Allgemein, Promovierende im Interview
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Forschung zur Tradition des Wiesenwässerns

Ob Bodenproben entnehmen, Gras mähen oder Pflanzenbestimmung: Rebekka Gerlach liebt vor allem die Vielfalt der Aufgaben in ihrem Promotionsprojekt. Foto: Privat Ob Bodenproben entnehmen, Gras mähen oder Pflanzenbestimmung: Rebekka Gerlach liebt vor allem die Vielfalt der Aufgaben in ihrem Promotionsprojekt. Foto: Privat

Promotionsstudentin Rebekka Gerlach vom Institut für Umweltwissenschaften am Campus Landau erforscht im Rahmen des Projektes “WasserWiesenWerte” die traditionsreiche Methode des Wiesenwässerns in der Gegend um Landau. Was die Feldarbeit vor Ort so reizvoll für die Umweltwissenschaftlerin macht, verrät sie im Interview.

Die Serie: Sie forschen, organisieren Tagungen oder schreiben Fachartikel: In unserer Serie “Promovierende im Interview” berichten wir über Promovierende und ihre Forschung an unserer Universität. Und fragen: Was ist ihr Thema? Was sind ihre Leidenschaften? Wieso haben sie sich für eine Promotion entschieden? Wie organisieren sie ihr Arbeitspensum?

Bitte beschreiben Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen.

Ich beschäftige mich mit der Tradition der Wiesenbewässerung in der Region zwischen Landau und Germersheim. Diese Bewässerungsmethode gibt es seit dem Mittelalter, kommt aber bis auf wenige Ausnahmen seit Ende der 1960er-Jahre kaum noch in Europa zur Anwendung.  Das Besondere daran ist, dass das Wasser durch die Stauung eines Flusses, hier ist es die Queich, über ein Graben- und Wehrleitsystem auf die Wiesen geführt wird. In meiner Promotion untersuche ich die Wiesenbewässerung hinsichtlich verschiedener Aspekte. Beispielsweise möchte ich wissen, ob diese Methode zu einer Steigerung der Heuqualität und des Heuertrags führt und dadurch im Vergleich zur konventionellen Bewirtschaftung ein größerer Reichtum der lokalen Flora und Fauna festzustellen ist. Außerdem interessiert mich, welchen identitätsstiftenden Effekt ein so traditionsreiches Verfahren auf die Region als Naherholungsgebiet hat.

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Ich habe mich bereits in meiner Bachelorthesis mit der Vereinbarkeit von landwirtschaftlicher Produktion und Naturschutz beschäftigt. Bei meinem Promotionsprojekt hat mich vor allem die interdisziplinäre Heransgehensweise angesprochen: Man muss sich sowohl mit Aspekten der Landwirtschaft und Biodiversität auseinandersetzen als auch mit den Menschen vor Ort, deren Arbeitsweise und Selbstverständnis.

Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden?

Ich bin erst für das Masterstudium nach Landau gekommen und habe mich in der Region und am Institut für Umweltwissenschaften so wohl gefühlt, dass ich mir hier eine Promotion gut vorstellen konnte. Als dann die Rundmail einer Dozentin samt der Ausschreibung für das Dissertationsprojekt in meinen Posteingang flatterte, habe ich mich direkt dafür beworben.

Wie wird Ihre Promotion finanziert?

Meine Stelle wird als Drittmittelprojekt über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) finanziert.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits neben der Promotion?

Die Promotion nimmt schon einen sehr umfassenden Teil meiner Zeit in Anspruch. Gerade weil es so ein interdisziplinär angelegtes Projekt ist, muss man die Feldarbeit gut einteilen und organisieren. Allerdings habe ich natürlich an verschiedenen Konferenzen teilgenommen, die ein wichtiger Teil der Forschung sind. Beispielsweise habe ich im September 2014 mein Projekt auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie (GfÖ) in Hildesheim mit einem Poster vorgestellt und im vergangenen Winter zusammen mit anderen Promovierenden des Forschungsschwerpunkts „AufLand“ einen internationalen Workshop zum Thema Land-Wasser-Interaktionen organisiert .

Was sind Ihre beruflichen Pläne für die Zukunft?

Ich könnte mir sowohl vorstellen, an einem Post-Doc-Programm teilzunehmen als auch im Bereich Naturschutz tätig zu werden. Ideal wäre eine Stelle, in der ich wieder Freilandstudien betreiben könnte. Aber ich kann mir Vieles vorstellen. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist ja gerade das Reizvolle an den Umweltwissenschaften.

Was sollten Studierende mitbringen, die an eine Promotion denken?

Man sollte Feuer und Flamme für sein Thema sein, denn ohne diese Begeisterung kommt man nicht weit. Neben einer gewissen Frustrationstoleranz sollte man auch Improvisationstalent entwickeln, da viele Dinge im Forschungsprozess nicht immer laufen wie geplant.

Welche Aufgaben ergeben sich noch im Zuge Ihrer Promotion?

Ich betreue ab und an kleinere Projekte von Studierenden oder Abschlussarbeiten, darüber hinaus bin ich aber nicht in Prüfungsorganisation oder Lehre eingebunden. Ich kann mich also voll auf meine Doktorarbeit fokussieren, was ich als optimale Arbeitsgrundlage empfinde.

Was unternehmen Sie, um sich zusätzlich zu qualifizieren?

In der Vergangenheit habe ich einige Kurse und Weiterbildbungsangebote des Interdisziplinären Promotionszentrums (IPZ) in Landau wahrgenommen, darunter beispielsweise Kurse zum Thema wissenschaftliches Schreiben sowie Teamarbeit und Konfliktmanagement.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf?

Oft gibt mir das Wetter oder die Jahreszeit vor, welche Arbeitsschritte für mich zu tun sind. Der Großteil der Feldarbeit ist im Frühjahr oder Sommer zu erledigen, denn dann stehen beispielsweise das Mähen des Grases, die Entnahme von Bodenproben oder Pflanzenbestimmungen an. Im Winter versuche ich, die erhobenen Daten zu systematisieren, statistisch auszuwerten und Publikationen zu schreiben.

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