Promovierende im Interview
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Henrik Bruns erforscht Vereinbarkeit von Qualitätsmanagement und pädagogischer Arbeit

Henrik Bruns, Dimplom-Pädagoge am Institut für Padagogik am Campus in Koblenz erforscht in seinem Promotionsprojekt, ob alte und neue Ansätze des Qualitäsmanagements mit Konzepten pädagogischen Denken und Handelns kompatibel sind. Foto: Adrian Müller Henrik Bruns, Dimplom-Pädagoge am Institut für Padagogik am Campus in Koblenz erforscht in seinem Promotionsprojekt, ob alte und neue Ansätze des Qualitäsmanagements mit Konzepten pädagogischen Denken und Handelns kompatibel sind. Foto: Adrian Müller

Sie forschen, organisieren Tagungen oder schreiben Fachartikel: In unserer neuen Serie „Promovierende im Interview“ berichten wir über Promovierende und ihre Forschung an unserer Universität. Und fragen: Was ist ihr Thema? Was sind ihre Leidenschaften? Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden? Wie organisieren Sie ihr Arbeitspensum?Henrik Bruns ist Doktorand am Koblenzer Institut für Pädagogik und untersucht, wie sich betriebswirtschaftliche Kriterien des Qualitätsmanagements auf das Handeln von Pädagogen auswirken.

Bitte beschreiben Sie Ihre Forschung in drei Sätzen.

In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit der Frage, ob alte und neue Ansätze des Qualitätsmanagements mit klassischen Konzepten pädagogischen Denkens und Handelns kompatibel sind. Standardisierungsvorgaben wie die der ISO-Norm, die ursprünglich zur Prozessoptimierung industrieller Produktionsverfahren in der Wirtschaft und zur Sicherung der Kundenzufriedenheit beitragen sollten, sind seit den 1990er Jahren auch in der Weiterbildung und der sozialen Arbeit weit verbreitet. Zu diesem Sachverhalt wird in den Bildungswissenschaften auch ein breiter kritischer Diskurs geführt. In meinen Untersuchungen will ich genauer beleuchten, wo sich konkret Konfliktlinien im Denken und Handeln von Pädagogen ergeben, wenn sie sich neben pädagogischen Konzepten auch auf rational-betriebswirtschaftliche Qualitätsansätze stützen. Zudem will ich Möglichkeiten weiterer Annäherung der Zugänge ausloten.

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Ich finde spannend, dass neben Normen und Werten auch die Sprache in hohem Maße das Handeln in der pädagogischen Arbeit prägt. Wenn man beispielsweise den Begriff des Teilnehmers durch den Kunden- oder Lernerbegriff ersetzt, so ergeben sich vermutlich auch Verschiebungen auf der Handlungsebene. Trotzdem lässt sich feststellen, dass Pädagogen fremde Begriffe wie ‚Kunde‘ oder ‚Produkt‘ wiederum in eigener Weise ausfüllen und Ansätze des Qualitätsmanagements diese ‚eigensinnige‘ Interpretations- und Nutzungspraxis nicht vorgeben können.
Zudem war es für mich im Verlauf meines Forschungsprozesses spannend zu sehen, wie unterschiedlich in den verschiedenen Ansätzen, die sich alle gleichermaßen als pädagogisch verstehen, jeweils die pädagogische Aufgabe und Qualität verstanden wird.

Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden?

Ich bin Diplom-Pädagoge mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung und war im Laufe meines Studiums in der betrieblichen Personalentwicklung, in der Managementberatung oder auch als Coach in der Sozialen Arbeit tätig und konnte damit ganz verschiedene Bereiche pädagogischen Arbeitens kennenlernen. Dabei habe ich damals festgestellt, dass ich ein stark ausgeprägtes analytisches Interesse habe und mein Erkenntnis- und Forschungsinteresse stärker ausgeprägt ist als das konkrete Gestaltungsinteresse.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits zusätzlich zu Ihrer Promotion?

Während der Promotionszeit habe ich unter anderem mehrere Aufsätze publiziert und war in diesem Jahr auch an an der Ausrichtung für die Jahrestagung der Kommission Organisationspädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE) beteiligt. Darüber hinaus war ich auch Mitglied im Beirat des Interdisziplinären Promotionszentrums (IPZ).

Was sind ihre beruflichen Pläne für die Zukunft?

Oberste Priorität hat für mich jetzt natürlich zunächst der Abschluss der Promotion. Danach könnte ich mir eine Tätigkeit im Qualitätsmanagement eines Trägers der beruflich-betrieblichen Weiterbildung vorstellen. Andere mögliche Bereiche wären beispielsweise die Arbeit in einem Zentrum für Qualitätssicherung im Hochschulkontext oder Projektarbeit in einem Forschungsinstitut. Sehr spannend wäre  auch eine Professur etwa an einer Fachhochschule, aber eine solche Karriere lässt sich natürlich nicht sicher planen.

Was sollten Studierende mitbringen, die über eine Promotion nachdenken?

Zunächst sollte man sich bewusst machen, dass es ganz unterschiedliche Formen der Arbeit an einem Dissertationsprojekt gibt und man aus unterschiedlichen Motiven heraus eine Promotion anstreben kann. Es macht einen Unterschied, ob ich in einem Forschungsprojekt mit festen Strukturen involviert bin, mit Stipendium oder berufsbegleitend eine Dissertation schreibe und auch, ob ich mich mit der Promotion für eine Wissenschaftskarriere qualifizieren will. Neben der grundlegenden Freude am Forschen und der Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten ist natürlich auch Disziplin und Struktur wichtig. Wer Probleme mit einer inneren Struktur und dem zielgerichteten Arbeiten hat, der sollte sich auf jeden Fall eine klare äußere Struktur mit Projektfristen schaffen und diese auch mit dem Betreuer vereinbaren.

Welche Aufgaben ergeben sich noch im Zuge ihrer Promotion?

Ich bin Lehrbeauftragter am Institut für Pädagogik, halte Seminare und betreue daher aktuell noch Abschlussarbeiten.

Was unternehmen Sie, um sich zusätzlich zu qualifizieren?

Ich habe in dieser Hinsicht keine externen Angebote genutzt, sondern mich in verschiedener Weise im Rahmen meines Forschungsprojekts autodidaktisch weiterqualifiziert. – Etwa in den Methoden und Instrumenten empirischer Sozialforschung, um einen methodischen Ansatz meiner Untersuchung zu erarbeiten.

Wie organisieren Sie ihr Arbeitspensum?

Für den Fortschritt der Arbeit habe ich zusammen mit meinem Betreuer Termine gesetzt, um bestimmte Kapitel und Abschnitte Stück für Stück zu Ende zu bringen. Im Nachhinein kann man die Ergebnisse immer noch weiter ausarbeiten. Außerdem sollte man sich Zeiträume am Stück nur für die Dissertation freihalten. Meiner Erfahrung nach benötige ich zwei bis drei Tage, um in den Denkprozess hineinzukommen und Gedanken reifen zu lassen. Abgesehen davon habe ich mir Rituale am Wochenende in den Alltag eingebaut: Ich habe mich öfter in Cafés gesetzt, um mir beispielsweise die Argumentationslinien meiner Kapitel vorzuzeichnen. Die Arbeit in einer so einer Umgebung hat mir gerade in der jetzigen Phase geholfen, den Stress ein wenig herauszunehmen.

Interview: Sandra Erber

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