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Im Land der 1000 Hügel: Exkursion nach Ruanda

Miriam Bahrdt und ihre Kommilitonen reisten im Rahmen eines Seminars nach Zentralafrika. In Ruanda trafen sie auf eine vielfältige Landschaft und Kultur. Fotos: Privat

Miriam Bahrdt und ihre Kommilitonen reisten im Rahmen eines Seminars nach Zentralafrika. In Ruanda trafen sie auf eine vielfältige Landschaft und Kultur. Fotos: Privat

Miriam Bahrdt und einige ihrer Kommilitonen der Fächer Anglistik und Romanistik reisten im Rahmen des Seminars „Multilingualismus in Afrika“ nach Zentralafrika. Hier lernten sie nicht nur die sprachliche, sondern auch die kulturelle und landschaftliche Vielfalt Ruandas kennen.

Um 5:30 Uhr an einem Montagmorgen machten wir uns mit schweren Koffern auf den Weg zum Schalter am Frankfurter Flughafen. Begleitet wurden wir von Professor Dr. Martin Pütz, Neele Mundt (beide Anglistik) und Kathrin Franz (Romanistik), sowie von Siegmar Seidel, dem geschäftsführenden Leiter des Ruanda-Zentrums und Büro für Afrika-Kooperationen der Universität.

Und tschüss… !

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Anders als gedacht…

Es ist bereits dunkel, als wir am Flughafen der Hauptstadt Kigali ankommen. Das Land grenzt an die Nachbarstaaten Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Uganda und Tansania und wird wegen seiner einzigartigen Landschaft auch “Land der 1000 Hügel” genannt. Der Anblick der Straßen Kigalis bildet einen direkten Gegensatz zu unseren Erwartungen. Nach Dreck sucht man hier vergebens, die Stadt wirkt sehr gepflegt. Einmal im Monat, am Umuganda, wird gemeinnützige Arbeit verrichtet. Uns ist direkt aufgefallen, dass sich das Land um ein neues Image bemüht und nicht mehr nur auf den Genozid von 1994 reduziert werden möchte.

Nachdem man uns am darauffolgenden Tag an der University of Rwanda begrüßte, führte unsere weitere Reise in das 100 Kilometer entfernte Butare. Butare ist neben der Hauptstadt Kigali das kulturelle Zentrum des Landes und Sitz der Nationaluniversität. Auf der etwa dreistündigen Busfahrt konnten wir Ruandas einzigartige Landschaft endlich bei Tageslicht bewundern: flache Felder, steile Hänge, tiefblaue Seen, dichte Wälder und zahllose Anbauflächen. Ob wir während unserer Fahrt tatsächlich 1000 Hügel passierten, haben wir nicht gezählt. Aber wir waren uns alle einig, dass Ruanda seinen Beinamen verdient hat.

Foto: Privat (Pütz)

Vier Amtssprachen, viele Ansichten

Eine wichtige Erfahrung unseres Aufenthalts bildete der kulturelle und wissenschaftliche Austausch zwischen unserer Universität und der Nationaluniversität Ruandas. Zu diesem Zweck hatten wir im Vorfeld zwei gemeinsame akademische Tage organisiert. Diese wurden für landeskundliche Vorträge, die Vorstellung von Forschungsergebnissen und Fragebogen-Erhebungen genutzt.

Im Fokus lag vor allem die sprachliche Situation Ruandas. Seit Februar 2017 besitzt das Land vier verschiedene Amtssprachen: Neben der von allen Ruandern beherrschten Muttersprache Kinyarwanda sprechen die Einheimischen auch Englisch, Französisch und Swahili. Im Jahr 2009 ersetzte Englisch Französisch als Unterrichtssprache im gesamten Land. Beim Diskurs mit ruandischen Lehrbeauftragten und Studierenden interessierten uns vor allem die Einstellung der Bevölkerung gegenüber der englischen Sprache und deren Status als Unterrichtsmedium.

Ein einzigartiges Land und bleibende Eindrücke

Den Abschluss unserer Reise bildeten ein buntes Programm aus kulturellen Einblicken in das heutige und frühere Leben der Menschen Ruandas und abenteuerliche Erkundungstouren durch die vielfältige Natur. Im ethnografischen Museum der Stadt Butare tauchten wir nicht nur als Fremde in die Geschichte Ruandas ein, sondern durften sie hautnah miterleben. Von einstudierten Tanzchoreografien über den Ablauf einer ruandischen Hochzeitszeremonie bis zum Brauen und Verköstigen von Bananenbier: Wir kamen voll auf unsere Kosten und verließen den Vulkan-Nationalpark als (fast) waschechte Ruander.

Als angehende Lehrer hatten wir zudem die Möglichkeit, den Unterricht einer Primary School mitzuerleben. Das war für uns aus didaktischer und methodischer Sicht eine bereichernde und interkulturelle Erfahrung. Den Höhepunkt unserer Reise bildete eine Wanderung durch den Nyungwe-Regenwald. Sie führte uns über eine schwindelerregende Hängebrücke und an verschiedenen Wasserfällen vorbei. Ausgestattet mit Wanderstöcken, wasserabweisender Kleidung und festem Schuhwerk bestritten wir gemeinsam eine fast neunstündige Tour.

Zwischen Giraffen und Geschichte

Nachdem der schlammige Untergrund zu der ein oder anderen Rutschpartie führte, fuhren wir zu unserer idyllischen Unterkunft am Kivu-See. Dieser liegt im ostafrikanischen Grabenbruch und durch ihn verläuft die Grenze zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo. Bevor wir unseren Rückflug in die Pfalz antraten, besuchten wir abschließend den Akagera-Nationalpark im Osten Ruandas. Hier verbrachten wir eine Nacht unter freiem Himmel und wachten mit einem umwerfenden Sonnenaufgang auf.

Auch wenn uns das Glück, auf Löwen und Elefanten zu stoßen, leider nicht vergönnt war, begegneten wir auf unserer Safari vielen anderen Tieren. So sahen wir zum Beispiel Zebras, Antilopen, Giraffen, Kaffernbüffel, Paviane, Nilpferde und Krokodile. Eine Reise auf den Spuren ruandischer Geschichte führte uns am letzten Tag zu den Gedenkstätten des Genozids. In Kigali hat man uns mit den Schrecken des Völkermords an den Tutsi im Jahre 1994 konfrontiert.

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge flogen wir zurück nach Frankfurt. Wir bekamen nicht nur Einblicke in universitäre, wissenschaftliche und sprachliche Kontexte. Mit der Gastfreundlichkeit und Offenherzigkeit der einheimischen Menschen in unserer Erinnerung verließen wir Zentralafrika mit dem Entschluss, irgendwann zurückzukehren.

Ein Gastbeitrag von Miriam Bahrdt

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