbst und darunter leidet nicht nur die Arbeit, sondern auch die psychische und körperliche Gesundheit. Ich treffe mich regelmäßig mit Freunden und gehe oft spazieren. Alles, was mich aus dem Haus lockt und von meinen Aufgaben ablenkt, ist gut. Auch Filme schauen, lesen oder ein bisschen zocken entspannt mich. Aber am wichtigsten ist es, unter Menschen zu kommen, raus aus der Wohnung. Ich betreibe Kraftsport und nach einem langen Tag am Schreibtisch gibt es nichts Besseres, als den Stress im Kraftraum los zu werden. Man sollte sich daran zu erinnern, dass das Leben nicht nur aus der Bachelorarbeit besteht.

Schreibblockaden, Krisen, Selbstzweifel: Kennen Sie das? Was machen Sie in solchen Momenten?

Wann immer man sich länger mit einer schwierigen und anstrengenden Aufgabe beschäftigt, kommt man an einen Punkt, an dem die Frustration überhandnimmt und man den Laptop am liebsten aus dem Fenster werfen würde. Ich versuche dann, ruhig zu bleiben und nehme mich für ein paar Minuten aus der Situation. Ich gehe in die Küche, mache mir einen Tee, surfe im Internet oder mache Entspannungsübungen. Wenn es dann immer noch nicht besser ist, lasse ich die Dinge ruhen und versuche es später erneut. Meist erledigen sich die Probleme von allein.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach dem Abschluss? Wissen Sie schon, was Sie beruflich machen möchten?

Nach meinem Bachelor will ich meinen Master hier in Landau machen und danach eine Ausbildung zum Neuropsychologen beginnen. Durch meine Bachelorarbeit habe ich gemerkt, wie sehr mich dieser Bereich der Psychologie fasziniert.

Interview: Jan Lücking

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