Promovierende im Interview
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Forschung zur Wasserqualität zwischen Euphrat und Tigris

Abwechslungsreiche Feldforschung zwischen Euphrat und Tigris: Zuhal Gültekin untersucht für ihre Doktorarbeit am Koblenzer Institut für Integrierte Naturwissennschaften den Status quo der Wasserqualität im Osten der Türkei. Foto: Privat Abwechslungsreiche Feldforschung zwischen Euphrat und Tigris: Zuhal Gültekin untersucht für ihre Doktorarbeit am Koblenzer Institut für Integrierte Naturwissennschaften den Status quo der Wasserqualität im Osten der Türkei. Foto: Privat

Zuhal Gültekin hat eine besondere Beziehung zum Osten der Türkei, denn es ist ihre Heimat. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit engagiert sie sich für die Region: Seit 2013 erforscht Sie in der Arbeitsgemeinschaft für Angewandte Fließgewässerökologie am Campus Koblenz die Wasserqualität in den Gebieten um Euphrat und Tigris.

Die Serie: Sie forschen, organisieren Tagungen oder schreiben Fachartikel: In unserer Serie “Promovierende im Interview” berichten wir über Promovierende und ihre Forschung an unserer Universität. Und fragen: Was ist ihr Thema? Wieso haben sie sich für eine Promotion entschieden? Wie organisieren sie ihr Arbeitspensum?

Bitte beschreiben Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen.

Ich untersuche in der Türkei im Einzugsgebiet um Euphrat und Tigris die Wasserqualität und möchte langfristig ein Bewertungsverfahren für die dortigen Gewässer entwickeln. In Europa gibt es solche Bewertungsskalen und -verfahren bereits in jedem Land, in der Türkei stehen wir diesbezüglich noch ziemlich am Anfang. Ich suche in den Gewässern nach verschiedenen wirbellosen Insektenorganismen, die mir als biologisches Indiz für die Qualität des Wassers dienen: Beispielsweise kommen sehr sensible Arten wie Eintagsfliegenlarven oder Steinfliegenlarven verstärkt in sauberen Gewässern vor, die Anzahl dieser Tiere verringert sich, je stärker die Gewässer verunreinigt sind. Als Klassifizierungsgrundlage dienen mir sogenannte “Referenzbäche”, also naturbelassene Gewässer, die die höchste Wasserqualität aufweisen. So lässt sich anschließend der Verunreinigungsgrad anderer Gewässer, beispielsweise in Städten, in Qualitätsstufen von 1 bis 5 einordnen.

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Zunächst wünsche ich mir, mit diesem Thema einen kleinen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz leisten zu können. Davon abgesehen finde ich die Arbeitsweise bei meiner Promotion enorm vielfältig: Ich kann sowohl im Labor als auch draußen in der Natur arbeiten. Außerdem ist es auch ziemlich spannend und abwechslungsreich, in zwei Ländern forschen zu können.

Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden?

Eigentlich kam für mich bis zum Master eine Doktorarbeit gar nicht in Frage. Allerdings habe ich schon in meiner Master-Thesis innerhalb eines deutsch-türkischen Kooperationsprojektes gearbeitet und konnte so die Vielfältigkeit der Feldforschung kennen lernen. Seitdem kann ich mir arbeitstechnisch gar nichts anderes mehr vorstellen.

Wie wird Ihre Promotion finanziert?

Ich hatte Glück, dass die Arbeit zu Beginn über Drittmittel der UNESCO-Förderung International Hydrological Programme (IHP) und Hydrology and Water Resources Programme (HWRP) gefördert wurde. Allerdings lief diese Förderung nach zwei Jahren aus und seitdem finanziere ich mich über ein Stipendium.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits neben der Promotion?

Ich werde über das Stipendien- und Betreuungsprogramm STIBET des Interdisziplinären Promotionszentrums (IPZ) mit dem “Research Assistantship” gefördert. Hier kann ich über einen Zeitraum von vier Monaten bei ein für mich interessantes Forschungsprojekt hineinschnuppern. Außerdem besuche ich die Kolloquien an unserem Institut. Ich versuche außerdem jährlich an einer Fachtagung teilzunehmen, dieses Jahr geht es nach Wien zu der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Limnologie (DGL).

Was sind Ihre beruflichen Pläne für die Zukunft?

Ich kann mir vorstellen, in einer Prüfungskommission für Umwelt- und Naturschutz zu arbeiten, wenn es sich ergibt, gerne auf EU-Ebene. Darüber hinaus wäre natürlich auch ein internationales Post-Doc-Programm interessant, bei dem ich im Nahen Osten zum Thema Gewässerqualität forschen könnte.

Was sollten Studierende mitbringen, die an eine Promotion denken?

Die Motivation ist das A und O.

Welche Aufgaben ergeben sich noch im Zuge Ihrer Promotion?

Da ich Stipendiatin und nicht Mitarbeiterin am Institut bin, fallen alle administrativen sowie die Lehre betreffenden Aufgaben weg. Hin und wieder habe ich Bachelorstuden betreut und benotet, die im Rahmen meiner Doktorarbeit ihre Arbeiten geschrieben haben.

Was unternehmen Sie, um sich zusätzlich zu qualifizieren?

Ich versuche, mir neben der Promotion möglichst viel Ausgleich zu schaffen. Mich interessieren die Themen Psychologie und Gesundheit sehr, in den Bereichen lese ich viel. Außerdem versuche ich, viel Sport zu treiben und Zeit mit meiner Tochter zu verbringen.

Was sind für Sie die besonderen Herausforderungen beim Promovieren mit Kind?

Als ich  in der Türkei im Gelände Proben genommen habe, war meine Tochter fünf Monate alt, meine Mutter hat mich in dieser Zeit sehr unterstützt. Das war eine unheimlich schöne, aber auch abenteuerliche Erfahrung. Zeitlich ist man natürlich schon eingeschränkt, denn 40 bis 50 Arbeitsstunden in der Woche sind für mich nicht schaffbar. Ich nutze meine Zeit dafür wesentlich effektiver. Insgesamt würde ich sagen, dass es eine gute Zeit zum Kinderkriegen ist, da man mit der Promotion größtenteils nur sich selbst gegenüber verantwortlich ist.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf?

Das richtet sich bei mir nach den Kitazeiten: Gegen 9 Uhr wird an der Kita der Uni gefrühstückt, dann gehe ich ins Büro, nachmittags um 15 Uhr wird meine Tochter von mir oder ihrem Vater abgeholt. Je nachdem, wie viel Zeit ich dann am Nachmittag oder Abend habe, nehme ich mir diese Zeit für mich und mache Sport.

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