Start up: Gründergeschichten
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Optimierte Wasserqualität durch Sensorsysteme

Erfolgreich dank Start-Up: Sebastian Geißler (29), Doktor Andreas Mäck (36) und sein Bruder Florian Mäck (32) in ihrem Landauer Büro. Fotos: Leyerer Erfolgreich dank Start-Up: Sebastian Geißler (29), Doktor Andreas Mäck (36) und sein Bruder Florian Mäck (32) in ihrem Landauer Büro. Fotos: Leyerer

Wenn in einer Fischzucht die Pumpe ausfällt, bleibt nur wenig Zeit zu Handeln. Bekommen die Fische zu wenig Sauerstoff, sterben sie. Die Firma Senect von Diplom-Ingenieur Sebastian Geißler (29), Florian Mäck (32) und seinem Bruder Doktor Andreas Mäck (36) hat sich auf Steuersysteme spezialisiert, die verschiedene Wasserparameter messen, überwachen und regeln. Zwei der drei lernten sich in der Arbeitsgruppe Umweltphysik am Campus Landau kennen und wagten mit ihrem Know-how den Weg in die Selbstständigkeit.

Die Idee zur eigenen Firmengründung entstand ganz zufällig. Sebastian Geißler erinnert sich, wie sie auf den Einfall kamen: „Ein damaliger Unifreund hat sich über die bestehende Steuerungstechnik beschwert und gemeint, sie sei nicht innovativ. Wir haben den Markt durchleuchtet und gesehen, dass wir ein Produkt entwickeln können, dass es bisher noch nicht gibt.“ Dies war die initiale Zündung. 2013 schlossen sich die ehemaligen Kollegen der Arbeitsgruppe Umweltphysik am Campus Landau für ihr Start-up zusammen. Seitdem bieten sie Steuerungssysteme an, die Kontroll- und Regelmechanismen ausführen, mit denen die Wasserqualität überwacht und geregelt werden kann.

Ein Steuerkasten, viele Funktionen: Die Gründer von SENECT wissen, wie gute Wasserqualität aufrecht erhalten wird. Foto: Leyerer

Ein Steuerungskasten, viele Funktionen: Die Gründer von SENECT wissen, wie gute Wasserqualität aufrecht erhalten wird. Fotos: Lisa Leyerer

Zunächst arbeiteten die Gründer nur nebenher für Senect, seit vergangenem Jahr sind sie aber in Vollzeit für ihre Firma im Einsatz. „Wir sind gleichberechtigte Geschäftsführer und ergänzen uns hervorragend“, erzählt Geißler. Die Entwickler kommen aus unterschiedlichen Disziplinen und teilen sich die anfallenden Unternehmensaufgaben auf: Florian Mäck ist für die Hard- und Softwareentwicklung zuständig, Dr. Andreas Mäck kümmert sich um Marktrecherche, Produktkonzeption sowie Einkauf und Marketing und Sebastian Geißler ist für Kaufmännisches, Konstruktion und Gehäusetechnik verantwortlich.

Weltweit erfolgreich

Ihr Produkt war zunächst nur für die Teichtechnik gedacht, doch die Gründer merkten schnell, dass ihre Technologie in der professionellen Aquakultur-Industrie mithalten kann. „Wir haben den Funktionsumfang der anfänglichen Filtersteuerung so erweitert, dass man damit jetzt viele Funktionen für die industrielle Verwendung nutzen kann“, erklärt Geißler.

Präzision zählt: Florian Mäck arbeitet am Mikroskop an der Entwicklung von Prototypen. Foto: Leyerer

Präzision zählt: Florian Mäck arbeitet am Mikroskop an der Entwicklung von Prototypen.

Zu ihren Kunden aus der ganzen Welt gehören neben den Endverbrauchern wissenschaftliche Institute, aber auch führende Koi-Züchter aus Japan. Umweltphysiker Dr. Mäck erklärt, wieso ihre Produkte so nützlich sind: „In einem Koi-Teich hat man viele Fische und relativ wenig Wasser. Auch in der Fischzucht gibt es viele Tiere auf relativ kleinem Raum. Es muss dafür gesorgt werden, dass die Wasserqualität gut bleibt.“ Dafür müsse man zunächst Partikel wie Futterreste, Kot und sonstige Verschmutzungen aus dem Wasser holen. „Das machen normalerweise Partikelfilter, die wiederum eine Steuerungseinheit benötigen, die anzeigt, wann das Filtergewebe verschmutzt ist.“ Die Steuerungssysteme von Senect registrieren Verschmutzungen mittels Sensoren und lösen die automatische Reinigung aus. „Der Unterschied zu vielen anderen Steuerungssystemen ist der, dass wir ein bisschen mehr High-Tech einsetzen. Wir schauen nicht nur, ist Wasser da oder nicht, das ist das herkömmliche Prinzip, sondern wir wissen ganz genau, wie viel Wasser wo ist. Das ermöglicht einen reibungslosen Betrieb, weil wir Störgrößen eliminieren können.“

Das Alleinstellungsmerkmal sei die Kombination aus Überwachung und Regelung, die in einer Steuereinheit vereint werde. Normalerweise brauche man für jede Funktion eine eigene Steuerung, doch die Tüftler von Senect vereinen alles in einer Steuerungseinheit. „Wir machen die Bedienung auch für Menschen möglich, die keine Programmierer und Elektriker sind“, findet Dr. Mäck. Durch ihre modernen Messungen sei es nun auch möglich, Informationen über die Wasserqualität zu verknüpfen, abzurufen und daraus einen ressourcensparenden Betrieb zu ermöglichen. Zum Beispiel indem bei niedrigen Sauerstoffgehalten die automatische Fütterung aussetzt.

