Kolumne
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Ist das klausurrelevant?

Heute schreibt Campus-Reporter René Lang. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant Heute schreibt Campus-Reporter René Lang. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute beschreibt René Lang seine Gefühle in der Prüfungsphase.

Es ist mal wieder soweit: Das Wintersemester neigt sich dem Ende, die Zeit der Klausuren und Abschlussprüfungen rückt näher. Langsam, aber sicher verfalle ich in einen Zustand des Dauerstresses. Bücher, Blätter und Karteikarten und stapeln sich auf meinem Schreibtisch. Ich entwickle einen Tunnelblick, der sich ausschließlich auf das zu Lernende beschränkt. Freunde, Familie und Freizeitaktivitäten bleiben zwangsweise auf der Strecke. Dabei läuft meine Vorbereitung auf anstehende Klausuren jedes Semester gleich ab: Ich durchlebe die fünf Phasen der Trauer in angepasster Form.

“In einer Welt, in der Trump Präsident werden und Pietro Lombardi ein Buch schreiben kann, wirst du es auch schaffen, deine Prüfungen zu bestehen. #prüfungsphase” Quelle: JODEL

Es beginnt mit der Verleugnung. Ich habe noch mehr als genug Zeit. Soviel ist es dieses Mal auch nicht. Morgen starte ich wirklich, aber dann den ganzen Tag. Diese und ähnliche Gedanken hindern mich daran, frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen. Mit der Gewissheit, dass die Prüfungen noch einige Wochen in der Zukunft liegen, beschäftige ich mich gerne mit allen anderen Dingen, zum Beispiel mit schmackhaftem Essen oder mit meiner Lieblingsserie. Bis es zu spät ist.

Sobald ich begreife, wie knapp ich vor einem völligen Desaster stehe, packt mich die Wut: Warum passiert mir das immer wieder? Es ist jedes Mal dasselbe Trauerspiel. Anfangs ärgere ich mich nur über mich selbst, aber mit der Zeit kommen weitere Aspekte dazu. Jegliche Kontaktaufnahme von außen empfinde als Störung. Facebook wird zur Quelle puren Neids. Bilder von Freunden, die ihren Spaß fernab des Schreibtisches haben, werden keines zweiten Blickes gewürdigt. Und letztlich richtet sich mein Zorn auf diejenigen, die scheinbar Schuld sind an meinem Elend: Die Lehrenden der Universität.

“Eine Klausur ‘merkeln’: Im Drittversuch einer Prüfung stehen, ohne zu wissen, was man anders machen soll als vorher.” Quelle: JODEL

Warum schiebe ich die Klausur nicht einfach? Ein Semester mehr oder weniger tut schon nicht weh. Oder soll ich mich doch lieber auf die Grundbegriffe beschränken und auf einen gutmütigen Prüfer hoffen? In meinem Kopf kreisen die Gedanken. Ich bin im dritten Stadium angelangt: dem Verhandeln. Präzise wie ein Computer versuche ich, die möglichen Variablen einer Gleichung zu identifizieren, die ich nicht verstehe. Welche Optionen bieten sich mir? Was kann ich wagen? Mit wem kann ich mich gut arrangieren, um die Sache unbeschadet zu überstehen? Einer finalen Lösung nähere ich mich dabei nicht.

“Kennt ihr das, wenn man beruhigt einschlafen kann, weil man alle Arbeit erledigt hat, die man sich am Tag vorgenommen hat? Ne, ich auch nicht.” Quelle: JODEL

Es ist aus. Ein Gefühl von Einsamkeit und Leere ergreift mich. Niemand kann mir helfen. Die Depression hält ihren melancholischen Einzug in mein Gemüt. Statt mich endlich auf meine Prüfungen vorzubereiten, sehe ich den Text vor lauter Buchstaben nicht mehr. Der Tag der Klausur steht kurz bevor. Mein Kopf dröhnt von der Belastung ständiger Inanspruchnahme. Und ehe ich mir dessen bewusst bin, befinde ich mich mitten in meiner Prüfung.

Wie es gelaufen ist, kann ich nicht mehr sagen. Vielleicht gut, vielleicht schlecht. Ich weiß nur eins mit Gewissheit: Es ist getan! Der Zirkel des Dauerstresses ist durchbrochen, der Vorhang gefallen. Akzeptanz heißt das Schlüsselwort. Da ich zu diesem Zeitpunkt keinen Einfluss mehr auf alles Weitere habe, fühle ich mich von einer immensen Last befreit. Abgesehen davon habe ich einen neuen Entschluss getroffen: Vor der nächsten Prüfungsphase werde ich frühzeitig mit dem Lernen beginnen. Davon bringt mich nichts mehr ab. Außer es passiert etwas extrem Wichtiges. Oder es gibt leckeres Essen. Oder meine Lieblings-Serie läuft gerade…

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