Start up: Gründergeschichten
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Imkerglück: Den Honig im Blut

Ein eigens kreiertes Logo in Wabenform ziert die Produkte von Imkerglück. Die Beutel werden in der Imkerei befüllt, verschweißt und von Hand etikettiert. Fotos: Philipp Sittinger

Ein eigens kreiertes Logo in Wabenform ziert die Produkte von Imkerglück. Die Beutel werden in der Imkerei befüllt, verschweißt und von Hand etikettiert. Fotos: Philipp Sittinger

Fließendes Gold, Cremige Perle und Edler Bernstein – so heißen die Honigsorten von Imkerglück. Nicht nur Name und Geschmack des Honigs überzeugen, sondern auch die smarte Verpackung: Honig aus dem Beutel. Dahinter steckt ein innovatives Konzept, mit dem Lisa Hoffmann und ihr Freund Fabian Rink den Verkauf der Produkte aus der Familienimkerei nachhaltiger gestalten wollen.

Ihre Leidenschaft für die Bienen wurde Lisa Hoffmann in die Wiege gelegt: Seit über 30 Jahren imkert ihr Vater in Klingenmünster und verkauft seinen Honig in der Region um die Südliche Weinstraße. Der Verkauf läuft gut, der selbstgemachte Honig erfreut sich großer Beliebtheit. Einziges Problem: Die Touristen nehmen ein Glas aus der Pfalz mit nach Hause, der Kauf von Nachschub gestaltet sich jedoch schwierig, denn der Versand der Honiggläser ist teuer und aufwendig. Während Hoffmann und ihr Freund Fabian Rink den Vater dabei unterstützen, zusätzlich zum regionalen Verkauf einen Online-Shop einzurichten, kommt ihnen im April 2017 eine Idee, wie sie den Versand für Kunden und Imkerei günstiger gestalten können: Der Honig soll in Beuteln verschickt werden. Im August vergangenen Jahres melden sie ihr eigenes Gewerbe an und gründen Imkerglück.

Nachhaltiger Honigversand

Die Serie

Start-Up. Foto: Diego PH/UnsplashVom eigenen Konzept zum eigenen Unternehmen – In unseren Gründergeschichten stellen wir Studierende und Absolventen vor, die den Schritt in die Selbständigkeit gewagt haben.

Der Gedanke des ökologischen Fußabdrucks spielt bei Imkerglück eine große Rolle: “Es war am Anfang nicht leicht, unsere Idee in die Tat umzusetzen”, erzählt Hoffmann. “Ich habe endlose Telefonate geführt, bis wir einen Hersteller gefunden haben, der uns nicht zur Abnahme von 20.000 Beuteln verpflichtet hat. Wir haben versucht, kompostierbare Beutel zu kriegen, bis wir herausgefunden haben, dass der Honig diese Tüten leider zersetzen würde. Nach Stand der aktuellen Forschung kommen wir um einen Plastiküberzug leider nicht herum. Trotzdem sind unsere recycelbaren Plastikbeutel im Versand umweltfreundlicher als die großen Honiggläser, da sie in jeden Briefkasten passen.” Den Honig kann man sich zu Hause in ein eigenes Glas umfüllen. “Wir wollten es uns nicht nehmen lassen, auch ein Imkerglück-Glas anzubieten, das man immer wieder füllen kann. Die Gravur im Holzdeckel macht es zu einem besonderen Schmuckstück”, erzählt die 25-Jährige.

Im Urlaub kam Hoffmann und ihrem Freund Fabian Rink die Idee zu Imkerglück. Während sie mit den Bienen aufgewachsen ist, musste er sich erst langsam an die Insekten gewöhnen.

Im Urlaub hatten Hoffmann und ihr Freund Fabian Rink die Idee zu Imkerglück. Während sie mit den Bienen aufgewachsen ist, musste er sich erst langsam an die Insekten gewöhnen.