Mit Soft- und Hardware kennt sich Florian Mäck bestens aus. Foto: Leyerer

Mit Soft- und Hardware kennt sich Florian Mäck bestens aus.

Messung von Gasemissionen in Gewässern ermöglichen

Ein weiteres innovatives Produkt der Gründer ist die „Automated Bubble Trap“, ein Gasblasenmessgerät, durch das erstmalig eine kontinuierliche Messung der Gasblasenrate von Gewässern möglich ist. Dieses Messgerät wurde speziell für die Forschung entwickelt: Weil aus Gewässern das Treibhausgas Methan aufsteigt, müssen Wissenschaftler die Gasmengen quantifizieren. Für eine kontinuierliche Messung über Monate hinweg gab es bislang keine geeigneten Messverfahren. Das Gerät von Senect kann jedoch durch Sensoren bestimmen, wie viele Gasblasen pro Zeiteinheit aufsteigen. „Man kann viele Messungen hochrechnen und Modelle korrigieren. Das Produkt wird zum Beispiel in diesem Jahr in brasilianischen Stauseen eingesetzt, mit denen Wasserkraft produziert wird. Die Energie aus Wasserkraft verursacht aber eigentlich mehr Treibhausemissionen, als wenn man dort ein vergleichbar großes Kohlekraftwerk hinstellen würde“, meint Mäck, der zum Thema Methanemissionen in Gewässern promoviert hat. Das Problem der Gasemissionen trete besonders in Flüssen auf, in denen es Staudämme gibt, weiß der Experte.

Dr. Andreas Mäck tüftelt an einem Prototypen. Foto: Leyerer

Dr. Andreas Mäck bei der Montage der Sensoreinheit einer “Automated Bubble Trap”.

Höhen und Tiefen

Die Gründung war für die drei jungen Männer mit vielen Höhen und Tiefen verbunden: Anfangs wollten sie sich mit dem Gasblasenmessgerät statt mit den Steuerungssystemen selbstständig machen. Über das Gründungsbüro Landau bewarben sie sich damit zunächst für das Stipendium „EXIST Forschungstransfer“, das Existenzgründungen aus der Wissenschaft unterstützt. „Wir sind mit der Bewerbung für das Stipendium gescheitert, weil wir nicht ins Modell gepasst haben. Das war zunächst ein herber Rückschlag“, erzählt Dr. Mäck. Als die Absage kam, merkten die Gründer, dass der Methansensor einen fraglichen Absatz gehabt hätte. Erst mit der zweiten Idee der Steuerungssysteme hatten die jungen Unternehmer Erfolg. Sie entschieden sich für eine Fremdfinanzierung bei einer Bank und gegen ein Investorenkonzept, bei dem sie auch einen Teil des Mitspracherechts hätten abgeben müssen. „Wir sind sehr blauäugig rangegangen und dachten, wir entwickeln uns wesentlich schneller. Nach einem halben Jahr ist uns das Geld ausgegangen. Dann stand die Entscheidung an: Hinschmeißen oder Weitermachen“, blickt Geißler zurück. Doch die Gründer glaubten an ihre Ideen und machten bereits im ersten Jahr Gewinne.

In der Gründungsphase wohnten Dr. Mäck und Geißler noch zusammen in einer Wohngemeinschaft. „Mit Freunden gründen ist vielleicht schwieriger als mit Fremden, weil man manchmal auf falscher Ebene kommuniziert und nicht sachlich Privates von Geschäftlichem trennt“, findet Geißler. Heute wohnen die Freunde getrennt und haben gelernt, das Berufliche nach Feierabend nicht mit nach Hause zu nehmen.

Sebastian Geißler zeigt wie der Sensor um ein Vielfaches vergößert aussieht. Foto: Leyerer

Sebastian Geißler zeigt ein 3D-CAD Modell eines selbst entwickelten Beschleunigungs-Datenloggers.

Alles genau so wieder – trotz Startschwierigkeiten

Fragt man die Gründer heute nach ihrem Anfang, würden sie alles genau so noch einmal machen – trotz aller Startschwierigkeiten „Zwischenzeitlich konnten wir uns die Miete für die Büroräume nicht mehr leisten und haben von der WG aus gearbeitet. Es war schlimm, wenn Firmenvertreter unangekündigt vor unserer Tür standen und wir nicht aufgeräumt hatten.“ Für die Zukunft wünschen sich die Geschäftsführer, dass ihre Technik zum „State of the art“ wird, eine nachhaltige Firma, von der sie gut leben können. „Wenn man selbstständig ist, hört die Arbeit nicht auf. Aber für uns war es das richtige Konzept. Wir arbeiten frei, viel und gerne“, berichtet Geißler.

Zurzeit sind die Gründer Partner in einem Forschungsprojekt, bei dem auch die Universität beteiligt ist. Dabei geht es darum, in einer Machbarkeitsstudie zu untersuchen, ob sich die Fischarten Bodenseefelchen und Edelkrebse zusammen züchten lassen und ob es positive Synergieeffekte gibt. „Es gibt stark rückläufige Bestände der Fellchen im Bodensee, wir versuchen dafür Lösungen zu finden. Senect ist in diesem Projekt Technikpartner und wir werden eine Anlage aufbauen, in der die Tests stattfinden können.”

Weitere Informationen zum Unternehmen gibt es unter www.senect.de

Katharina Greb

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