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Auf den Spuren von… Pressereferentin Sarah Ochs

Alumna Sarah Ochs sammelte schon während des Studiums viel praktische Erfahrung und hatte dadurch keine Probleme beim Berufseinstieg. Foto: Lisa Leyerer Alumna Sarah Ochs sammelte schon während des Studiums viel praktische Erfahrung und hatte dadurch keine Probleme beim Berufseinstieg. Foto: Lisa Leyerer

Um sich als Unternehmen zu verkaufen braucht es vor allem eins: gute Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sarah Ochs arbeitet als Presserefentin bei einer Firma für Banken-IT. Die ehemalige Uniblog-Reporterin hat früh damit begonnen, praktische Erfahrungen zu sammeln. Warum genau das für Ihren Job so wichtig ist, erzählt sie im Interview.

Sie sind Pressereferentin bei der Fiducia & GAD IT AG: Wie sind Sie an den Job gekommen?

Im Laufe meines Studiums hatte ich mich schon zwei Mal bei der Fiducia & GAD beworben. Mein Bruder hat dort seine Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht, das Unternehmen hat in Karlsuhe einen sehr guten Ruf und ist einer der größten Arbeitgeber. Während meiner Masterarbeit in einem anderen Unternehmen habe ich mich bereits vier Monate vor Abgabetermin und Vertragslaufende auf die Suche nach möglichen Arbeitgebern gemacht. Bei der Fiducia & GAD war eine damals Stelle in der Unternehmenskommunikation ausgeschrieben. Zwar war die Stelle befristet auf ein Jahr, aber natürlich habe ich mich trotzdem beworben. Im dritten Anlauf hat es dann endlich geklappt, sodass ich am nächsten Werktag nach Abgabe meiner Thesis in den Job gestartet bin. Im Dezember vergangenen Jahres wurde mein Vertrag außerdem entfristet.

Was sind Ihre Aufgaben?

Mein „Brot- und Buttergeschäft“ ist die klassische Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Das heißt, ich bin Ansprechpartnerin für die Medien – von der Lokalzeitung, über Fachmagazine bis hin zu den großen Wirtschaftszeitungen. Pressemitteilungen verfassen, Pressekonferenzen durchführen, Fachbeiträge für Magazine und Zeitungen schreiben, Mediaplanung oder auch die redaktionelle Betreuung unseres Internetauftritts und der Social-Media-Kanäle gehören damit zum Tagesgeschäft. Bei Themen im Bereich Investor Relations, beispielsweise beim Geschäftsbericht oder unserer Kundenzeitschrift „think.bank“, mische ich auch mit. Weitere Schwerpunkte sind die Produkt-PR und das Kommunikations-Controlling. Neben der klassischen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bin ich auch immer mal wieder in verschiedenen Projekten innerhalb des Unternehmens unterwegs.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Das ist schwierig, „normal“ gibt es in meinem Job nicht. Zum Glück. In der Regel komme ich morgens ins Büro und überfliege erst einmal die Nachrichten in den für uns relevanten Medien, vom Handelsblatt bis zum privat betriebenen Blog. Danach kommt es darauf an, was gerade ansteht: Ich nehme an Veranstaltungen teil, schreibe Texte, drehe Filme, entwerfe Konzepte oder halte auch mal einen Plausch mit einem Journalisten. Selbstdisziplin ist dabei nicht zu unterschätzen.

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Sich immer wieder auf neue Themen einzustellen und zu erfassen, auch wenn man fachlich gar nicht viel Ahnung hat. Ich sehe mich sozusagen als „Übersetzerin“. Der Input für unsere Kommunikation hat meist einen extrem fachlichen Charakter. Das übersetze ich in eine allgemeine Sprache, die auch jeder Fachfremde Leser/Zuschauer/Zuhörer verstehen kann. Ein Extremfall: Es kommt zum Glück nur selten vor, dass ich alles stehen und liegen lassen muss, weil zum Beispiel ein Krisenstab einberufen wird oder ein für die Presse relevantes Thema anderweitig „hochkocht“. In solchen Situationen kommt es darauf an, die richtigen Leute an einen Tisch zu bekommen und sich schnell einen Überblick über das Problem zu verschaffen. Das ist manchmal gar nicht so leicht. Krisen haben bei uns meist einen sehr technischen Hintergrund, der für Laien wenig bis gar nicht zu verstehen ist, oder sie sind hochpolitisch. In der Krisenkommunikation kommt es noch mehr als sonst auf Fingerspitzengefühl, schnelles und fokussiertes Arbeiten und gut durchdachte Kommunikation an. Von einer wirklich schlimmen (kommunikativen) Krise bin ich bislang zum Glück verschont geblieben.

Wussten Sie schon zu Studienbeginn, was Sie später machen wollen? Was war Ihr Traumjob?

