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Ohne Abitur in den Hörsaal

Jan-Nicklas Stollberg hat eine abgeschlossene Schreinerausbildung. Seit Oktober 2016 studiert er am Campus Koblenz und möchte Berufsschullehrer werden. Foto: Greta Rettler

Jan-Nicklas Stollberg hat eine abgeschlossene Schreinerausbildung. Seit Oktober 2016 studiert er am Campus Koblenz und möchte Berufsschullehrer werden. Foto: Greta Rettler

Studieren ohne Abitur ? Seit 2014 geht das in allen deutschen Bundesländern, auch an der Universität Koblenz-Landau. Das Projekt Ressourcen² des KSB unterstützt und fördert alternative Wege zum Hochschulstudium, etwa über eine berufliche Qualifizierung als Meister oder einen Fachschulabschluss. Einer dieser Studierenden ist der 24-jährige Jan-Nicklas Stollberg, der seit letztem Wintersemester am Campus Koblenz Berufsschullehramt studiert. Im Gespräch mit Uniblog berichtet der Schreinermeister wie es ist, von der Werkstatt in den Hörsaal zu wechseln.

Sie sind von der Werkstatt in den Hörsaal gewechselt. Was war Ihre Motivation?

Angefangen hat alles nach dem Realschulabschluss mit meiner Ausbildung als Schreiner. Da ich mich gerne weiterbilden wollte, habe ich nach zwei Jahren als Geselle meine Fortbildung zum Meister gemacht. Anschließend wurde ich Werkstattleiter und habe während dieser Zeit Auszubildende betreut und angeleitet. Das Weitergeben und Vermitteln von Wissen hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe mich nach Alternativen in diesem Bereich umgeschaut. Nach einem Praktikum an der Schule war mir klar: Ich werde Berufsschullehrer.

Warum haben Sie sich für die Uni Koblenz-Landau entschieden?

Ich habe verschiedene Angebote von Universitäten abgewogen, aber Koblenz war für mich die beste Option: Ich bin nicht zu weit von meinem Heimatort entfernt und es wird Holztechnik angeboten, was perfekt zu meinen Vorkenntnissen und Interessen passt.

Diese Vorkenntnisse kommen Ihnen jetzt zugute?

An manchen Stellen ja, vor allem im Bereich Holz- und Baustoffkunde und bei der visuellen Betrachtung von Objekten. Durch meine praktischen Erfahrungen kann ich mir vieles besser vorstellen. Auch einige Dinge im Bereich Bildungswissenschaften und Didaktik habe ich während der Ausbildung zum Meister schon gehört.

Es gibt doch sicherlich auch die ein oder andere Schwierigkeit?

Ja, problematisch ist vor allem mein zweites Fach Mathematik. Ich hatte es damals nur bis zur 10. Klasse und mir fehlten einige, jetzt essenzielle Kenntnisse. Glücklicherweise bietet das Kompetenzzentrum für Studium und Beruf aber Vorkurse an, sodass ich meine Lücken schließen konnte.

Wie ist das, plötzlich kein Geld mehr zu verdienen?

Das war wirklich eine große Umstellung, gerade weil ich vorher regelmäßig und recht gut verdient habe. Aber ich bin da anpassungsfähig und habe mich daran gewöhnt. Trotzdem arbeite ich in jeder freien Woche zwischen den Semestern und manchmal auch am Wochenende in meinem alten Betrieb. Das füllt die Kasse und ist eine gute Abwechslung zum Studienalltag.

Fehlt Ihnen die Arbeit mit den Händen?

Also tatsächlich muss ich sagen, dass mir das am Anfang sehr schwer viel. Aber da ich meine Meisterfortbildung auch in Vollzeit gemacht habe, bin ich an das ausschließlich theoretische Lernen gewöhnt. Und wenn ich mal einen Ausgleich brauche, gehe ich eine Runde an der Mosel laufen.

Das heißt Sie, wohnen jetzt auch in Koblenz. Was schätzten Sie an dem Standort?

Ich komme eigentlich aus Wetzlar in Hessen und bin für das Studium nach Koblenz gezogen. Der Campus ist sehr übersichtlich und es ist dadurch einfach, Anschluss zu finden oder Lerngruppen zu bilden. Ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung.

Hannah Wagner

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