Kolumne
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Bewegungsglück

Heute schreibt Campus-Reporterin Lisbeth Wolf. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

Heute schreibt Campus-Reporterin Lisbeth Wolf. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute schwärmt Lisbeth Wolf von ihrer großen Leidenschaft: dem Laufen.

Es ist Sonntagmorgen, sieben Uhr. Mein Kopf ist wach. Meine Füße kribbeln. Bevor ich beginne, mich in ins Nirgendwo führende Gedanken zu verlieren, gebe ich mir einen Ruck, setze mich auf und ziehe meine Sportsachen an. Auf Zehenspitzen schleiche ich durch den Flur, um meine Mitbewohner nicht zu wecken, schnüre meine Laufschuhe und laufe los. Die kühle Morgenluft weckt auch den Teil meines Körpers, der sich bisher noch im schlaftrunkenen Standby-Modus befunden hat. Schon nach drei Schritten weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war, die Wärme meines Betts gegen die Glücksgefühle zu tauschen, die das Laufen in mir weckt. Habe ich die Wohnung noch in einem tranceartigen Zustand verlassen, in dem ich kaum realisiere, ob mein Gehirn meine Gliedmaßen steuert oder meine Füße von alleine den Weg finden, bin ich nach wenigen Sekunden im Hier und Jetzt angekommen.

Der Sonne entgegen

So früh am Morgen denke ich nicht darüber nach, wohin ich laufe, sondern lasse meine Füße entscheiden, welche Richtung sie einschlagen wollen. Meist tragen sie mich über das ehemalige Landesgartenschau-Gelände in die Weinberge. In meiner norddeutschen Heimat ist das Land bekanntermaßen eher flach, und ich habe eine Weile gebraucht, mich an das stetige Bergauf- und Bergab-Laufen zu gewöhnen, doch mittlerweile gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als frühmorgens der Sonne über den Weinbergen entgegen zu fliegen.

Die ersten Sonnenstrahlen über den Weinbergen einzufangen ist aber nicht der einzige Vorteil, den so ein Lauf bietet. Da sich die meisten Leute noch in ihren Betten befinden, sind die Straßen und Wege menschenleer. Keine Paare, um die Slalom laufen muss, keine Kinder, die man versehentlich über den Haufen rennt und keine Schaulustigen, deren Blicke man im Rücken spürt.

Wieder alles im Lot

Ich will damit nicht sagen, dass man nicht auch zu jeder anderen Tages- und Nachtzeit wunderbar laufen gehen kann. Seitdem ich vergangenes Semester meine Laufzeiten meinem überfüllten Stundenplan anpassen musste, habe ich meine Meinung geändert. Nach einem langen Tag voller Vorlesungen und Seminaren ist ein abendlicher Lauf der ultimative Ausgleich. Und wenn ich wieder den ganzen Tag am Schreibtisch gesessen habe und mein Kopf partout nichts mehr aufnehmen will, kann ich beim Laufen innerhalb kürzester Zeit das Gleichgewicht in meinem Körper wiederherstellen.

Wenn ich durch die Weinberge laufe, lasse ich alles hinter mir. Alle Zweifel und Sorgen werden zurückgedrängt und lassen sich aus meinen Laufschuhen heraus aus einer ganz anderen, viel weniger bedrückenden Perspektive betrachten. Nicht selten ist mir die Lösung eines Problems während des Laufens gekommen. Und nach einem guten Lauf sieht die Welt meistens ganz anders aus.

Obwohl das Laufen mein Allheilmittel ist, habe ich mich heute dazu entschieden, nicht laufen zu gehen. Ein Kratzen im Hals signalisiert mir, dass ich mich auf dem besten Weg zu einer Erkältung befinde. Ob das mit dem verregneten Workout von gestern zu tun hat? Ich bin vernünftig und gönne meinem Körper einen Tag der Ruhe. So kann ich mich meiner Kolumne widmen – und mich auf den nächsten Lauf freuen.

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