Kolumne
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Terminierte Freundschaften: Verschwendete Lebenszeit oder Bereicherung für das Leben?

Heute schreibt Campus-Reporterin Lisa Engemann. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

Heute schreibt Campus-Reporterin Lisa Engemann. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute fragt sich Lisa Engemann, was mit Freundschaften passiert, wenn das Leben sich verändert.

Als ich ein Teenager war, wollte ich mit jedem, den ich kennengelernt habe, für immer befreundet sein. Mittlerweile lerne ich oft neue Leute kennen, die mir direkt sympathisch sind. Inzwischen ertappe ich mich bei der Frage: Lohnt es sich überhaupt, in diese Freundschaft zu investieren? Nach kurzer Zeit werde ich sowieso wieder umziehen. Sei es wegen des Studiums, des Jobs oder des Partners. Und dann habe ich wieder einen Freund oder eine Freundin, die ich vermisse.

Wenn der gemeinsame Kontext fehlt, was bleibt dann von der Freundschaft?

Es ist mit viel Aufwand verbunden, seine verschiedenen Freundschaften zu pflegen: Jeder wohnt woanders, arbeitet zu unterschiedlichen Zeiten und hat selbst noch Verpflichtungen in den verschiedensten Kontexten. Ich habe das Gefühl, je älter man wird, desto komplizierter wird das mit den Freundschaften. Jedes Mal, wenn ich zum Beispiel meine beste Freundin aus der Schule sehe, haben wir so viel Spaß zusammen. Wir schwören uns, uns öfter zu treffen. Letztendlich schaffen wir es trotzdem nur ein paar Mal im Jahr.

Genauso ist es mit den anderen Freundschaften, die ich versuche, am Leben zu halten. Es wäre zu schade, wenn man sich einfach auseinanderlebt, obwohl man sich noch so gut versteht. Trotzdem ist es hart, wenn wir merken, dass wir uns nicht mehr so viel zu erzählen haben wie früher. Gerade weil wir nicht mehr den gleichen Kontext teilen. Wir können über die Dinge reden, die uns jeweils beschäftigen, aber nicht mehr so viel über die Dinge, die uns beide beschäftigen.

Wahre Freundschaft bleibt unabhängig von Zeit und Ort

Doch auch, wenn sich die Zeiten und die eigene Persönlichkeit ändern – Freundschaften, die nicht nur in dem Kontext bestehen, in dem man sich kennengelernt hat, halten das aus. Weil sie tiefer gehen. Nahezu jeder meine Freunde führt ein anderes Leben, aber das, was uns verbindet, ist unsere Art, mit dem Leben umzugehen. Und wenn wir Glück haben, verändern wir uns zusammen. Zwar in unterschiedlichen Kontexten, aber jeder durchläuft irgendwann die gleichen Probleme und stellt sich ähnliche Fragen. Darüber können wir dann reden – und lachen.

Was kann ich mir also auf die Frage, ob es sich lohnt, in eine neue Freundschaft zu investieren, antworten? Es lohnt sich! Denn was wäre zum Beispiel die Studienzeit, wenn ich nicht nachher darauf zurückblicken könnte? Und über diese Erinnerungen mit einem Freund oder einer Freundin lachen? Wenn ich mich erst wieder für tiefe Freundschaften öffne, wenn ich irgendwo “angekommen” bin, wäre all die Zeit irgendwie trostlos, falls man überhaupt irgendwann irgendwo ankommt. Ich ahne, dass ich meine Studienfreunde bald nicht mehr so oft sehen kann und jedes zukünftige Treffen der Organisation einer Großveranstaltung gleicht. Aber es ist doch so: Jede wahre Freundschaft, die dazukommt, ist es wert, gehalten zu werden.

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