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Unsere Profs: Hannes Kopf

Hannes Kopf ist hauptberuflich Jurist für das Land Rheinland-Pfalz, Honorarprofessor für Umweltrecht am Campus Landau, SPD-Stadtratsmitglied und Vater von drei Kindern. Foto: Philipp Sittinger

Hannes Kopf ist hauptberuflich Jurist für das Land Rheinland-Pfalz, Honorarprofessor für Umweltrecht am Campus Landau, SPD-Stadtratsmitglied und Vater von drei Kindern. Foto: Philipp Sittinger

Professor Dr. jur. Hannes Kopf ist Honorarprofessor im Fach Umweltrecht. Über seine Lehrtätigkeit am Institut für Umweltwissenschaften hat der Jurist das Gefühl, am Puls der Zeit zu bleiben. In seiner eigenen Studienzeit schaffte er es, in der Regelstudienzeit zu studieren und trotzdem auf Partys zu gehen. 

Die Serie: Sie prägen unsere Erinnerungen an das Studium, inspirieren uns für das Berufsleben und sorgen für so manche Anekdote unter Studierenden: unsere Profs. Im Uniblog stellen sich die Professoren der Universität Koblenz-Landau den Fragen der Campus-Reporter, geben Einblick in ihren Forschungs- und Lehralltag und verraten, wie sie selbst als Student waren.

Der Professorenberuf ist mit einigen Klischees behaftet: Lange über Büchern brüten, Zerstreutheit, Einsiedlertum, chaotische Tafelbilder… Trifft davon etwas auf Sie zu?

Ich arbeite sehr gerne wissenschaftlich, insofern verkrieche ich mich schon gelegentlich hinter Büchern oder Kommentaren, aber das hält sich bei mir deswegen in Grenzen, weil ich das Ganze nur nebenberuflich mache. Im Hauptberuf arbeite ich als Jurist für das Land Rheinland-Pfalz, zurzeit bin ich Vizepräsident am Landesrechnungshof. Ich habe als Stadtrat in Landau zudem einen großen Bezug zur Politik, und in der ist man gezwungen, sich auf verständliche Kommunikation zu beschränken. Insofern sehe ich nicht die große Gefahr, dass ich zu zerstreut und wissenschaftlich werde.

Wie waren Sie als Student?

Ich habe an der Uni Mannheim Jura studiert und dort das erste Staatsexamen absolviert. Ich muss ehrlich zugeben, ich war schon immer ehrgeizig und strebsam, bin aber selbstverständlich auch auf Uni-Partys gegangen. An der Uni Mannheim waren das die Schneckenhof-Partys, die waren legendär. In der Urlaubzeit bin ich viel gereist und hatte die Möglichkeit, als Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung in die Ukraine zu fahren. Während meines Studiums habe ich im Wohnheim gewohnt, im B 7 in Mannheim. Da war man in die Wohnheimgemeinschaft einbezogen, das war mir wichtig. Mit einigen Kommilitonen stehe ich heute noch in Kontakt. Ich wurde bereits mit 19 in den Stadtrat der Stadt Landau gewählt und musste für die Sitzungen häufig dorthin. Es war mir trotzdem wichtig, in meinem Studienort eine Wohnung zu haben, weil es sonst schwierig ist, Anschluss zu bekommen.

Das klingt nach einem prall gefüllten Kalender…

Ich war schon sehr zielorientiert im Studium, das stimmt. Ich habe in der Regelstudienzeit abgeschlossen und den sogenannten „Freischuss“ gemacht. Das heißt, wenn man zügig studiert und sich zum ersten Staatexamen angemeldet hat, konnte man noch über den „Freischuss“ versuchen, sich zu verbessern. Danach habe ich an der Uni in Speyer studiert, die damals noch Verwaltungshochschule hieß, und einen Magister in Verwaltungswissenschaften draufgesetzt. Parallel dazu habe ich mein Referendariat und das zweite Staatsexamen in Rheinland-Pfalz absolviert und anschließend promoviert. Ich habe also in relativ kurzer Zeit viele akademische Abschlüsse absolvieren können.

Was meinen Sie: Hat sich das heutige Studentenleben im Vergleich zu  Ihrer Studienzeit verändert?

