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Alles normal?

Um die kulturelle Selbstverständigung geht es im campusübergreifenden Forschungsschwerpunkt Kultur-Norm. Foto: Fotolia/ agsandrew Um die kulturelle Selbstverständigung geht es im campusübergreifenden Forschungsschwerpunkt Kultur-Norm. Foto: Fotolia/ agsandrew

Was ist normal? Was heißt Tradition? Woran orientieren wir uns? Was ist für uns verbindlich? Wie drückt sich die Normativität unserer Lebensform im Handeln aus? Das Themenfeld des Forschungsschwerpunktes Kulturelle Orientierung und normative Bindung, kurz Kultur-Norm, ist breit gespannt: In insgesamt neun Projekten identifizieren Wissenschaftler standortübergreifend Fragestellungen der kulturellen Selbstverständigung hinsichtlich ihrer normativen Facetten.

Kultur-Norm ist neben KoMePol und AufLand einer von drei Forschungsschwerpunkten der Universität, die im Rahmen der Forschungsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz gefördert werden. Der Schwerpunkt wird von den Kultur- und Geisteswissenschaften getragen und teilt sich in drei Cluster, in denen wiederum in Einzelprojekten geforscht wird. Vertreter der Soziologie, Philosophie, Pädagogik, Ethnologie, Theologie, Romanistik und Germanistik nähern sich mit jeweils eigenem Blickwinkel den gemeinsamen Fragestellungen zur kulturellen Selbstverständigung. “Interdisziplinär zu arbeiten ist ein Prozess. In einem Verbundprojekt muss man einander zuhören und verstehen. Besonders spannend ist es dann, wenn man gemeinsame Methodenfragen oder thematische Anschlussstellen entdeckt”, berichtet Dr. Marion Steinicke. Zusammen mit Anna Magdalena Schaupp koordiniert sie das Projekt. Die produktiven Reibungspunkte bestimmen die Arbeit der Wissenschaftler. Tagungen,  Konferenzen und Workshops werden organisiert und häufig in Zusammenarbeit mit Nachwuchswissenschaftlern durchgeführt.

Dr. Marion Steinicke, Koordinatorin des Forschungsschwerpunktes "Kulturelle Orientierung und normative Bindung" am Campus Koblenz. Foto: Marius Adam

Dr. Marion Steinicke, wissenschaftliche Koordinatorin des Forschungsschwerpunktes “Kulturelle Orientierung und normative Bindung” am Campus Koblenz. Foto: Marius Adam

Spannungsfeld zwischen Normen, Verbindlichkeiten und Orientierungen

In den einzelnen Clustern widmen sich die Professoren verschiedenen Forschungsfeldern. Während sich Cluster eins mit dem Thema “Kultur und Lebensform” beschäftigt, stehen im zweiten Cluster Fragen zur Normativität, Identität und Leiblichkeit im Vordergrund. Das dritte Cluster hat sich auf kulturelle Öffentlichkeit und die Verbindlichkeit von Sprache spezialisiert. Die Gemeinsamkeit der Projekte: Der Versuch zu beschreiben, worin sich kulturelle Orientierung und normative Bindung transportiert. “Im Klassenzimmer sprechen die Schüler anders als auf dem Pausenhof.  Es gibt dementsprechend eine Verbindlichkeit der Sprache, die sich nach dem jeweiligen Kontext, in dem gesprochen wird, richtet. Diese Verbindlichkeit wird innerhalb der Projekte untersucht”, erklärt Schaupp. “Ein anderes Beispiel ist das Tätowieren. Früher haben sich die Seefahrer tätowiert. Heute hat fast jeder ein Tattoo. Was damals die normative Bindung an eine bestimmte Gruppe signalisierte, ist heute in vielen sozialen Kontexten präsent.”

Diplom-Pädagogin Anna Magdalena Schaupp. Foto: Marius Adam.

Diplom-Pädagogin Anna Magdalena Schaupp ist für die wissenschaftliche Koordination des Forschungsschwerpunkts am Campus Koblenz zuständig. Foto: Lisa Leyerer.

Forschung als Brücke zwischen Koblenz und Landau

Neben der Aufgabe, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu stärken, liegt das Augenmerk besonders in der standortübergreifenden Kooperation. “Wir fragen uns zunächst nicht, auf welchem der beiden Campi eine Tagung stattfinden soll, sondern wie wir die Thematik inhaltlich gut zusammenbringen können”, betont Schaupp. Um diese Brücke zwischen den beiden Standorten der Universität zu schlagen, sind die Koordinatorinnen als Vermittlerinnen von entscheidender Bedeutung. “Unsere Aufgabe ist es, die Distanz zu überbrücken, damit der Inhalt im Vordergrund stehen kann.”

Der Forschungsschwerpunkt kooperiert mit nationalen und internationalen Partnern. Der erweiterte Blickwinkel bringt viele Vorteile: Die Wissenschaftler können ihr Wissen und ihre Forschungsergebnisse weitergeben und zur Diskussion stellen. Sie erhalten wichtige Anregungen aus anderen Disziplinen und Projekten. Aber nicht nur die Kooperationen mit anderen, auch internationalen, Universitäten und Einrichtungen stärken den Forschungsschwerpunkt. “Vor allem das Wir-Gefühl der Universität wird gestärkt”, ist sich Schaupp sicher.

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