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Knigge: Es sind die kleinen Dinge, die Wertschätzung zeigen

Es sind die kleinen Dinge, die einem Menschen Wertschätzung und Respekt entgegen bringen, meint Moritz Freiherr Knigge. Der Urahn von Adolf Freiherr sprach in der Landauer Jugendstil-Festhalle im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Große Begegnungen“ des Zentrums für Kultur- und Wissensdialog (ZKW) zum Thema: „Wie macht man’s richtig, Herr Knigge?“

Es sind die kleinen Dinge, die einem Menschen Wertschätzung und Respekt zeigen, weiß Moritz Freiherr Knigge. Foto: Hiller

Es sind die kleinen Dinge, die einem Menschen Wertschätzung und Respekt zeigen, weiß Moritz Freiherr Knigge.

Die Menschen zu verblüffen ist eine Methode, die in der Regel Aufmerksamkeit einbringt. Und manchmal auch Verwirrung stiftet. So staunten einige Zuschauer in der Landauer Festhallte nicht schlecht, als Moritz Freiherr Knigge die Bühne betrat und erst einmal klarstellte, dass weder sein Urahn Adolf Freiherr von Knigge noch er selbst viel mit Etikette am Hut hätten. „Adolf lehnte allzu steife Etikette sogar als unmenschlich ab“, sagte der 45-jährige. „Er war ein Querdenker und ein Unterstützer der französischen Revolution.“ Sein berühmtes Werk „Über den Umgang mit Menschen“ sei in Wahrheit kein Benimm-Ratgeber: Der Begriff „Etikette“ falle gar in nur einem Satz. Die Intention dahinter sei vielmehr diese: „Adolf Freiherr von Knigge bemerkte, dass er viele Menschen in seinem Leben schlecht behandelt hatte. Deshalb schrieb er ein Buch darüber, wie man richtig mit Menschen umgeht.“ Vieles davon ließe sich auch auf die aktuelle Zeit übertragen. Der 1968 geborene Knigge arbeitet heute als Coach für Unternehmen und als Autor. In den Medien ist er ein gern gefragter Gesprächspartner.

Knigge und das Regelwerk des richtigen Benehmens

Die meisten Menschen assoziieren mit dem Namen Knigge ein Regelwerk des richtigen Benehmens. So werden Moritz Freiherr Knigge auch immer wieder Fragen gestellt. Zum beispielsweise, wie man das Besteck richtig halte, erläutert er. „Es gibt dabei aber nichts langweiligeres, als sich darüber Gedanken zu machen, wie man Messer und Gabel richtig einsetzt“, kontert Knigge dann. Seine Arbeit setze nämlich schon früher an: „Es ist sehr wichtig, andere Menschen überhaupt wahrzunehmen“, sagt er. Wertschätzung und Respekt für das Gegenüber drücken sich in vielen Kleinigkeiten aus. Das kann schon bei einem einfachen Morgengruß im Fahrstuhl beginnen. „Die Kunst für den richtigen Umgang liegt nicht zuletzt darin, sich darüber bewusst zu werden, wie das eigene Verhalten auf andere Menschen wirkt“, erklärt Knigge. Sein Leitspruch darum: „Interessiere dich für andere, wenn sich andere für dich interessieren sollen.“

Knigge bei der Autogrammstunde. Foto: Hiller

Moritz Freiherr Knigge bei der Autogrammstunde.

Es gebe nichts langweiligeres, als sich darüber Gedanken zu machen, wie man Messer und Gabel richtig einsetze, sagt Knigge. Viel wichtiger sei es, "andere Menschen überhaupt wahrzunehmen“. Foto: Hiller

Es gebe nichts langweiligeres, als sich darüber Gedanken zu machen, wie man Messer und Gabel richtig einsetze, sagt Knigge. Viel wichtiger sei es, “andere Menschen überhaupt wahrzunehmen“.

 

Wertschätzende Kommunikation – nicht zu unterschätzen

Knigge wirkt wie ein ganz normaler Mensch, nicht wie einer, bei dem man sich ausschließlich darüber Gedanken machen sollte, bloß nichts falsch zu machen. Er macht Witze und benutzt auch Wörter, die man in seinem Wortschatz eher nicht vermutet hätte. Eines seiner weiteren Themen auf der Landauer Bühne: Die wertschätzende Kommunikation. So rät er, Konflikte niemals über E-Mail zu klären, vor allem nicht im Affekt. „Sobald Ihre E-Mail abgeschickt ist, hat der Empfänger die Deutungshoheit“, sagt er. „Und das gilt es zu vermeiden“. Dieses Prinzip funktioniert auch in der analogen Kommunikation. Entschuldigt man sich bereits im Vorfeld dafür, dass das Handy aus einem wichtigen Grund klingeln könnte, „klaut man dem Gegenüber jede Interpretationsmöglichkeit, erntet Verständnis und gilt nicht als unhöflich“.

Zweieinhalb Stunden gab Knigge in der Landauer Festhalle Einblicke in die Welt des guten Benehmens. Die Zeit nach dem Vortrag hatte er sich für eine Autogrammstunde reserviert. Dass er in seine eigenen Tipps in allen Lebenslagen anwendet, bewies er mit den entschuldigenden Schlussworten: “Ich schreibe Ihnen gerne eine persönliche Widmung und beantworte Ihre Fragen. Sollte der Andrang aber zu groß werden, möchte ich die anderen Gäste nicht allzu lange warten lassen.”

Sarah Ochs

Die UniBlog-Reporterinnen Sarah Ochs und Lisa Leyerer waren mit der Kamera unterwegs und haben den Benimm-Experten Moritz Freiherr Knigge interviewt und seinen Auftritt in der Festhalle festgehalten.

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