Durch die europäischen Reformprozesse ist es zu einer Konzentration der Studieninhalte und dadurch auch zu einer Beschleunigung der zur Verfügung stehenden Studienzeit gekommen. Auch das Thema Digitalisierung ist wichtiger geworden. Damals, als ich studiert habe – und das ist auch noch nicht so lange her – hat man natürlich auch Powerpoint-Vorträge gehalten, aber  gerade im Fach Jura gehörte es dazu, dass man tagelang in Bibliotheken verbrachte und recherchierte. In den 1990ern hat man für eine Hausarbeit eigentlich kaum im Internet recherchiert, weil man die Urteile, die man auswerten wollte, zwar im Internet gefunden hat, aber die Aufsätze und Veröffentlichungen dazu hat man vorrangig aus gedruckten Schriftwerken gezogen. Es gibt also eine stärkere Nutzung digitaler Medien im Studium. Das prägt auch die Anforderungen an Studierende: Es wird mehr Wert auf Visualisierung und den Umgang mit den neuen Medien gelegt und das ist auch richtig so, dass sind die Zeichen der Zeit.

Wann haben Sie gemerkt, dass der Weg in die Wissenschaft ein berufliches Standbein für Sie sein könnte?

Es hat mir schon immer Spaß gemacht, Inhalte zu vermitteln. Das liegt vielleicht daran, dass ich aus einer Lehrerfamilie stamme: Meine Mutter ist Erzieherin, mein Vater war Berufsschullehrer und Leiter einer Berufsschule, mein Bruder ist Berufsschullehrer, meine Schwester ist Grundschullehrerin – das Unterrichten liegt also in der Familie. Deshalb hatte ich von Beginn meiner Studienzeit an das Ziel, irgendwann einmal im Bereich der Lehre tätig zu sein. Unmittelbar nachdem ich Anwalt wurde, fing ich an, Lehrveranstaltungen für Rechtsreferendare an der Uni Speyer zu geben. 2009 kam ich dann als Lehrbeauftragter und Nachfolger von Professor Sack, der zuvor hier Umweltrecht im Bereich der Umweltwissenschaften gelehrt hat, nach Landau. Seit 2017 bin ich Honorarprofessor.

Was begeistert Sie an Ihrem Fachgebiet?

Das Öffentliche Recht insgesamt begeistert mich, weil man unmittelbar mit den Entwicklungen in unserer Gesellschaft zu tun hat. Spezialisiert bin ich im Umweltrecht und im Öffentlichen Bauordnungs- und Bauplanungsrecht. Praxisnähe ist mir sehr wichtig, und das lasse ich auch in meine Lehrveranstaltungen einfließen, weil man durch praktische Beispiele Lehrinhalte besser vermitteln kann. Darum bin ich in Lehrveranstaltungen begeistert dabei: Eine Honorarprofessur innezuhaben, ist für mich eine Ehre, aber auch Ansporn, nicht nachzulassen. Im Rahmen des Studiums der Verwaltungswissenschaften habe ich mich mit verwaltungswissenschaftlichen und politischen Themen beschäftigt und hatte auch Lehrveranstaltungen zum Thema Umweltpolitik. Dieser interdisziplinäre Ansatz gefällt mir.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit an der Universität?

Das Interessante in den Umweltwissenschaften ist für mich, dass es immer Bewegung gibt und dass ich miterleben kann, wie aufstrebend dieser Bereich ist. Die Anzahl der Studierenden hat stark zugenommen und es gibt gute Berufsaussichten für Absolventen. Ich war auch vier Jahre als Personalchef tätig und habe mich auch mit Personalgewinnung beschäftigt. Ich gebe dem Fachbereich gelegentlich Rückmeldung, was man noch an Inhalten anbieten könnte, um die Berufschancen zu verbessern. Insofern ist das für mich eine sehr schöne Betätigung.

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich habe mich sehr intensiv mit den Baurechtsnovellen beschäftigt. Da ging es in der jüngsten Zeit vor allem um umweltrechtliche Inhalte: Wie schafft man es, den Klimaschutz im Bauplanungsrecht zu verankern? Ein weiteres Thema ist der Flächenschutz. Es gibt eine nationale Strategie zum Flächenschutz, um die Flächenversiegelung zu minimieren. Das Ganze hat man nun im Baugesetzbuch etabliert  Über diese Baugesetzbuchnovelle habe ich mehrere Veröffentlichungen geschrieben und Vorträge gehalten. Ich versuche, auch meine Lehrveranstaltung immer wieder upzudaten und aktuelle politische und umweltrechtliche Themen wie den Dieselskandal einzubringen.

