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“Mein Name ist Ali. Ich komme aus Afghanistan. Ich lebe in Landau”: Landauer Studis geben Deutschkurse für Asylbewerber

Gemeinsames Lernen beim Deutschkurs für Asylbewerber. Foto: Angela Gräsel Gemeinsames Lernen beim Deutschkurs für Asylbewerber. Foto: Angela Gräsel

Zweimal in der Woche treffen sich Landauer Studierende in den Räumen der Volkshochschule Landau mit Flüchtlingen aus aller Herren Länder, um Deutsch zu lernen. Indem sie die Asylbewerber fit für den deutschen Alltag machen, lernen sie nicht nur für Ihren späteren Lehrberuf, sondern auch fürs Leben.

Pünktlich um 14 Uhr sitzen alle Teilnehmer in dem kleinen Klassenraum auf Zeit. Von einer Schulklasse unterscheidet sie – bis auf die Teilnehmerzahl und das Alter – vor allem die Stille, die im Raum herrscht. Vor sich haben die überwiegend aus dem arabischen Raum stammenden Asylbewerber bereits ihr grünes Deutschbuch mit dem Titel “Schritte Plus 1” aufgeschlagen. Die siebenköpfige Gruppe, die sich bereits “fortgeschritten” nennen darf, wird von Gabriele Cleres unterrichtet. Sie ist Volkshochschullehrerin und Diplom-Übersetzerin. Unterstützt wird sie von den Landauer Studenten Marcus Seyler und Carsten Pommer. Im Sommer übernahmen die beiden jungen Männer den Kurs für Fortgeschrittene sogar für die Dauer von zweieinhalb Monaten komplett selbstständig.

Das schwierigste deutsche Wort 

“Mein Name ist Ali. Ich komme aus Afghanistan. Ich lebe in Landau”. Die sechs Männer und eine Frau beginnen, nacheinander in gebrochenem Deutsch von sich zu erzählen. “Woher kommst du?”, fragt der Letzte in der Runde lächelnd zurück, nachdem er sich vorgestellt hat. Sein Name ist Issa, er kommt aus dem Irak. Der 26-Jährige erzählt stolz, dass er verheiratet ist.

Viele der Flüchtlinge sind seit etwa einem Jahr in Deutschland. Die meisten kommen bereits seit sechs Monaten zum Sprachkurs. “Der Sprachkurs hilft sehr. Beim Einkaufen, zum Beispiel, hat man keine Probleme”, erzählt Ali. Auf die Frage, welches das für ihn schwierigste deutsche Wort sei, antwortet er “Kreisverwaltung”. Das sorgt für Gelächter im Raum.

“Wir haben viele Probleme in unseren Ländern“, berichtet ein junger Afghane namens Javid, der die deutsche Sprache bereits gut beherrscht. Die Teilnehmer wollen loswerden, was ihnen widerfahren ist und berichten von ihrem Leben und ihrer Flucht, bei der es nicht selten um Leben und Tod ging: „50 Tage war ich auf der Flucht in einem LKW”, erzählt ein anderer afghanischer Asylbewerber. Es herrscht Stille im kleinen Klassenraum des Seniorenbüros. Jeder hier hat Ähnliches durchlebt und die meisten starren auf die Klappe ihres Deutschbuchs.

Das Interesse am Anfängerkurs ist besonders groß. Foto: Angela Gräsel

Das Interesse am Anfängerkurs ist besonders groß.

Im Stockwerk darüber findet zeitgleich ein Kurs für die Anfänger statt. Der gesamte Raum ist voller Menschen aus verschiedensten Ländern. Auch viel mehr Studierende sind anwesend, die als Lehrer fungieren. Trotz der doppelten Teilnehmerzahl als im Stockwerk darunter ist es auch hier ganz still. Alle blicken konzentriert auf ihre Unterlagen oder zur Tafel, wo gerade eine Studentin die Namen verschiedener Möbel erklärt. Die Inhalte der Stunden sind so angepasst, dass die Vokabeln den Flüchtlingen vor allem bei der Bewältigung des deutschen Alltags helfen.

Eine Studentin erklärt Alltagsbegriffe an der Tafel. Foto: Angela Gräsel

Eine Studentin erklärt Alltagsbegriffe an der Tafel. Fotos: Angela Gräsel

Kinderbetreuung und Deutschunterricht für Kinder

Weiter hinten im Raum sitzen Katharina Richert und Klara Ventz. Die beiden 24 und 20 Jahre alten Studentinnen sind gerade dabei, Infozettel vorzubereiten, durch die sie mehr Frauen ermutigen wollen, an den Kursen teilzunehmen: “Die Frauen müssen oft zu Hause auf die Kinder aufpassen und haben deswegen keine Möglichkeit, zum Unterricht zu kommen. Deshalb bieten wir jetzt für die Zeit, in der die Kurse stattfinden, eine Kinderbetreuung und auch Deutschunterricht für die Kinder an”, erzählen sie. Beide setzten sich dafür ein, dass der Sprachkurs für Anfänger ins Leben gerufen werden konnte. Die Flüchtlingsorganisation “Café-Asyl”, in der sich beide engagieren, die Volkshochschule und die Universität Koblenz-Landau arbeiten Hand in Hand zusammen, damit die Sprachkurse bestehen können. “Zunächst konnte durch Spenden, die über das Café Asyl eingenommen wurden, Frau Cleres für den Fortgeschrittenenkurs eingestellt werden. Weil die Resonanz groß war und mit der Zeit immer mehr Flüchtlinge kamen, starteten wir deshalb im Juli mit einem Anfängerkurs”, berichtet Katharina.

