Promovierende im Interview
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Internationales Krisenmanagement im Ukraine-Konflikt

Wer rastet, der rostet: Während seine Söhne studieren, strebt Arnold Teicht seine Promotion in Politikwissenschaft an. Foto: Philipp Sittinger Wer rastet, der rostet: Während seine Söhne studieren, strebt Arnold Teicht seine Promotion in Politikwissenschaft an. Foto: Philipp Sittinger

Arnold Teicht ist 64 Jahre alt, ehemaliger Berufssoldat, studierter Pädagoge und promoviert an der Uni in Koblenz über den seit 2013 schwelenden Ukraine-Konflikt. Dazu untersucht er die Strategien zur Konfliktbewältigung internationaler Sicherheitsorganisationen. Seine Diplomarbeit tippte Teicht noch mit der Schreibmaschine. Heute schätzt er die modernen technischen Möglichkeiten, um an seiner Doktorarbeit zu schreiben.

Die Serie: Sie forschen, organisieren Tagungen oder schreiben Fachartikel: In unserer Serie “Forschung vorgestellt” berichten wir über Promovierende und ihre Forschung an unserer Universität. Und fragen: Was ist ihr Thema? Was sind ihre Leidenschaften? Wieso haben sie sich für eine Promotion entschieden? Wie organisieren sie ihr Arbeitspensum?

Bitte beschreiben Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen.

Meine Dissertation trägt den Titel: “Internationales Krisenmanagement am Beispiel der Ukraine”. Dabei untersuche ich zunächst die Rahmenbedingungen, die zur Krise in der Ukraine geführt haben. Ich betrachte neben den Konfliktparteien auch die geografischen, historischen und politischen Besonderheiten des Landes. Sobald ich ein Gesamtverständnis erlangt habe, komme ich zum nächsten Schritt: Wie gehen internationale Organisationen mit dem Konflikt um? Welche sicherheitspolitischen Maßnahmen werden getroffen? Konkret beziehe ich mich bei meinen Untersuchungen auf die Europäische Union, die NATO und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa – kurz OSZE. Diese Analyse wird anschließend politikwissenschaftlich und theoretisch untermauert.

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Es reizt mich, der Komplexität des Ukraine-Konflikts tiefer auf den Grund zu gehen. Abgesehen davon arbeitete ich vor meiner Pensionierung sechs Jahren am Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik. Hier leitete ich Lehrgänge und Seminare, die von jungen Diplomaten aus aller Welt besucht wurden. Im Gespräch mit den Teilnehmern habe ich auch den Ukraine-Konflikt quasi hautnah nach- und miterleben können.

Wie funktioniert das Krisenmanagement im Ukraine-Konflikt?

Beim Krisenmanagement im Ukraine-Konflikt sind sehr viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen beteiligt. Es geht hier auch um die Gestaltung eines nachhaltigen Prozesses der innen- und außenpolitischen Transformation. Dabei muss man immer im Blick behalten, dass es sich bei der Ukraine um einen souveränen Staat handelt, der die vollständige Verantwortung für den gesamten Umfang der erforderlichen Veränderungsprozesse und Maßnahmen im Rahmen der Krisenbewältigung zu tragen und gegenüber der Bevölkerung zu vertreten hat.

Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden?

Internationales Krisenmanagement beschäftigt mich schon lange. Auch während meiner aktiven Zeit als Berufssoldat. Ich leite immer noch Seminare an der Führungsakademie der Bundeswehr zu diesem Thema. Jetzt kam der Wille hinzu, tiefer in die Materie einzusteigen und wissenschaftlich aufzuarbeiten. Ich möchte mich intellektuell weiterbilden und fordern. Vor allem, weil ich zwei Söhne habe, die momentan studieren. Ich möchte schließlich mit den Beiden mithalten können.

Hatten Sie Schwierigkeiten, sich an der Universität einzuleben?