Sie sind Vater von drei Kindern, Vizepräsident des Rechnungshofes Rheinland-Pfalz, Mitglied im Stadtrat der Stadt Landau – wie bekommen Sie alles unter einen Hut?

Gute Frage. Da bedarf es durchaus eines guten Zeitmanagements. Familie ist mir sehr wichtig und deswegen ist es gut, dass ich wohnortnah zwischen Landau und Speyer tätig bin und nicht so große Fahrtwege habe. Das politische Engagement kann man relativ gut takten. Eine lange Zeit war ich Fraktionsvorsitzender der SPD Stadtratsfraktion, jetzt bin ich nur noch normales Stadtratsmitglied. Dadurch konnte ich auch das kommunalpolitische Engagement etwas zurückfahren, aber mir ist wichtig, dass ich beständig weiter daran arbeite.

Welches Buch oder Paper liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Ich lese gern außerhalb des Fachs, gerade das Buch „Trümmerkind“ von Mechthild Borrmann. Das ist ein Krimi aus der Nachkriegszeit und spielt in der Zeit des Wiederaufbaus. Fachbücher und -zeitschriften habe ich auch immer herumliegen und schaue mir regelmäßig die neuesten Veröffentlichungen im Umweltrecht an.

Gab es ein Ereignis oder eine Person, das oder die Ihren akademischen Werdegang geprägt hat?

Geprägt hat mich auf jeden Fall mein Doktorvater Professor Dr. Wolf-Rüdiger Schenke an der Uni Mannheim. Ihn kann man als Koryphäe im juristischen Bereich bezeichnen. Ich war sehr glücklich, dass ich bei ihm promovieren durfte. Ich war externer Promovend, weil ich nicht am Lehrstuhl gearbeitet habe, sondern parallel zum Referendariat an der Dissertation geschrieben habe. Dank eines Stipendiums der Friedrich-Ebert-Stiftung konnte ich ein halbes Jahr unbezahlten Urlaub im Referendariat nehmen und alles kompakt durchziehen. Professor Schenke ist sehr diskussionsfreudig. In der Juristerei gibt es immer die herrschende Meinung, die vermittelnde Meinung und die Minderheitsmeinung. Schenke hat Spaß daran, auch mal die Minderheitsmeinung zu vertreten. Das musste ich im Rahmen meiner Doktorarbeit entsprechend berücksichtigen. Er hat natürlich darauf geachtet, dass man seine Schriften kennt und er hat sehr viel geschrieben, insofern war das eine Herausforderung. Ich bin stolz darauf, dass ich die Promotion mit summa cum laude abschließen konnte. Das war sozusagen die akademische Triebfeder und eine Startvoraussetzung dafür, dass ich mich im akademischen Bereich betätigen konnte. Ohne die Promotion hätte ich es beim Berufseinstieg sicher nicht so leicht gehabt.

Welche Dinge mögen Sie fernab des wissenschaftlichen Alltags? Was unternehmen Sie als Ausgleich zur Denkarbeit an der Uni?

Ich unternehme sehr viel mit meiner Familie. Wir vereisen in den Sommermonaten und haben einen großen Garten zu Hause in Landau-Mörzheim. Da gibt es immer etwas zu tun, das hält fit. Ich bin zudem Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung und wirke als Ansprechpartner der Stiftung hier an der Uni. Die Stiftung bietet wie die meisten politischen Stiftungen eine Studienförderung an, für die man sich bei entsprechenden Schul- und Studienleistungen und ehrenamtlichem Engagement bewerben kann.

Professor Dr. Hannes Kopf  studierte Rechtswissenschaften an der Universität Mannheim (Promotion) und absolvierte ein Aufbaustudium der Verwaltungswissenschaften an der DHV Speyer. Seit Januar 2017 ist er Vizepräsident des Rechnungshofes Rheinland-Pfalz. Im Juni 2017 wurde Kopf zum Honorarprofessor in Landau ernannt.

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