Kolumne
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Elche in Schweden: Bitte nur gucken

Heute schreibt Campus-Reporter René Lang. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

Heute schreibt Campus-Reporter René Lang. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. René Lang gerät heute ins Schwärmen, wenn er an seinen Urlaub in Schweden zurückdenkt. Im September bereiste er mit seiner Partnerin den mittleren Teil des Landes.

Im hohen Norden liegt ein Märchenland: Hunderte von Seen, endlose Wälder und wundersame Tiere begeistern Naturliebhaber aus aller Welt. In der ländlichen Region verzaubert der Charme der rot lackierten Holzhäuser den Betrachter. Wie ein riesiges Freilichtmuseum erstreckte sich die Heimat von Michel aus Lönneberga und Pippi Langstrumpf. Schweden zog uns von Anfang an in seinen Bann.

All inclusive Hotelurlaub auf den Malediven? Nein, danke. Etwas aufregender als sieben Tage Pool sollte es schon werden. Zwei Jahre haben meine Freundin und ich auf diese Reise gespart und Informationen gesammelt. Der Plan war simpel. Mit dem Auto einmal quer durch Schweden bis nach Stockholm und wieder zurück. Wer das Abenteuer sucht, findet es auf der Straße. Mit diesem Gedanken und meinem vollgepackten Kia machten wir uns auf den Weg, um nach elf-stündiger Autofahrt endlich in Malmö anzukommen. “In Schweden ist schon Winter, also packt euch dicke Sachen ein”, lauteten die Ratschläge unserer Eltern. Begrüßt wurden wir von strahlendem Sonnenschein. Unser erster Stop war ein Campingplatz im Westen Schwedens, der direkt an der Nordsee lag. Auf der anderen Seite der Meerenge verrieten schwache Lichter den Standort der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Die nächsten Tage waren so warm, dass man in kurzer Hose am Strand entlang spazieren und die Füße im Salzwasser einweichen konnte.

Den Massen entfliehen

Bei einer Bevölkerungsdichte von etwa 23 Einwohnern pro Quadratkilometer findet man in Schweden schnell ruhige Plätzchen. Nur zum Vergleich, in Deutschland ist es die zehnfache Menge an Einwohnern. Bei unseren Wanderungen waren wir stundenlang ungestört, bevor wie auf jemanden trafen. Oftmals konnten wir die Umgebung genießen, ohne den Moment mit anderen Personen teilen zu müssen. Dabei beeindruckt Schweden mit grünen Wäldern, riesigen Sumpflandschaften und zahllosen Seen. Viele Wanderwege führen über Planken, um nicht im Morast zu versinken. Der feuchte Waldboden gleicht einem Meer aus Pilzen. Wenn wir morgens aus dem Zelt traten, wurden wir mit atemberaubenden Ausblicken begrüßt. Mit der Dauer unseres Aufenthalts ging auch ein Temperaturwechsel einher. Die Nächte wurden zwar deutlich kälter, der Himmel blieb aber klar. Oft konnten wir Sonnenuntergänge verfolgen und uns danach in den Sternen verlieren.

Schweden beeindruckt mit Wäldern, Sumpflandschaften und Seen. Foto: René Lang

Schweden beeindruckt mit Wäldern, Sumpflandschaften und Seen. Foto: René Lang

Der König des Waldes

Der Elch ist das inoffizielle Wahrzeichen Schwedens. Die Tiere bringen bis zu 700 Kilogramm auf die Waage, während sie durch die Wälder des Landes streifen. Trotzdem ist es nahezu unmöglich, in der freien Natur auf einen Elch zu treffen. Die sanften Riesen scheuen die Nähe von Menschen, weil sie zur Jagd freigegeben sind. Da wir aber einen Elch aus der Nähe bewundern wollten, besuchten wir einen der zahlreichen Älgparks. Hier lassen sich die Elche in ihren Gehegen bewundern, füttern und sogar streicheln. In die Jungtiere haben wir uns auf den ersten Blick verliebt. Dabei war sogar von Adoption die Rede. Ein Vorschlag, dessen Umsetzung mein Auto nicht überlebt hätte. Als wir den Park verlassen wollten, bot sich uns die skurrilste Szene des Urlaubs: Besucher, die genüsslich Elch-Hotdogs verspeisten. Wie konnte man so faszinierende Tiere nur essen? Und das, obwohl man sie kurz zuvor kennenlernen konnte? Unser Appell an alle, die zukünftig einen Elchpark besuchen werden: Bitte nur gucken, nicht schlucken.

In Älgparks konnten wir die majestätischen Elche beobachten, die man in freier Natur nur selten zu Gesicht bekommt. Foto: René Lang

In Älgparks konnten wir die majestätischen Elche beobachten, die man in freier Natur nur selten zu Gesicht bekommt. Foto: René Lang

Vom Natururlaub zum Städtetrip

Den Abschluss unserer Reise bildete ein Aufenthalt in Stockholm. Da wir die vergangenen Wochen vor allem in der Natur verbrachten, fiel uns der Wechsel in das städtische Umfeld nicht leicht. Als wir das erste Mal aus der U-Bahn traten, fühlten wir uns von den Menschenmassen überrannt. Stockholm ist nicht nur die schwedische Hauptstadt, sondern auch die größte Metropole Skandinaviens. Begeistert waren wir von Södermalm, der selbsternannten Hipster-Insel Stockholms. Zahlreiche Studierende, Freigeister und Kleinkünstler haben den früheren Arbeiterbezirk in ein kulturelles Szeneviertel verwandelt. Hier reihen sich Kneipen, Secondhand-Läden und Antiquitätenhändler aneinander, während vorwiegend junge Menschen die Straßen füllen. Schwedisches Essen durfte nicht fehlen. Im Meatballs for the People hatten wir die Gelegenheit, von den besten Köttbullar der Stadt zu kosten. Überwältigt von neuen Eindrücken und mit vollen Mägen, ging es von Stockholm aus wieder in die Heimat. An der Küstenlinie zur Ostsee fuhren wir, mit Zwischenstopp in Flensburg, etwa 21 Stunden bis nach Koblenz zurück. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Schwedens Hauptstadt Stockholm ist die größte Metropole Skandinaviens. Foto: René Lang

Schwedens Hauptstadt Stockholm ist die größte Metropole Skandinaviens. Foto: René Lang

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