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Wie Geschichten unsere Selbstwahrnehmung beeinflussen

Vampir oder Zauberer? Samira Hepperle untersucht, wie Geschichten den Menschen beeinflussen. Foto: Kati Greb Vampir oder Zauberer? Samira Hepperle untersucht, wie Geschichten den Menschen beeinflussen. Foto: Kati Greb

Samira Hepperle ist fasziniert von der Kraft von Geschichten, Büchern und Erzählungen und ein großer Harry Potter-Fan. In ihrer Bachelorarbeit im Fach Psychologie untersucht sie, wie sich das Lesen von Buchkapiteln auf die Selbstwahrnehmung auswirkt.

Die Serie: Alle Scheine sind gemacht und das Studium geht in die heiße Phase, die Abschlussarbeit steht vor der Tür. Doch wie organisiert man diese letzte Phase des Studiums? Wie findet man einen Betreuer und das richtige Thema? Und wie schafft man es, in dieser Zeit nicht durchzudrehen? 

Wer sind Sie und was studieren Sie?

Ich bin Samira Hepperle, 23 Jahre alt und studiere im Bachelor Psychologie im 6. Semester am Campus Landau.

Was ist das Thema Ihrer Bachelorarbeit?

Es geht darum, wie uns Geschichten beeinflussen und wie wir durch Erzählungen unsere Selbstwahrnehmung verändern. Ich wiederhole die Studie von Gabriel und Young “Becoming a Vampire without being bitten: the narrative collective-assimilation hypothesis”. Im Veröffentlichungsjahr 2011 hat diese Studie sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dabei mussten die Versuchsteilnehmer entweder zwei Kapitel aus Harry Potter oder ein Kapitel aus Twilight lesen und anschließend wurde gemessen, wie sehr sich die Versuchspersonen zur Gruppe der Zauberer und zur Gruppe der Vampire zugehörig fühlten. Das Ergebnis war, dass die Harry Potter-Leser sich eher der Gruppe der Zauberer zuordneten, während die Twilight-Leser sich eher mit der Gruppe der Vampire identifizierten. Zum Beispiel dachten die Twilight-Leser, ihre Zähne seien spitzer als die der Harry Potter-Leser. Die Potter-Leser dachten wiederum, dass sie eher mit Hilfe ihrer Gedankenkraft Gegenstände bewegen können als die Leser des Vampirromans. Zusätzlich zur erneuten Durchführung der Originalstudie habe ich untersucht, ob Selbstaufmerksamkeit diesen Effekt abschwächt.

Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Ich habe mein empirisches Praktikum im Rahmen meines Psychologiestudiums ebenfalls im Bereich Medienpsychologie gemacht. Die Themen haben mich schon immer interessiert, besonders Geschichten, Fantasiewelten und wie es dazu kommt, dass wir uns davon so fesseln lassen. Dann habe ich mich an Stefan Krause vom Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik gewandt.  Er hat mir verschiedene Themenvorschläge gemacht, die alle etwas mit Geschichten zu tun hatten. Ich habe mich dann für die Replikation der Studie entschieden.

Welche Tipps geben Sie Studierenden, die auf der Suche nach einem passenden Thema sind?

Wichtig ist für mich das persönliche Interesse am Thema und ob es einem liegt. Man sollte sich darüber informieren, was die Dozenten für Forschungsthemen anbieten. Wenn man sich für ein Thema entschieden hat, kann man einen Termin vereinbaren und am besten vorher schon in die Literatur schauen.

Nach welchen Kriterien haben Sie den Betreuer Ihrer Abschlussarbeit ausgesucht?

Ich hatte ein Seminar bei meinem Betreuer. Da hat er seine Themen vorgestellt und gesagt, dass er sich unter anderem mit Identifikation befasst. Ich fand es angenehm, dass ich ihn schon aus dem Seminar kannte.

In der Bibliothek, im Café oder zu Hause – wo schreiben Sie am liebsten?

Zu Hause. Da ist es schön ruhig, da hat man seine gewohnt Atmosphäre und kann auch mal entspannen, falls man eine kreative Schaffenspause braucht. Ich wohne in einer WG, da ist man nie allein und kann zwischendurch mit Mitbewohnern quatschen, wenn einem alles zu viel wird.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf?

Ich habe eine imaginäre To Do-Liste, aber schreibe mir nichts auf. Ich setze mir im Kopf Ziele, was ich bis wann geschafft haben möchte und versuche, die Termine einzuhalten. Man muss auch Prioritäten vergeben, aber einen richtigen Plan habe ich nicht – obwohl das vielleicht manchmal hilfreich wäre.

Was unternehmen Sie zum Ausgleich zur wissenschaftlichen Arbeit?

Sport, viel mit Freunden machen und am Wochenende die Zeit mit der Familie und dem Hund genießen.

Schreibblockaden, Krisen, Selbstzweifel – kennen Sie das? Was machen Sie in solchen Momenten?

Das ist mir erst einmal passiert, weil etwas beim Erstellen des Fragebogens nicht geklappt hat. Da war ich Gott sei Dank zu Hause und konnte von meiner Familie beruhigt werden.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach dem Abschluss? Wissen Sie schon, was Sie beruflich machen möchten?

Erstmal möchte ich meinen Masterabschluss machen. Eigentlich war ich mir immer ziemlich sicher, dass ich in die therapeutische Richtung gehen will, aber zurzeit schwanke ich. Ich muss mich noch orientieren und würde mir gern irgendwann eine Auszeit vom Studium nehmen. Der passende Zeitpunkt dafür wird sich noch ergeben.

Interview: Katharina Greb

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