Hoffmanns Lieblingshonig ist die Pfälzer Edelkastanie, typischer Honig-Geschmack mit herber Note. Produkte aus dem Supermarkt mag sie gar nicht mehr.

Hoffmanns Lieblingshonig ist die Pfälzer Edelkastanie, typischer Honig-Geschmack mit herber Note.

Schon während des Studiums interessierte sich Hoffmann für Unternehmensgründung und nahm regelmäßig an Veranstaltungen des Gründungsbüros am Campus Landau teil. Dass aus der Präsentation eines Konzepts auf Papier so schnell ihr eigenes Start-up werden würde, hätte sie nicht für möglich gehalten. Seit Februar hat sie ihren Zwei-Fach-Bachelor in Betriebspädagogik und Wirtschaftswissenschaften in der Tasche und arbeitet hauptberuflich im Marketing. Die Entwicklung ihres Start-ups und den Honig-Versand bewerkstelligen die beiden Gründer abends und am Wochenende. Während IT-Consultant Rink sein Know-How in den Aufbau und die Weiterentwicklung des Online-Shops steckt, bringt Hoffmann ihre Erfahrungen aus dem Online-Marketing ein. Sie kümmert sich um Kundenkommunikation, Bestellungen und die Öffentlichkeitsarbeit mit regionalen Medien. Bevor ihre Website an den Start ging, schrieb sie Texte und setzte ihre Honigbeutel bei Fotoshootings am Bienenstock in Szene. “Man beschäftigt sich plötzlich mit Dingen, mit denen man vorher nie zu tun hatte – mit Produktionsabläufen, Patenten und Urheberrechten”, erinnert sich Hoffmann. Was die beiden schnell verstanden haben: Aus Fehlern lernt man und Rückschläge gehören zum Gründungsprozess dazu. “Man kann nicht alles planen und es gibt Dinge, auf die kann man sich nicht vorbereiten. Aber man lernt kontinuierlich dazu.”

Lisa Hoffmanns Vater imkert nebenberuflich. 50.000 Honigbienen zählt das Bienenvolk in Klingenmünster. Jede einzelne leistet ihren Beitrag für Flora und Fauna.

Lisa Hoffmanns Vater imkert nebenberuflich. 50.000 Honigbienen zählt das Bienenvolk in Klingenmünster. Jede einzelne leistet ihren Beitrag für Flora und Fauna.

Schon zum Zeitpunkt der Gründung wussten die beiden, dass ihr Konzept nicht für den Verkauf von Massenware gedacht ist. “Honig ist ein natürliches Lebensmittel, dessen Produktion wir nicht künstlich überstrapazieren wollen. Es ist toll, mit Imkerglück etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, aber wir wollen nicht ausschließlich von unserem Online-Shop leben”, erklärt Hoffmann. Das widerspreche ihrer Idee von nachhaltig orientierter Handarbeit. Mit ihrem Start-up möchten die Jungunternehmer deshalb auch über die heilsamen Kräfte des natürlichen Lebensmittels und die Bedeutung der Bienen für ein intaktes Ökosystem aufklären: “Wir wünschen uns, dass die Menschen wieder ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie wertvoll die kleinen Bienen sind und welchen Beitrag sie zu unserem Leben leisten.” Die schwarz-gelben Insekten bestäuben die Blüten aller Pflanzen. Ohne Sie würden weder Obst und Gemüse wachsen, noch gäbe es blühende Blumenwiesen. Um bekannter zu werden, arbeiten die Gründer kontinuierlich an ihrer Reichweite und pflegen den Kundenkontakt per Social Media. Der Aufbau eines festen Kundenstamms sei eine besondere Herausforderung für die Beiden. Inzwischen vertreiben sie ihren Honig auch in kleinen Geschenkgläsern in regionalen Läden und verbringen die Wochenenden auf Messen, Märkten und Veranstaltungen. “Das ist zwar zeitintensiv, aber gleichzeitig ist es auch die schönste Erfahrung, unsere Kunden persönlich kennenzulernen”, schwärmt Hoffmann.

Nina Seel

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