Klara und Katharina bei der Vorbereitung von Infomaterial für weibliche Asylbewerberinnen. Foto: Angela Gräsel

Klara und Katharina bei der Vorbereitung von Infomaterial für weibliche Asylbewerberinnen. Foto: Angela Gräsel

Im Raum fallen zwei weitere Studentinnen auf, die am Rand sitzen. Sie sind das erste Mal beim Sprachkurs und wollen in Zukunft auch einige Kurse übernehmen. “Für die neuen Studierenden wollen wir bald einen Workshop machen, in dem sie lernen, wie man die Sprache am besten vermittelt, damit man als Neuling direkt loslegen kann”, erzählt Klara. Der Ansturm und die Bereitschaft der Studierenden zu helfen, seien groß: “Wir haben sogar fast schon zu viele”, berichten Klara und Katharina mit einem zufriedenen Lächeln. Vor jedem Kurs sprechen sich die Studentinnen untereinander und auch mit Frau Cleres ab, was Thema der jeweiligen Stunde sein wird. Neben der Vorbereitung von Arbeitsblättern oder Vokabelkarten gehöre aber auch viel Improvisation zu einem Deutschkurs für Asylbewerber: “Da leistet man auch schauspielerisch einiges, wenn man mit Händen und Füßen erklärt”, sagt Katharina lachend.

Die Teilnehmer konzentrieren sich auf den Unterricht. Foto: Anglea Gräsel

Die Teilnehmer konzentrieren sich auf den Unterricht. Foto: Anglea Gräsel

Die Kursteilnehmer haben ganz unterschiedliche Vorkenntnisse. Einige können lesen, andere nicht. Das unterschiedliche Niveau ist damit eine der größten Schwierigkeiten, mit denen die Studierenden umgehen müssen. “Genau das ist aber auch total spannend. In meinem späteren Beruf als Sonderpädagogin hat man auch keine homogenen Gruppen. Man kann unglaublich viel Erfahrung aus dieser Situation ziehen. Vor allem menschlich”, berichtet Klara.

Ein richtiges Lehrer-Schüler-Verhältnis kommt allerdings nicht auf. Die Beziehung zu den Kursteilnehmern ist ungezwungen: “Man freundet sich untereinander an, wird zum Essen eingeladen. Da nimmt man auch emotional einiges mit nach Hause”, berichtet Klara.” Natürlich sind die Geschichten hart – wenn man beispielsweise erzählt bekommt, dass jemand eine Woche auf dem Flüchtlingsboot unterwegs war und die Familie zurücklassen musste. Was sonst immer in den Nachrichten zu sehen ist, ist plötzlich ganz nah”, sagt Katharina. Die vielen lauten Stimmen, die plötzlich durch den Gang hallen, reißen sie aus dem Gespräch. Eine Etage tiefer ist der Sprachkurs für Fortgeschrittene zu Ende. Ein bisschen erinnert jetzt doch alles an ganz normale Schüler – außer vielleicht, dass sich alle herzlich bei ihren Lehren bedanken, sobald sie den Raum verlassen.

Angela Gräsel

7 Kommentare

  1. Sabrina Hofmann - Jugendwerk St. Josef sagt

    Hallo,

    ich arbeite im Jugendwerk St. Josef in Landau als Erzieherin.
    Dort nehmen wir seit einiger Zeit unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf.
    In der stationären Wohngruppe 8/9 wohnen zur Zeit fünf Flüchtlinge.
    Wir suchen für die Jungs kostenlose Möglichkeiten, um zusätzlich zu unseren Deutsch-Lern-Angeboten, noch häufiger Deutsch zu lernen.
    Außerdem wäre es schön, wenn sie Menschen aus ihrem Herkunftsland, die in LD wohnen kennenlernen könnten.
    Könnten wir mit unseren Flüchtlingen euren Deutschkurs einfach so besuchen oder gibt es Anmeldefristen bzw. gewisse Zeiten im Jahr, in denen sie beginnen?

    Unsere Flüchtlinge sind aus Afghanistan und Ätophien.

    Wäre super schön, wenn Sie uns zeitnah anworten könnten. 🙂

    Danke schonmal.

    Mit freundlichen Grüßen Sabrina Hofmann

  2. Sebastian Schmitt sagt

    Hallo,

    nach ersten Besuchen in den Notunterkünften hier in Kaiserslautern habe ich einen hohen Bedarf an Deutschunterricht festgestellt, welcher zurzeit nicht ausreichend durch die öffentlichen Einrichtungen gedeckt wird. Ich möchte mich deshalb um ein zusätzliches Angebot bemühen, und bin bei meiner ersten Suche auf Ihren Artikel gestoßen. Ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt treten könnten, um von Ihren Erfahrungen zu profitieren.

    Würden Sie sich bei mir melden? Fände ich super!

    Vielen Dank und beste Grüße aus Lautern!

    • Hallo Herr Schmitt,

      aus Datenschutzgründen dürfen wir Ihnen leider keine E-Mail-Adressen weitergeben. Am besten fragen Sie bei der VHS Landau mit Verweis auf diesen Artikel an, die können sicher einen Kontakt herstellen.

      Viel Erfolg und schöne Grüße,
      die Redaktion

  3. Lujain sagt

    Hallo ich bin lujain,ich komme aus syrien, ich wohne in koblenz ,ich bin 16 jahre alt und jetzt bin ich schon fertig mit den A2 bücher.. Heutzutage habe ich sommerferien aber ich will kein stopp machen ich will in diese ferien bei einem sprackkurs ein teilen zu lernen deshalb suche ich ein sprach kurs , können sie mir helfen?vielen Dank

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