Kolumne
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Würde ich mein Herz spenden?

Heute schreibt Campus-Reporterin Nina Seel. Heute schreibt Campus-Reporterin Nina Seel.

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Nina Seel hat sich in letzter Zeit intensiv Gedanken über ein kritisches Thema gemacht, dem in unserer Gesellschaft noch immer viel zu wenig Aufmerksamkeit zu Teil wird – der Organspende.

Durch ein Seminar in der Uni wurde ich kürzlich damit konfrontiert, dass das Thema Organ- und Gewebespende ein echtes Aufmerksamkeits- und Imageproblem hat. Ich stellte fest, dass auch ich seit Jahren einen unausgefüllten Organspendeausweis in der Schreibtischschublade liegen habe. Daraufhin habe ich ein wenig recherchiert und mich in meinem Bekanntenkreis umgehört. Allgemeiner Konsens: Es wäre gut, wenn man einen hätte. Aber warum hat man denn keinen?

Aus einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geht hervor, dass die deutsche Bevölkerung dem Thema zwar aufgeschlossen ist und Organ- und Gewebespende grundsätzlich befürwortet. Jeder weiß, dass Spenderorgane Leben retten können. Sich selbst so genau festlegen möchten sich aber nur die Wenigsten. 58 Prozent geben an, ihre Entscheidung getroffen zu haben, aber nur 27 Prozent haben diese auf dem einem rechtsgültigen Papier dokumentiert. In vielen Fällen herrscht Angst vor Skandalen und Unsicherheit über die Einzelheiten der Spende selbst und die Relevanz eines ausgefüllten Organspendeausweises.

Aufklärungsarbeit

Der staatliche Aufklärungsauftrag zum Thema Organspende liegt in der Hand der BZgA. Neben Präventionskampagnen wie “Alkohol – Kenn dein Limit” oder “Gib Aids keine Chance” ist aktuell der Organspendeausweis – als Hose, Hemd oder Kleid in neues Gewand gefaltet – deutschlandweit auf großflächigen Plakatwänden zu sehen. Die Message: “Egal, wie Sie ihn tragen, Hauptsache, Sie haben ihn.”
Das Problem: Niemand befasst sich in diesem Zusammenhang gerne mit dem eigenen Tod. Es ist leichter, sich als potenzieller Knochenmarkspender zu registrieren oder ab und an zur Blutspende zu gehen. Damit tut man anderen Menschen Gutes, ohne selbst darunter zu leiden. Vor allem als junger Mensch schiebt man Gedanken über das Ende des Lebens gerne von sich weg. Vereine wie beispielsweise die Jungen Helden leisten vor allem für die Zielgrupe in meinem Alter tolle Aufklärungsarbeit. Sie machen das Thema greifbar, zum Beispiel auf Sportveranstaltungen und Partys, mitten im Leben.

Andere Länder, andere Sitten

In Deutschland hat jeder die freie Wahl, ob er sich für oder gegen eine Spende der eigenen Organe ausspricht. Die Entscheidung ist jederzeit revidierbar, da sie in keiner zentralen Datenbank erfasst wird. Auf dem Organspendeausweis, den jeder ab dem 16. Lebensjahr ausfüllen kann, kann man selbst bestimmen, ob man Ja oder Nein ankreuzt, und zusätzlich angeben, welche Organe gespendet und welche nicht entnommen werden dürfen. In anderen Staaten gilt die Widerspruchsregelung. Das bedeutet, dass jeder Bürger als Organspender gilt, solange er sich nicht ausdrücklich dagegen entscheidet. Diese Handhabung kann man aus moralischer Perspektive diskutieren, da es um den Eingriff in die körperliche Unversehrtheit geht. Dennoch ist das Thema von hoher Dringlichkeit, da nur zwei Prozent der Sterbenden überhaupt als Spender infrage kommen: Jene Personen, die sich per Ausweis oder durch Angehörige dazu bereit erklären, und bei denen der “unumkehrbare Hirnfunktionsausfall” (Hirntod) vor dem Herztod eintritt.

Die eigene Entscheidung

Fakt ist: Es gibt zu wenig Spenderorgane für zu viele Patienten auf den Wartelisten. Deshalb ist es notwendig, sich mit der eigenen Sichtweise auseinanderzusetzen und seine Mitmenschen dafür zu sensibilisieren. Dabei hat jede Zustimmung und Ablehnung, etwa aus ethischen, religiösen oder anderen persönlichen Gründen, ihre Berechtigung. Fakt ist aber auch: Der Organspendeausweis ist kein Thema fürs Alter. Stell dir vor, DU müsstest JETZT diese Entscheidung für jemand anderen treffen. Und spätestens dann, wenn man sich in die Situation versetzt, im Falle eines Falles für jemand anderen entscheiden zu müssen, wird mir bewusst, wie viel wert das eigene Kreuzchen auf dem Krankenkassen-Papier in der Schublade sein kann.

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