Kolumne
Schreibe einen Kommentar

Mein Fitnesstracker und ich

Beziehungsstatus kompliziert: Das Verhältnis unserer Reporterin Constanze Schreiner zu ihrem Fitnessarmband ist ambivalent. Foto: Fotolia.de/Markus Dehlzeit Beziehungsstatus kompliziert: Das Verhältnis unserer Reporterin Constanze Schreiner zu ihrem Fitnessarmband ist ambivalent. Foto: Fotolia.de/Markus Dehlzeit

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute berichtet Constanze Schreiner von ihrem Leben mit dem fitbit, einem Fitnessarmband, dass ihre Bewegungen rund um die Uhr überwacht.

Seit einiger Zeit hab ich einen Begleiter. Er ist meistens weiß, manchmal auch türkis und ein eher dezenter Zeitgenosse, der allerdings sehr anhänglich ist. Es handelt sich um meinen Fitnesstracker, mein fitbit. Der Name verspricht, dass man dank dieses kleinen Wearables Stück für Stück – also bit für bit – immer fitter wird. Die Grenze nach oben auf dem Weg zum Olymp der Ultrafitten scheint offen und dank diesem kleinen Freund in greifbarer Nähe zu sein.

In der Theorie ganz einfach

Dieses kleine Ding hat eine ziemlich konkrete Idee davon, wie meine Tage aussehen sollten: Pro Tag sollte ich mindestens 10.000 Schritte gehen, das ist übrigens auch die Empfehlung der WHO. Darüber hinaus soll ich mindestens 30 Minuten Sport machen, acht Stunden schlafen und an neun von 24 Stunden mindestens 250 Schritte zurücklegen. Zudem könnte ich noch meine aufgenommenen Kalorien tracken und Abnehm- und Trinkziele definieren. Soweit die Theorie.

In der Praxis klappt das nicht ganz so optimal. Gerade das Schlafziel ist nicht so einfach zu erreichen. Denn es reicht nicht, acht Stunden im Bett zu liegen, da nur die tatsächlich geschlafene Zeit zählt. Die Einschlafzeit oder unruhiges Umherwälzen mitten in der Nacht werden vom fitbit genauestens registriert. Umgekehrt muss man dem kleinen Freund an meinem Handgelenk zu Gute halten, dass er tatsächlich erkennt, wann ich schlafe. Das war bei seinem Vorgänger nicht so. In der Bedienungsanleitung meines ersten Fitnesstrackers stand: „Bitte drücken Sie den Knopf an der Seite, wenn sie einschlafen.“ Dass sich dies in der Umsetzung schwierig gestaltet, ist offensichtlich.

Motivation durch Belohnung

Bei sportlichen Vorhaben folgt auf die anfängliche Euphorie häufig schnell ein langer Ausredenkatalog, warum man heute lieber auf der Couch liegen bleibt, als sich noch eine Runde zu bewegen. Damit der Fitnesstracker nicht allzu bald in der Schublade verschwindet, hat sich der Hersteller der fitbits deshalb ein ziemlich cleveres Belohnungs- und Motivationssystem ausgedacht. Wenn man den Tracker via Bluetooth mithilfe der entsprechenden App mit seinem Smartphone verbindet, bekommt man über den Tag verteilt motivierende Nachrichten geschickt. Wer fleißig marschiert, bekommt zudem regelmäßig Abzeichen verliehen. Tatsächlich muss ich sagen, dass ich mich über mein Pinguin-Wanderabzeichen fast so sehr gefreut habe, wie damals als Kind über mein kleines Seepferdchen. Gäbe es einen Pinguin-Wanderabzeichen-Aufnäher, würde ich ihn mir stolz auf meine Jacke nähen.

Grenzen der Technik

So klug dieses schmale Armband auch ist und tatsächlich erkennt, wann ich laufe, schlafe oder Rad fahre, eine Sache bringt es regelmäßig durcheinander. Sobald ich auf dem Pferd sitze und meinem liebsten Hobby, dem Reiten, nachgehe, flippt das eingebaute Akkzelerometer aus. Erschütterung und Fortbewegung gleichzeitig lässt die Schrittzahlen in kosmische Höhen schießen. Am effektivsten ist es, viel zu galoppieren, das bringt am meisten Schritte. Es ist wohl unnötig zu erwähnen, dass mein Pferd, seit ich mein fitbit habe, wesentlich fitter ist als vorher. Wenigstens einer von uns, der dem Fitness-Olymp näher gekommen ist.

Schreibe einen Kommentar