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Die Leidenschaft zur Lehre

Helge Batt ist Lehrkraft für besondere Aufgaben und akademischer Oberrat. In dieser Stellung sieht er sich Vermittler zwischen Forschung und Studierenden. Foto: Philipp Sittinger

Helge Batt ist Lehrkraft für besondere Aufgaben und akademischer Oberrat. In dieser Stellung sieht er sich Vermittler zwischen Forschung und Studierenden. Foto: Philipp Sittinger

Könnte Dr. Helge Batt die Zeit zurückdrehen, würde er sich für ein Lehramtsstudium entscheiden. Stattdessen hat er in Heidelberg Politikwissenschaft, Philosophie und Soziologie studiert. Bei einem Lehrgang für Hochschuldidaktik entdeckte er seine Leidenschaft für die Lehre. Danach führte ihn sein Weg in die Politikwissenschaft am Campus Landau als Akademischer Direktor und Lehrkraft für besondere Aufgaben. Daneben leitet er die Hochschuldidaktische Arbeitsstelle der Uni Koblenz-Landau. Hier ist er nun Lehrkraft für besondere Aufgaben und akademischer Oberrat. In diesen Positionen fungiert Helge Batt als Vermittler zwischen Forschung und Studierenden und bildet Lehrerinnen und Lehrer im Bereich Didaktik aus.

Was fällt in Ihre Aufgabenbereiche als Akademischer Direktor und Lehrkraft für besondere Aufgaben?

Meine Stelle hier in Landau ist sehr vielseitig und tangiert alle Teilbereiche der Politikwissenschaft. Ich helfe überall dort, wo Bedarf besteht. Hauptsächlich bin ich jedoch in der Fachdidaktik des Sozialkundeunterrichts tätig und betreue Lehramtsstudierende aller Schularten. Nebenbei gebe ich Lehrveranstaltungen zur politischen Theorie und zu internationalen Beziehungen.

Wie kam es zu Ihrem Interesse für das Lehramtsstudium?

Ich war selbst nie Lehrer, obwohl das viele Leute von mir denken. Zum Lehramtsstudium kam ich über die Hochschuldidaktik. Ich gehörte damals zum ersten Jahrgang in Heidelberg, der ein neues Zertifikat für Hochschuldidaktik erworben hat. Dort entdeckte ich meine Liebe zu Fragen der Didaktik und Methoden des Lehrens und Lernens. Dadurch lernte ich den Bereich der Schulpädagogik kennen. So habe ich mein Interesse für Politikwissenschaft mit dem für Lernen, Lernprozesse und Lernumgebungen kombiniert.

Wollten Sie je selbst Lehrer werden?

Wenn ich heute noch einmal die Wahl hätte, würde ich mich für das Lehramt entscheiden. Ich habe damals Magister studiert, obwohl ich eigentlich aus einer Lehrerfamilie komme. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, warum. Das Leben ist da manchmal eine Aneinanderreihung von Zufällen. In der Zwischenzeit mache ich viele Kooperationsprojekte mit Schulen, sehe meine Studierenden in den Praktika – bin also sehr nah an der schulischen Wirklichkeit dran, was ich für meinen Beruf sehr wichtig finde.

Wieso liegt Ihnen das Lehramtsstudium so am Herzen? Warum finden Sie die Ausbildung junger Lehrerinnen und Lehrer so bedeutend?

Zunächst finde ich das Lehramt so wichtig, da Lehrerinnen und Lehrer diejenigen sind, die die nächsten Generationen prägen werden. Deshalb sollten Lehrende möglichst gut gebildet und ausgebildet sein. Sie garantieren in gewisser Weise unsere Zukunft. Politische Bildung ist ein wesentlicher Bestandteil der Sicherung unseres demokratischen Systems. Sie ist wichtig, da sie zukünftige Generationen auf Partizipation, Mitentscheidung und Willensbildung vorbereitet. Das ist auch in der Hinsicht spannend, als dass politische Bildung im Kindergarten beginnt und sich wie ein roter Faden durch das ganze Leben zieht. Studierende auf die Aufgabe vorzubereiten, solche Prozesse zu begleiten, empfinde ich als eine sehr spannende und nachhaltige Tätigkeit.

Wie waren Sie als Student?

Ich habe immer für die Politikwissenschaft gebrannt. Ein Streber war ich dabei nicht. Zu den obersten fünf Prozent habe ich wohl nicht gehört. Aber ich war immer begeistert von meinem Fach und habe unglaublich viel gelesen. Die Verbindung von aktueller Politik und wissenschaftlicher Durchdringung war immer das, was mich interessiert hat und mich auch heute noch bewegt.

