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Ein Auslandssemester in Indien

Imposantes Gebäude: Die Bibliothek des IIT. Foto: IIT Kanpur Imposantes Gebäude: Die Bibliothek des IIT. Foto: IIT Kanpur

Jasmin Schneider ist 24 Jahre alt und studiert im Master Psychologie am Campus Landau. Das fünfte Semester verbrachte sie am IIT, dem Indian Institute of Technology Kanpur. Im Uniblog berichtet sie von heiligen Städten, klimatischen Herausforderungen und unvergesslichen Erlebnissen.

Indien präsentierte sich mir von ganz verschiedenen Seiten: eindrucksvoll, gastfreundlich, vielfältig, heiß, bunt, laut, scharf, schnell, neugierig, interessiert, abwechslungsreich und unglaublich faszinierend. Ein Auslandssemester in diesem Land bringt durchaus einige Herausforderungen mit sich, aber der derzeit zweitbevölkerungsreichste Staat der Welt ist auch voller Überraschungen und hat – gerade für Studierende – einiges zu bieten.

Jasmin Schneider am Haupteingang zum IIT Kanpur. Foto: Privat

Jasmin Schneider am Haupteingang zum IIT Kanpur. Foto: Privat

Mein Aufenthalt am Humanities & Social Sciences Department des IIT Kanpur (gegründet 1959) war eine wirkliche – sowohl fachliche, als auch persönliche – Bereicherung. Abwechslungsreiche und anregende Lehre durfte ich sowohl in Psychologie- als auch in Philosophie- und Soziologie-Kursen erleben. Forschung wird in jedem Land nicht zuletzt durch dessen Historie und politische Vergangenheit geprägt, die „indische Perspektive“ dieser Fächer auch in Bezug auf internationale Forschung kennen zu lernen, stellte eine tolle Ergänzung zum Studium und der Perspektive dar, die ich aus Deutschland kannte. Gastvorträge, Veranstaltungen oder Workshops von Dozenten aus allen möglichen Teilen der Welt sowie zahlreiche studentische Veranstaltungen waren zentrales Element meines Uni-Alltags.

Das Campusleben selbst hätte abwechslungsreicher nicht sein können – ausgestattet mit modernsten Sportanlagen bietet der Campus (ca. 420 Hektar) jede nur erdenkliche Sportart an, der man nachgehen kann, wenn man sich an bunten Sarees (traditionelle indische Kleidungsstücke), abenteuerlichen Rikscha-Fahrten, Kühen, Schlangen, Affen und Pfauen (fressen die Schlangen) satt gesehen hat. Das Zusammenleben der etwa 4000 Studierenden auf dem Campus, die Aufgeschlossenheit, Offenheit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit sämtlicher Studierender vor Ort erleichtern das Eintauchen in die indische Kultur und Lebensweise ungemein. Am Ende des Tages sind es dann besonders die Besuche bei den Familien meiner neuen Freunde vor Ort, die mir die indische Kultur, Tradition und Lebensweise näher bringen konnten, als ich es im Vorfeld je für möglich gehalten hätte.

Die heiligste Stadt der Hindus: Varanasi. Bild: Privat

Die heiligste Stadt der Hindus: Varanasi. Bild: Privat

In den Semesterferien war dann Zeit, um andere indische Regionen zu entdecken: Mein persönliches Highlight war der Besuch einer der ältesten durchgängig bewohnten Städte der Welt: Varanasi. Sie wird von den Hindus auch als heilig deklariert. Direkt am Ganges gelegen, ist diese Stadt für Hindus von ganz besonderer Bedeutung: Wer hier verstirbt, erlangt – hinduistischen Überzeugungen zufolge – sofort moksha, das heißt Erleuchtung beziehungsweise die Erlösung vom ewigen Kreis der Wiedergeburt.

Landschaftlich bietet Indien alles, was das Semesterferien-Herz eines Studierenden begeistern kann: einen Trekking-Trip nach Dharamsala (der Heimat des Dalai Lama), eine Strand-Auszeit in Goa, River Rafting in Rishikesh oder – Kultur pur -Tempelbesichtigungen, zum Beispiel in der Stadt Khajuraho, deren Tempelgruppen zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. Alternativ ebenfalls empfehlenswert: eine urbane Shopping-Tour durch die Märkte Delhis oder Bombays.

Sollte man sich unbedingt ansehen, wenn man in Indien ist: Taj Mahal. Foto: Privat

Sollte man sich unbedingt ansehen, wenn man in Indien ist: Taj Mahal. Foto: Privat

In Indien zu leben, konfrontiert früher oder später vermutlich jeden Gast mit unterschiedlichen Herausforderungen. Diese können durch die – besonders in den Sommermonaten extremen – klimatischen Bedingungen entstehen: 40 Grad sind keine Seltenheit, ob man die Klimaanlagen in sämtlichen Räumen deshalb überall auf gefühlte minus 10 Grad einstellen muss, könnte man an dieser Stelle diskutieren. Ganz zu schweigen vom Monsun-Regen, der schon einmal einen gesamten Tag andauern kann und die Elektrizität flach zu legen vermag.

Die Lecture Hall. Foto: IIT Kanpur

Die Lecture Hall. Foto: IIT Kanpur

Am IIT Kanpur gibt es nach Geschlechtern getrennte Studentenwohnheime. Um ein Essen in der Mensa oder einen Chai (indischer Gewürztee) in einem Wohnheim beim anderen Geschlecht einnehmen zu dürfen, müssen sich alle Besucher vorab in ein Gästebuch eintragen. Das „Auschecken“ sollte man beim Verlassen des Wohnheims auf keinen Fall vergessen, weil sonst die Security Guards spätestens um Mitternacht dazu verpflichtet sind, die Suche aufzunehmen. Erforderlich sind oftmals Geduld und die Bereitschaft, sich auf Dinge einzulassen, die man vielleicht erst auf den zweiten oder dritten Blick verstehen und nachvollziehen kann. Gleichzeitig wird man durch einen längeren Aufenthalt in diesem Land  und am IIT Kanpur nicht nur mit brauchbaren Grundkenntnissen in Hindi, sondern auch mit unvergesslichen Eindrücken, abenteuerlichen Erlebnissen und Begegnungen ausgestattet, die man nicht mehr missen möchte.

Protokoll: Giovanna Marasco

Swimming Pool am IIT. Foto: IIT Kanpur

Swimming Pool am IIT. Foto: IIT Kanpur

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