Wie viele, die in der PR gelandet sind, wollte ich eigentlich Journalistin werden. Also habe ich schon im Bachelorstudium angefangen, für verschiedene Tageszeitungen und Online-Medien, als freie Mitarbeiterin zu schreiben. Meine Semesterferien habe ich fast durchgängig immer in Redaktionen verbracht, dort lernt man viel für das Handwerk eines Medienmachers. Später folgten dann Tätigkeiten als Hiwi in einem Projekt am Institut für Politikwissenschaft , als Redaktionsmitglied bei der Campuszeitung NeuLand, als Campusreporterin beim UniBlog sowie ein Ausflug ins Online-Marketing bei web.de und GMX. Durch all diese Erfahrungen habe ich gemerkt, dass ich eher der Typ bin, der in einem Unternehmen arbeiten möchte. Die Aufgaben in der PR empfinde ich als vielfältiger und abwechslungsreicher als im Journalismus.

Warum haben Sie sich für ein Studium an der Universität Koblenz-Landau entschieden?

Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Politikwissenschaft studieren. Als ich anfing, mich näher mit dem Thema Studium zu befassen, bin ich auf die Sozialwissenschaften gestoßen. Ich habe mich an einigen Universitäten beworben und hatte ein paar Zu- und Absagen. Für Sozialwissenschaften genießt die Universität Koblenz-Landau einen sehr guten Ruf. Verhältnismäßig kleine Vorlesungen und Seminare haben mich dann überzeugt, hier zu studieren.

Welche Rolle spielt Ihr Studium für Ihre Tätigkeit als Pressereferentin?

Das Studium spielt schon eine große Rolle – für mich maßgeblich allerdings erst mit dem Master in Sozial- und Kommunikationswissenschaft. Dort wurden mir viele Inhalte vermittelt, die heute von Bedeutung sind. Ich habe Seminare und Vorlesungen zu politischer Kommunikation, interner und externer Kommunikation in Organisationen, aber auch beispielsweise zu Werbewirkung besucht. Das hilft beim strategischen Aspekt meines Jobs sehr gut. Nichtsdestotrotz ist Praxiserfahrung in Journalismus und PR immens wichtig, um in diesem Bereich Fuß zu fassen. Bei mir haben sich Studium und parallel gesammelte Erfahrungen perfekt ergänzt.

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Ihre Alma Mater und an Ihre Studienstadt Landau zurückdenken?

Um ehrlich zu sein, gibt es gar nichts Bestimmtes. An die Jahre, die ich in Landau verbracht habe, habe ich viele schöne Erinnerungen.

Wie halten Sie noch Kontakt zur Uni?

Als „Digital native“ ist das natürlich nicht schwer. Über Social-Media-Kanäle wie Facebook, Twitter und Co. bleibt man schon ganz gut darüber auf dem Laufenden, was die Kommilitonen, Professoren, Dozenten und alten Kollegen so treiben. Zu einigen pflege ich natürlich auch den persönlichen Kontakt, sei es über WhatsApp, Mails oder natürlich mal zum Kaffee in Landau.

Was haben Sie im Studium gelernt, was nicht in den Lehrbüchern zu finden ist?

Dass im Alleingang nichts funktioniert, das sowieso alles anders kommt als gedacht und dass man sich auf sein Bauchgefühl verlassen sollte. Ich denke, selbst gesteckte Ziele sind wichtig, aber nicht alles. Man sollte den Mut haben, zwischendurch auch mal den Kurs zu ändern, was Neues zu probieren und Chancen zu nutzen, die sich auftun.

Der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Im Bezug auf die Uni: den Master zu machen. Privat: nicht immer so vernünftig zu sein.

Ihr schönstes Erlebnis an der Universität Koblenz-Landau?

Ohje, das ist schwierig. Zwei Mal wurde ich von Mitarbeitern der Uni angesprochen, ob ich nicht Interesse hätte, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Das war deshalb so schön, weil ich von Dritten empfohlen wurde beziehungsweise aufgrund einer guten Leistung aufgefallen bin. Für mein Ego war das natürlich super. Es bestätigte mich außerdem darin, auf dem richtigen Weg zu sein.

Generalist oder Spezialist – auf was sollten Studierende Ihres Faches bei der Wahl der Schwerpunkte achten?

In Journalismus und PR ist das wohl eher nachrangig. Man kann auch Physik studieren und später mal ein hervorragender Wissenschaftsjournalist werden, solange man Talent hat. Je nachdem, in welchem Umfeld man sich aber später thematisch bewegen möchte, ist Spezialistenwissen extrem wichtig. Der Physik-Student wird wohl eher keine Karriere als Feuilletonist anstreben. Auf der anderen Seite: die Fiducia & GAD macht Banken-IT. Ich bin in beiden Themen keine Spezialistin, beherrsche aber mein Kommunikations-Handwerk gut (würde ich zumindest behaupten).

Was raten Sie unseren Studierenden, die sich für Ihre Berufsbranche interessieren?

So früh wie möglich Praxiserfahrung zu sammeln. Und die Zähne zusammen zu beißen, wenn man zum gefühlt hundertsten Mal von einer Lokalredaktion zur Mitgliederversammlung des Kaninchenzüchtervereins geschickt wird, obwohl man eigentlich von Berichten über die große Politik träumt. Außerdem: offen sein, Dinge ausprobieren, Seminare und Vorlesungen besuchen, die einen interessieren, Kontakte knüpfen.

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