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Einblick in den Klinikalltag: Praktikum in einer psychotherapeutischen Klinik

Mona Hofmann studiert Psychologie. Durch ihr Praktikum in einer psychotherapeutischen Klinik sammelt sie wertvolle Praxiserfahrung. Foto: René Lang

Mona Hofmann studiert Psychologie. Durch ihr Praktikum in einer psychotherapeutischen Klinik sammelt sie wertvolle Praxiserfahrung. Foto: René Lang

Bin ich für die tagtägliche Arbeit mit psychisch Erkrankten geeignet? Diese Frage stellen sich viele Psychologiestudenten, wenn sie sich entscheiden müssen, in welche Richtung sie nach ihrem Bachelorabschluss gehen wollen. Die besondere Herausforderung, die die Arbeit in einer psychotherapeutischen Klinik für die Mitarbeiter mit sich bringt, sollte man nicht unterschätzen. Um herauszufinden, ob sie dieser Aufgabe gewachsen ist, hat Mona Hofmann (22) vier Monate lang in einer psychotherapeutischen Klinik hospitiert.

Wo haben Sie Ihr Praktikum gemacht und wie waren die Rahmenbedingungen?

Ich habe von Oktober 2018 bis Februar 2019 mein Pflichtpraktikum in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirkskrankenhaus Günzburg in Teilzeit absolviert. Nebenher habe ich als Wissenschaftliche Hilfskraft zehn Stunden pro Woche in der Forschung der Klinik gearbeitet.

Wieso haben Sie die Klinik in Günzburg ausgewählt?

Die Serie

Karriere. Lindsay Henwood/UnsplashDie Arbeitswelt kennenlernen und Perspektiven ausleuchten – wer hier schon im Studium aktiv wird, dem fällt der Berufseinstieg oft leichter. Unsere Serie „Karriere“ informiert zu Möglichkeiten, sich auf den Lebensweg nach der Uni vorzubereiten.

Über eine Empfehlung im Internet bin ich auf die Stelle gestoßen. Als Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm wird dort neben der Patientenversorgung sehr interessante Forschung im Bereich der Psychoimmunologie betrieben. Dabei geht es um den Zusammenhang zwischen der Psyche, dem Immunsystem und der Neurologie.

Warum haben Sie sich für den klinischen Bereich entschieden?

Ich fand es wichtig, den klinischen Bereich kennenzulernen, bevor ich mich für einen Schwerpunkt im Master entscheide. Ich wollte wissen, ob ich mich der Arbeit gewachsen fühle.

Was waren Ihre Aufgaben?

Zunächst bin ich natürlich viel mitgelaufen, konnte mich in Gesprächen dazusetzen und bei Visiten auf unterschiedlichen Stationen hospitieren. Auf der Station für junge Patienten mit Psychosen, häufig aus dem schizophrenen Formenkreis, war ich fest eingegliedert. Dort habe ich unter oberärztlicher Supervision auch eine eigene Gruppe geleitet und Therapeuten in anderen Sitzungen vertreten. In meiner eigenen Gruppe habe ich das integrierte psychotherapeutische Therapieprogramm für Patienten mit Psychosen geleitet. Das beinhaltete soziales Kompetenztraining, Gedächtnisübungen und kognitives Training. Außerdem habe ich in der Testdiagnostik ausgeholfen, wo ich Intelligenz-, Konzentrations- und Demenztests durchgeführt habe.

Gab es einen geregelten Arbeitsalltag?

Der Tag begann meist mit einer klinikübergreifenden Psychologenkonferenz. Dort wurden die Aufnahmen des letzten Tages, eventuelle Notfälle, suizidale Äußerungen, Fixierungen und Unfälle auf den verschiedenen Stationen besprochen. Danach ging man zurück auf die Station und erledigte die Arbeiten, die gerade anfielen. Nach der Übergabe der Pflege fanden meist Gruppen- oder Einzelgespräche statt, die ich begleiten durfte. Dabei lief ich auf meiner Station abwechselnd bei einer Psychologin, einem Psychotherapeuten in Ausbildung und der Oberärztin mit. Außerdem konnte ich zur Visite auf anderen Stationen hospitieren und zum Beispiel die akute Aufnahmestation, die analytische Kunsttherapie, progressive Muskelentspannung und Ergotherapie kennenlernen.

Was hat Ihnen besonders gut gefallen?

Allein die Tatsache, dass jeder Tag anders abgelaufen ist, hat mir sehr gut gefallen. Es gab immer neue Situationen, aus denen ich lernen konnte. Auch fand ich es spannend, alte Patientenakten durchzulesen und die Gespräche mit den Patienten mitzubekommen. Letzteres war für mich besonders im Hinblick auf das spätere Berufsleben interessant, da ich dort sehen konnte, wie all das theoretische Wissen aus der Uni in der Praxis angewandt wird.

Haben Sie die Inhalte des Studiums in der Praxis wiedererkennen können?

Ich habe mein Praktikum am Ende meines Bachelorstudiums gemacht, was ich für einen großen Vorteil halte, da ich schon auf viel Wissen  zurückgreifen konnte. Tatsächlich habe ich viel von den Dingen, die ich für Klausuren stumpf auswendig gelernt habe, im Arbeitsalltag wiedererkannt. Aber natürlich gab es trotzdem noch sehr viel Neues, und nicht alles, was ich gelernt habe, hat sich in der Praxis bestätigt.

Ist die enge Zusammenarbeit mit psychisch Erkrankten nicht sehr belastend?

Das Ziel ist, dass man den privaten und den beruflichen Bereich deutlich voneinander trennt. Das wird sowohl in den Seminaren in der Uni als auch von den Kollegen betont. Ich habe mich auch deshalb für ein Praktikum in diesem Bereich entschieden, um herauszufinden, wie gut ich diese Trennung umsetzen kann. Und ich habe festgestellt, dass es mir keine Probleme bereitet.

Was haben Sie aus dem Praktikum mitgenommen?

Genau das, was ich mir erwünscht hatte: Ich weiß jetzt, dass die klinische Psychologie ein interessanter Arbeitsbereich für mich ist. Daher werde ich nun auch diesen Schwerpunkt im Master wählen.

Das Interview führte Lisbeth Wolf

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