Nein, absolut nicht. Ich bin großartig aufgenommen worden. Am Institut und auch bei Veranstaltungen der Universität gibt es überhaupt keine Vorbehalte bezüglich meines Alters. An dieser Stelle möchte ich einen besonderen Dank an Professor Dr. Siegmar Schmidt und seine Mitarbeiterin Julia Renner aussprechen. Sie begleiten meine Forschung und sind stets sehr hilfsbereit.

Wie wird Ihre Promotion finanziert?

Ich finanziere meine Promotion aus eigener Tasche. Betreut werde ich von der Abteilung Politikwissenschaft des Institutes für Sozialwissenschaften.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits neben der
Promotion?

Wie bereits erwähnt leite ich Seminare zur internationalen Außen- und Sicherheitspolitik. Zusätzlich nutze ich die Angebote des Interdisziplinären Promotionszentrums. Dafür bin ich sehr dankbar, da ich so meine Kenntnisse zum wissenschaftliches Arbeiten wieder auffrischen kann. 1978 habe ich ein Diplom der Erziehungswissenschaft in Psychologie, Soziologie und Geschichte abgeschlossen.

Wie kam es, dass Sie sich als Diplom-Pädagoge für den Beruf des Soldaten entschieden?

Es war genau anders herum. Ich habe mich nach dem Abitur für zwölf Jahre für die Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr verpflichtet. Etwa zeitgleich wurden die Universitäten der Bundeswehr in München und Hamburg mit dem Ziel aus der Taufe gehoben, den Beruf des Offiziers attraktiver zu gestalten. Ich bin dann ins Studium „hineingestolpert“ und habe es erfolgreich abgeschlossen.

Was sind Ihre beruflichen Pläne für die Zukunft?

Weitermachen wie bisher und vielleicht meinen derzeitigen Aufgabenbereich an der Führungsakademie der Bundeswehr noch erweitern. Theoretisch könnte ich mir auch vorstellen, an einer Universität zu arbeiten.

Was sollten Studierende mitbringen, die an eine Promotion denken?

Ich denke, man sollte viel Zeit mitbringen. Ein gewisses Maß an Kontinuität ist wichtig. Das habe ich kürzlich selbst gemerkt. Nach einer Rückenoperation und dem Tod eines Familienmitglieds habe ich mich etwa acht Wochen nicht mit meiner Dissertation auseinandergesetzt. Bis ich wieder in die Thematik gefunden hatte, war viel Zeit vergangen. Abgesehen davon halte ich es für wichtig, den Kontakt zu den Menschen zu pflegen, die sich im Alltag mit meinem Forschungsgebiet beschäftigen. Man sollte sich ein inhaltliches Netzwerk aufbauen.

Was unternehmen Sie, um sich zusätzlich zu qualifizieren?

Indem ich Veranstaltungen der Universität besuche, versuche ich, Anregungen für meine Forschung zu sammeln. Außerdem habe ich mir mit Citavi, einem Programm zur Literaturverwaltung, das nötige Handwerkszeug angeeignet, um überall an meiner Dissertation arbeiten zu können. Meine Diplomarbeit habe ich noch an der Schreibmaschine getippt. Tipp-Ex, Schere und Kleber waren überlebenswichtig. Heute begeistern mich begeitern die Möglichkeiten moderner Technik.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf?

Tägliches Arbeiten ist mir wichtig. Dabei folge ich keinem konkreten Zeitplan. Ich habe thematische Blöcke, die ich nach und nach erledige. Das Ganze funktioniert sogar ohne, dass ich mich stresse. Dafür macht mir die Weiterbildung zu großen Spaß. Als Ausgleich zur Arbeit treibe ich regelmäßig Sport. Egal ob Radfahren, Gymnastik oder Schwimmen. Hauptsache ich bewege mich. An besonders schönen Tagen darf es auch mal eine Spritztour auf dem Motorrad sein.

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