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Pushy Parents: Brüllende Eltern am Spielfeldrand wirken negativ auf Kinder

Wenn die eigenen Kinder auf dem Fußballplatz stehen, liegen bei vielen Eltern die Nerven blank. Foto: Fotolia / Beatrice Prève Wenn die eigenen Kinder auf dem Fußballplatz stehen, liegen bei vielen Eltern die Nerven blank. Foto: Fotolia / Beatrice Prève

Vom Fußball-Amateur zum Profi: Für viele Kinder ist das der größte Traum. Unterstützung finden sie oftmals in ihren Eltern, die bei jedem Spiel am Seitenrand stehen und sie tatkräftig anfeuern. Aber was ist, wenn es die Eltern übertreiben? Sportwissenschaftlerin Dr. Silke Sinning forscht zum Thema Fairness auf und abseits des Platzes.

Bei jedem Wetter stehen sie am Spielfeldrand und unterstützen ihre Kinder: Eltern motivieren, trösten und sind oft genauso wichtig für die sportliche Entwicklung eines Kindes wie das Talent. Überkochende Emotionen sind damit auch abseits des Platzes vorprogrammiert. Pushy Parents nennt man diese Eltern in England. Silke Sinning ist Professorin für Sportwissenschaft und Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Bildung und Bewegung am Campus Landau. Die erfahrene Fußballspielerin und -trainerin hat zusammen mit Studierenden untersucht, wie elterliche Pöbeleien am Spielfeldrand von den eigenen Kindern wahrgenommen werden.

Silke Sinning ist Professorin für Sportwissenschaftlerin am Campus Landau

Silke Sinning ist Professorin für Sportwissenschaft am Campus Landau

„Der Startschuss des Projektes war, dass ein Verein versuchte, die Eltern darauf aufmerksam zu machen, dass ihr Reingebrülle bei ihren Kinder negativ ankommt“, erklärt Sinning. „Wir haben dann einen Fragebogen für die Kinder angefertigt, um herauszufinden, wie das Geschrei der Eltern auf sie gewirkt hat und ob es nach dem Spiel noch Diskussionen mit den Eltern gab.“ Nach der Auswertung habe man den Eltern rückgemeldet, wie sie bei ihren eigenen Kindern ankämen. Sinning ergänzt: „Die Eltern haben sich wiederum verpflichtet, in der Rückrunde motivierender auf die Kinder einzugehen.“ Die Forschungsgruppe unter Leitung von Sinning hat parallel zu den Fragebögen herausgearbeitet, ob tatsächlich eine Verbesserung stattgefunden hat. „Das war leider nicht signifikant, sondern nur an kleinen Stellen sichtbar“. Trotzdem hält die leidenschaftliche Sportpädagogin an der Elternsensibilisierung als einzige Lösung des Problems fest: „Man muss deutlicher machen, dass ein wildes Gestikulieren und Reinbrüllen wenig zielführend und im gewissen Rahmen sogar lernzerstörend für die eigenen Kinder ist“, betont Sinning.

Einen anderen Ansatz verfolgt der Fußballverband Niederrhein. Im Bambini- und F-Jugendbereich werden die Eltern schlichtweg von der Seitenlinie verbannt. Ganze 15 Meter müssen zwischen ihnen und dem Spielfeld liegen, berichtet Sinning. Diese hält die sogenannte „Eltern-Zone“ allerdings für nicht effektiv genug. Die Kinder würden zwar entlastet, aber „auf der Fahrt nach Hause hört die Kritik und die Diskussion mit den Eltern ja nicht auf.“ Nach Sinning funktioniere eine Situationsänderung allein über die Selbstreflexion der Eltern.

Fairness ohne Schiedsrichter?

Ein weiterer Bereich, dem sich die Forscherin bereits gewidmet hat, ist die Fairness auf dem Spielfeld im Kinderfußball. Aktuell viel diskutiert bei Landesverbänden und dem DFB, haben Studierende in Masterarbeiten unter der Leitung von Sinning untersucht, inwieweit Kinder in der Lage sind, ihr eigenes Spiel – ganz ohne Schiedsrichter – regeln zu können. Hintergrund dafür ist, dass die Verbände Probleme haben, an jedem Wochenende unzählige Schiedsrichter zu stellen und deswegen im Kinder- und Jugendbereich nach neuen Wegen suchen. “Man kann aber sehen, dass Kinder das eigentlich noch nicht können“, räumt Sinning ein. „Das Reflexionsniveau ist noch nicht so ausgereift, um mit bestimmten Fragestellungen optimal zurecht zu kommen.“ Gerade bei Fouls sei die Situation zu schwierig, um sie im vollen Umfang analysieren und ein korrektes Urteil fällen zu können. Die Sportwissenschaftlerin wünscht sich vielmehr weniger Schiedsrichter im unterklassigen Erwachsenenbereich. „Die sollten das eigentlich besser hinkriegen, aber leider sind das meist diejenigen, die aneinander Reiben,“ bemängelt Sinning.

Daniel Schumacher

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