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Nachhaltigkeit fördern: Zusatzqualifikation für Lehramtsstudierende

Francesca Ulf (links) und ihre Mitstreiter hatten sichtlich Spaß bei der Arbeit am BTN-Zertifikat, das angehende Lehrer für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren soll. Foto: Philipp Sittinger

Francesca Ulf (links) und ihre Mitstreiter hatten sichtlich Spaß bei der Arbeit am BTN-Zertifikat, das angehende Lehrer für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren soll. Foto: Philipp Sittinger

Ein nachhaltiger Umgang mit unserer Umwelt wird in Zeiten des Klimawandels und der Ressourcenknappheit immer wichtiger: Mit dem Zertifikat Bildung-Transformation-Nachhaltigkeit (BTN) bereiten sich angehende Lehrkräfte auf ihre Vorbildfunktion im Unterricht vor. Uniblog sprach mit der stellvertretenden Projektleiterin Marie Schehl und Teilnehmerin Francesca Alf, Lehramtsstudentin der Fächer Germanistik und Sozialkunde für Realschule Plus.

Was ist das Zertifikat für Bildung-Transformation-Nachhaltigkeit (BTN) und für wen ist es gedacht?

Marie Schehl: Das BTN-Zertifikat ist eine zukunftsweisende Zusatzqualifikation für Lehramtsstudierende zur Förderung von interdisziplinärem und systemischen Denken. Es ist ein Projekt des Zentrums für Bildung und Forschung an Außerschulischen Lernorten (ZentrAL), das von Professor Dr. Björn Risch geleitet und durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wird. BTN leistet auch einen Beitrag zur Qualitätsoffensive Lehrerbildung im Rahmen des Projekts MoSAiK, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Das BTN-Zertifikat richtet sich an Lehramtsstudierende aller Studienfächer und Schularten. Ziel ist es, angehende Lehrpersonen darauf vorzubereiten, Kinder und Jugendliche fächerübergreifend für die Nachhaltigkeitsproblematik zu sensibilisieren und sie zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Ressourcen zu inspirieren. Bisher fand eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik in der Lehramtsausbildung nur in Fächern statt, die einen konkreten Themenbezug zur Problematik haben. Damit es jedoch zu einer gesellschaftlichen Veränderung kommen kann, muss der Nachhaltigkeitsgedanke auch in anderen Fächern aufgegriffen werden.

Welche Themen behandelt das BTN-Zertifikat?

Schehl: Neben den Herausforderungen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) – nicht nur im schulischen Kontext – steht insbesondere die Verknüpfung der beiden Konzepte BNE und Inklusion im Fokus des Zertifikats, da die inklusive Bildung Voraussetzung dafür ist, dass alle Menschen am gesellschaftlichen Wandel teilhaben können.

Wie ist das BTN-Zertifikat aufgebaut?

Schehl: Das Zertifikat umfasst fünf Module und bietet Lehramtsstudierenden die Gelegenheit, sich wissenschaftlich fundiert, multiperspektivisch und praxisorientiert mit Aspekten nachhaltiger Entwicklung auseinanderzusetzen.

Modulübersicht des Zertifikats für BTN

Modulübersicht des Zertifikats Bildung-Transformation-Nachhaltigkeit. Quelle: ZentrAL

In den drei Modulen des ersten Semesters werden die notwendigen Grundlagen vermittelt und kritisch reflektiert, um die Nachhaltigkeitsthematik in ihrer Komplexität und mit Bezug auf systemische Zusammenhänge zu verstehen. Im zweiten Semester folgt die Anwendung der Inhalte des ersten Semesters. Hier werden in Kooperation mit ausgewählten außerschulischen Lernorten am Campus Landau Lehr-Lern-Module konzipiert, die sich auf reale Nachhaltigkeitsprobleme beziehen. Dadurch wird den Studierenden die Möglichkeit gegeben, innovative und transformative Methoden auszuprobieren und diese in Veranstaltungen hinsichtlich der Ziele einer transformativen Bildung zu evaluieren. Das begleitende Forschungsseminar liefert die notwendigen Grundlagen.

Das klingt sehr vielseitig. An welchem Projekt wirken Sie mit, Frau Alf?

Francesca Alf: Das ist es definitiv. Ich arbeite in einer Projektgruppe zum Thema Anstieg der Meere für die Sekundarstufe I. Wir untersuchen die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels für unsere Ozeane und erarbeiten Wege, den Schülern in der Nawi-Werkstatt, einem unserer Schülerlabore, diese Problematik bildhaft verständlich zu machen und ihnen Handlungsmöglichkeiten an die Hand zu geben. Die anderen Projektgruppen befassen sich mit den Themen Abfall in der Umwelt oder Biodiversität und Artenverlust am Beispiel der Bienen. Spannend waren dabei die verschiedenen Sichtweisen der Gruppenmitglieder, die alle unterschiedliche Fächer und Schulformen studieren.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem BTN-Zertifikat bisher gemacht?

Alf: Die Dozierenden schätzen das Engagement der Studierenden sehr und ich freue mich jedes Mal auf die Veranstaltungen. Durch das “Du” im Umgang miteinander herrscht eine angenehme Arbeitsatmosphäre, die zum Austausch einlädt. An den Veranstaltungen hat mir besonders gut gefallen, dass ich als Person wahrgenommen wurde und auch Kritik äußern konnte. Das Zertifikat hat für mich einen Mehrwert, da ich durch die fundierten, theoretischen Inhalte ein höheres Bewusstsein für die Relevanz von Nachhaltigkeit entwickeln konnte, das auf Fakten und nicht auf Halbwissen basiert. Durch die Projektarbeit im Sommersemester konnte ich mein erlangtes Wissen ausleben und endlich den theoretischen Teil mit praxisbezogenen Elementen vereinen.

Interview: Annika Posselt

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