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Frauen in der Debatte: Erster Rhetorik-Slam Landau

Was hat es auf sich mit der weiblichen Rede? Der erste Rhetorik-Slam Landau gibt Aufschluss. Foto: Fotolia - ra2 studio Was hat es auf sich mit der weiblichen Rede? Der erste Rhetorik-Slam Landau gibt Aufschluss. Foto: Fotolia - ra2 studio

Eine Stimme zu haben, ist Voraussetzung für politische Partizipation. Das Wort wirken zu lassen, ist rhetorische Kunst. Wie beherrschen Frauen diese Kunst? Reden sie anders als Männer? Was hat es auf sich mit der weiblichen Rede? Antworten darauf bietet der erste Rhetorik-Slam Landau, zu dem die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Landau, Evi Julier, und der Universität, Francesca Vidal, am 9. Juli, 19 Uhr, in den Festsaal der Universität in Landau  einladen. UniBlog hat im Vorfeld mit der Rhetorikerin Vidal über Redekunst gesprochen.

Heute läuft ein Großteil der Kommunikation schriftlich – sei es über E-Mail, SMS oder Whatsapp. Muss man heute überhaupt noch ein guter Redner sein?

Oder eine gute Rednerin? Mal davon abgesehen, dass die Regeln der Rhetorik auch gelten, wenn wir schriftlich überzeugen wollen. Menschen, die wir hören und sehen, sprechen uns direkter an, sie als Rednerinnen oder Redner erlebt zu haben, macht sie glaubwürdiger, auch wenn wir danach evtl. mehr von ihnen lesen. Politikerinnen und Politiker in einer Demokratie müssen reden, sei es nun in Verhandlungen oder vor einem Publikum. Durch die Rede erläutern sie ihre Entscheidungen. Jede Demokratie lebt von Rede und Gegenrede. Auch in der Wissenschaft sollten wir unsere Standpunkte, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit und auch unsere Fragen vertreten können, auch hier in Rede und Gegenrede. Wer andere überzeugen will, braucht auch in Zeiten des Internets rhetorische Fähigkeiten.

Wie man mit gutem Reden überzeugt, das hat bekannterweise schon Aristoteles im antiken Griechenland umgetrieben. Was kann ein Redner heute für sich aus der aristotelischen Lehre ziehen?

Das Gebot der Angemessenheit, sowohl an äußere Umstände, Redesituation, Publikum etc. Vor allem auch, dass jede Rede ein Gleichgewicht wahren sollte, von Logos, also das, was unseren Intellekt anspricht, Ethos, das was die Rede glaubwürdig macht und Pathos, die Gefühle und Regungen, die eine Rednerin oder ein Redner in uns weckt, damit wir – wenn wir zustimmen – auch handeln. Aristoteles Rhetorik ist höchst aktuell, sie hilft uns zu verstehen, warum wir etwas als glaubwürdig akzeptieren und dies wird ja in Zeiten der Informationsflut immer schwieriger.

Sie beschäftigen sich als Rhetorikerin wissenschaftlich mit dem Thema „Rede“. Sind Sie selbst gerne Rednerin? Oder lieber Zuhörerin? Denn auch das ist bei der Kommunikation ja wichtig…

Reden und Zuhören gehören zusammen, um noch einmal auf Aristoteles zu kommen, er sagte, Rhetorik behandelt Redner, Redegegenstand und Hörer, das Wichtigste aber sei der Hörer. Ich höre gerne zu, erfahre, was andere denken, und rede gerne, wenn ich denke, dass ich etwas zu sagen habe.

Wann haben Sie selbst am besten mit einer Rede überzeugt? Und wen konnten Sie überzeugen?

Wirkung zu messen, ist immer sehr schwierig. Aber in meiner wissenschaftlichen Laufbahn musste ich viele Vorträge halten, ob sie ankamen, merkte ich deutlich, wenn es um Qualifikationen ging, z. B. im Habilitationsverfahren. Und da konnte ich die Kolleginnen und Kollegen überzeugen. Als Gleichstellungsbeauftrage habe ich das Ziel, vom Sinn gleichstellungsfördernder Maßnahmen zu überzeugen und manchmal gelingt auch dies durch gute Rede.  

Gibt es einen Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Redekunst?

Manche behaupten dies. Ich denke, das hat mehr mit der Wertung durch das Publikum zu tun, das anders reagiert, wenn eine Frau oder ein Mann spricht, manchmal alleine aufgrund der Stimme. Denken Sie z. B. an Rosa Luxemburg, die hat nicht provoziert, weil sie eine spezielle weibliche Rhetorik hatte, sondern weil sie sprach wie ein erfahrener Sozialdemokrat und dabei eine kleine Frau war. Gerade dies machte einigen Männern Angst. Übrigens verweist schon Sokrates darauf, er habe das Reden von einer Frau gelernt und zwar von Aspasia. Jedenfalls behauptet dies Platon, also auch die antike Rhetorik war nicht so eindeutig männliche Kunst.

Welche fünf Tipps haben Sie für die UniBlog-Leser, wie man am besten eine Rede aufbaut und hält?

1. Genau überlegen, was das Ziel der Rede ist und wer die Adressaten, die überzeugt werden sollen und beides nicht aus dem Auge verlieren

2. Den Stoff sammeln, sei es mithilfe eines Mindmap oder von Suchkategorien zu Person und Sache, in der Rhetorik heißt dies Topik, von Topos, dem Ort.

3. Eine sinnvolle Gliederung zusammenstellen, überlegen, welche Argumente angeführt werden sollen

4. Eine Rede soll nicht nur belehren, sondern auch unterhalten oder auch bewegen. Überlegen welche Mittel hier hilfreich sein können.

5. Vorher planen, wie die Rede vorgetragen werden soll, welche Stützen man benötigt, um nicht einfach vom Blatt abzulesen, sondern mehr oder weniger frei zu sprechen. Und beim Vortrag nie den Blickkontakt mit dem Publikum verlieren.

 Kerstin Theilmann

Erster Rhetorik-Slam Landau
9. Juli 2014

19 Uhr
Festsaal der Universität (Bürgerstraße 23)
Eintritt frei

Es debattieren:
– zwei Landauer Politikerinnen: Monika Vogler (SPD) und Susanne Follenius-Büssow (Grüne)

– zwei Professorinnen der Universität in Landau: Judith Hartenstein (Evangelische Theologie) und Annette Schröder (Psychologie)
– zwei politisch aktive Studentinnen Sophia Maroc (Grüne) und Kim Orth (Piraten)

Ehrengast des Abends…
…ist Antje Siebenmorgen, Abteilungsleiterin in der Inlandsabteilung des Bundespräsidialamtes. Sie wird den Wettstreiterinnen Feedback auf ihre Redekunst geben, erläutern, wie „frau“ ihr Publikum am besten erreicht und von ihrer Arbeit im Team des Bundespräsidenten berichten.

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