Wie sind Sie an die Uni gekommen?

Ich hatte nicht von Anfang an die Vorstellung, an der Uni zu bleiben Das hat sich eher zufällig ergeben. An der Universität Heidelberg hatte ich eine HiWi-Stelle bei Manfred Schmidt, der Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt vergleichende Regierungslehre war. Dort habe ich die Uni von innen kennen gelernt, war selbst Tutor und habe dadurch die Lehre für mich entdeckt. Nachdem für mich feststand, dass ich gerne an der Uni bleiben möchte, wollte ich unbedingt lehren. Ich bin nicht der klassische Forscher. Meine Stärken liegen in der Vermittlung. Und so sehe ich meine Arbeit auch heute noch: als Schnittstelle zwischen Forschung und Studierenden.

Welche Personen haben Sie geprägt?

Zum einen Manfred Schmidt, der mich an die Wissenschaft herangeführt hat. Er gehörte zu den Personen, die mich am meisten in meinem Denken und in meinem Werdegang beeinflusst und beeindruckt haben. Die zweite Person war Klaus von Beyme. Er hat mich in meiner Art stark geprägt: wie ich was lehre und vor allem, was ich dabei für wichtig erachte.

Was fasziniert Sie an der Politikwissenschaft?

Wahrscheinlich bin ich von meinem deutsch-französischen Elternhaus beeinflusst worden, in dem die deutsch-französischen Beziehungen und die Politik immer Themen waren. Das Spannende an der Politik ist für mich, dass wir einen Gegenstand haben, der sich permanent verändert und immer aktuell ist. Es gibt immer neue Fragen und neue Konflikte. Das Themenfeld verändert sich jeden Tag. Diese Entwicklungen zu erklären und zu verstehen, finde ich extrem spannend.

Würden Sie sagen, dass sich das Studentenleben und die Studierendenschaft seit Ihrer Studienzeit verändert haben?

Ich würde nie sagen, dass die Studierendenschaft besser oder schlechter geworden ist. Das halte ich für Quatsch. Die heutigen Studierenden sind anders, sie können andere Sachen gut. Im Recherchieren und im vielfältigen Medieneinsatz sind sie zum Beispiel deutlich besser als wir damals. Ich glaube, dass wir mehr gelesen haben und ein Stück weit kritischer waren. Vielleicht kann man sagen, dass wir uns in gewisser Hinsicht mehr auf das Studium konzentrieren konnten. Heute müssen die Studierenden ihre Zeit mehr aufteilen, wenn sie zum Beispiel neben dem Studium arbeiten. Außerdem glaube ich, dass die Zwänge im Studium größer geworden sind. Die Studierenden haben kaum noch die Möglichkeit, neben ihren eigentlichen Fächern weitere Veranstaltungen zu besuchen. Das war bei uns anders. Wir konnten mehr das machen, worauf wir Lust hatten. Dafür ist das Studium heute besser strukturiert, sodass sich die Studierenden nicht so leicht darin verlieren.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit an der Universität?

Große Freude bereitet mir, Lehramtsstudierende von ihrem ersten bis zum letzten Tag an der Uni und einige noch darüber hinaus zu begleiten. Ich freue mich jeden Tag auf meine Arbeit. Ich empfinde es als Privileg, Dinge tun zu können, die mir Spaß machen und in denen ich einen Sinn sehe.

Was unterscheidet Ihre Arbeit von der eines „klassischen“ Dozenten?

Als Lehrkraft für besondere Aufgaben und Akademischer Direktor habe ich nur eine zentrale Aufgabe, und zwar die Lehre. Dadurch kann ich in diesem Bereich auch wirklich aufgehen und ihm all meine Zeit widmen. Das könnte ich als Professor beispielsweise nicht, da ich noch viele weitere Aufgaben zu erfüllen hätte. In meiner jetzigen Position kann ich genau das machen, was ich gerne tue und diese Begeisterung auch leben.

Was unternehmen Sie als Ausgleich zur Denkarbeit an der Uni?

Meine ganz große Liebe ist die Kunst, sowohl die Kunst der Klassischen Moderne als auch die Kunst der Gegenwart. Das ist eine große Leidenschaft von mir. Mein zweites Hobby ist Sport. Ich finde dabei auch die sogenannte Life-Work-Balance sehr wichtig. Man füllt auf beruflicher und privater Ebene ja immer unterschiedliche Rollen aus und ich denke, dass man diese Rollen auch gleichwertig bespielen muss.

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